Fahrradbügel auf früherem Parkplatz ärgern Autofahrer

Jennifer Schumacher
Anwohner aus der Joseph-Lenné-Straße ärgern sich über die Umwandlung des Parkplatzes in eine Fahrradstellfläche. Tatsächlich muss nach Angaben der Stadt wegen der Trafostation ein Schutzabstand eingehalten werden.
Anwohner aus der Joseph-Lenné-Straße ärgern sich über die Umwandlung des Parkplatzes in eine Fahrradstellfläche. Tatsächlich muss nach Angaben der Stadt wegen der Trafostation ein Schutzabstand eingehalten werden.
Foto: Essen
In einer Rüttenscheider Seitenstraße wurden zwei Bügel dort installiert, wo zuvor ein Pakrplatz war. Die Stadt spricht von einem Sonderfall.

Essen-Rüttenscheid.  Thomas Pallack mochte seinen Augen nicht trauen, als er kürzlich den neuen Fahrrad-Parkplatz in der Joseph-Lenné-Straße bemerkte. Denn dort, wo jetzt zwei Fahrräder abgestellt werden können, hatte vorher ein Auto Platz. Pallack lebt seit 20 Jahren in der Nebenstraße zwischen Rü und Messe, weiß also, wie angespannt die Parksituation vor der Haustür ist. „Ich möchte der Stadt Essen ausdrücklich zur Umwandlung nicht mehr benötigten Parkraums gratulieren. Geht’s noch?“, drückt Pallack in einer ironischen E-Mail sein Unverständnis aus.

Auf Nachfrage teilt die Stadt mit, dass der vermeintliche Parkplatz nie als solcher ausgezeichnet war: Die benachbarte Trafostation erfordere einen Schutzabstand von mindestens 1,20 Meter. Um diesen Bereich frei zuhalten, habe man die Fahrradbügel installiert. Baumpate Ulrich Straeter, der offiziell Pate für die ebenfalls benachbarte Baumscheibe ist, hatte den Prozess angestoßen: „Beim Aussteigen und auch beim Parken wurde häufig das Beet beschädigt“, erklärt Straeter.

Situation ist ein Sonderfall

Für den Fahrradbeauftragten Christian Wagener ist die Situation ein Sonderfall – dass vermeintlicher Parkraum von Fahrradbügeln in Beschlag genommen werde, stimme so nicht. „Die meisten Fahrradbügel werden immer auf ausreichend breite Gehwege gestellt. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Meter Gehwegbreite übrig bleiben“, erklärt Wagener. Auch an der Rüttenscheider Straße werden mitunter Stimmen laut, Parkraum würde durch die Bügel vernichtet. Tatsächlich aber dienen sie dort der Sicherheit, wie auch Rolf Krane von der Interessengemeinschaft Rüttenscheid weiß: „Die Bügel, die dort vermeintlichen Parkraum blockieren, wurden aufgestellt, um die Sicht auf die Zebrastreifen zu verbessern. Ein Problem ist jedoch, dass einige Autofahrer die niedrigen Bügel beim Rückwärts-Einparken übersehen.“

Zwei Mal im Jahr bereist Christian Wagener gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Amts für Straßen und Verkehr die Stadt, um neue Fahrradstellflächen zu prüfen. 100 bis 150 Bügel im Jahr kommen im Schnitt hinzu, 5000 stehen im gesamten Stadtgebiet. Dabei könnten auch Bürger mitbestimmen, an welcher Stelle neue Fahrradbügel installiert werden. „Wir sammeln alle Vorschläge und prüfen sie dann schließlich. Die meisten Meldungen kommen aus den dicht besiedelten Stadtteilen wie Rüttenscheid, Holsterhausen und Frohnhausen“, hat Wagener beobachtet.

Ein Grund sei, dass viele Radfahrer dort kaum Möglichkeiten hätten, das Rad im Haus sicher abzustellen. „Und es an einem Bügel abzuschließen ist allemal besser, als es ungesichert in Flur oder Keller abzustellen“, sagt der Fahrradbeauftragte. In der Regel teste er neue Standorte zunächst mit wenigen Bügeln aus: „Bewährt sich eine Stellfläche und werden die Bügel sogar von beiden Seiten genutzt, installieren wir weitere Abstellmöglichkeiten. Die Bügel an der Gruga beispielsweise werden gut genutzt “, sagt Wagener. Für das Grüne Hauptstadtjahr 2017 sei keine große Initiative geplant. Gleichwohl könne jeder Bürger Vorschläge für neue Standorte machen, bittet Wagener um Mithilfe.

Vorschläge können gemacht werden unter Tel.: 0201 88 61240 oder per E-Mail an [email protected] amt61.essen.de.