Fahrgäste können bald besser umsteigen

Rundumblick: Dirk Wiaczka hält gleichzeitig sieben Monitore und eine Telefonanlage im Auge.
Rundumblick: Dirk Wiaczka hält gleichzeitig sieben Monitore und eine Telefonanlage im Auge.
Foto: Evag
Die Evag schaltet ihr Kommunikationsnetz auf digital: So erfahren die Kunden auf die Minute genau, wann die Bahn oder der Bus tatsächlich kommen – und die Fahrer können besser für den Anschluss sorgen.

Essen.. Auf der Infotafel steht, dass der Zug in einer Minute kommen soll. Aber er kommt nicht. Fehlanzeige. Da war mal wieder einer falsch informiert. In diesem Fall der Computer.

Der über 20 Jahre alte analoge Funk und das bisherige Informationssystem der Evag laufen „nicht immer rund“, sagt auch Wilfried Kühn, Via-Bereichsleiter für die Bahninfrastruktur. Wo genau eine Bahn sich gerade befindet, ist nicht immer klar – vor allem da, wo die Züge aus dem Tunnel raus- oder reinrauschen – oder mal wieder ein Funkloch auftritt.

Fahrgäste fühlen sich schlecht informiert

Hier und da ist es für den Fahrgast richtig ärgerlich, weil er zu lange auf den angekündigten Anschluss warten muss – oder ihm die Bahn vor der Nase weggefahren ist – er fühlt sich schlecht informiert.

Für die Evag steht dieses Thema ganz oben auf der Prioritätenliste. Denn Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist das A und O im Nahverkehr.

Also müssen neue Computer her — wenn es das nur wäre. Hinzu kommen neue Zentralrechner, neue Empfänger in allen Bussen und Bahnen, neue Funkmasten, eine neue Software. Und, und, und. Am Ende heißt das Zauberwort, das für bessere Zeiten im ÖPNV sorgen soll: digital. Hundertprozentig.

Kunden erfahren, wann die nächste Bahn kommt

Das kostet Geld, viel Geld. Um die ein oder andere Million zu sparen, haben sich die vier Städte Essen, Mülheim, Duisburg und Düsseldorf zusammengetan, um für insgesamt 37,5 Millionen die von der Karlsruher Firma Init AG entwickelte Verkehrstechnik ITCS (Intermodal Transport Control Systems) mit allem drum und dran einzuführen. Der Clou: Dem Computer werden automatisch alle Daten gesendet, mit dem genau berechnet wird, wo genau die Evag-Fahrzeuge gerade unterwegs sind. Die Kunden erfahren, wann die nächste Bahn oder der nächste Bus tatsächlich kommen.

Ob über Handy, im Internet oder auf einer der 200 elektronischen Dyfa-Infotafeln – exakt auf die Minute werden die Ankünfte angezeigt – und das künftig fehlerfrei. Der neue Zentralrechner, an dem die Verkehrsbetriebe angeschlossen sind, berechnet automatisch mögliche Verspätungen und versucht gegenzulenken. Zum Beispiel mit dieser Order: Der Bus fährt nicht bis zur Endhaltestelle, sondern verkürzt den Linienweg, weil in der Gegenrichtung bereits viele Fahrgäste an den Haltestellen warten. Oder: An einem Umsteigepunkt wird ein Fahrer per Order seines Bordcomputers angewiesen, noch zwei Minuten stehen zu bleiben. Bis dahin ist der verspätete Anschluss-Bus eingetroffen.

Weitergehende Entscheidungen trifft der Disponent in der Leitstelle, der auf seinem Monitor den Linienverkehr bis ins Detail verfolgen kann. Das Entscheidende ist: Er hat die nötigen Informationen noch schneller zur Hand. Und die Evag hofft, dass ihre Linienfahrzeuge pünktlicher werden.

Entscheidung für komplett neue Verkehrstechnik

Für das alles braucht Bereichsleiter Wilfried Kühn einen langen Atem. Vor drei Jahren fiel die Entscheidung bei Via und Rheinbahn für diese komplett neue Verkehrstechnik. Jetzt endlich beginnt es in Essen richtig zu funken. Acht der 16 neuen Funkmastanlagen sind im Stadtgebiet inzwischen aufgestellt. Bald werden die ersten Fahrzeuge mit den Digitalempfängern und neuer Technik ausgestattet. In etwa drei Wochen startet in der Ruhrmetropole der technische Probebetrieb in ausgesuchten Fahrzeugen. „Dann testen wir aus, ob es funktioniert“, so Kühn. Im Frühjahr ist die erste kleine Generalprobe im Linienverkehr. Klappt alles, wird ab Spätsommer oder im Herbst sukzessive umgeschaltet. „Im nächsten Jahr wollen wir damit fertig sein“, kündigt der Bereichsleiter an.

Ein weiterer Vorteil: Mit dem Digitalfunk können bestimmte Gruppen gezielt angesprochen werden. So kann die Leitstelle speziell die Fahrgäste einer Linie über Lautsprecher auf Verkehrsstörungen oder Ausfälle hinweisen.

Die Feuerwehr und die Polizei können schon jetzt im unterirdischen ÖPNV-Netz problemlos miteinander kommunizieren. Die funken aber auf anderen Frequenzen – mit ihrem eigenen Digitalfunk BOS.

Alles muss die Evag ja nicht mithören.

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