Mehr als 200.000 Besucher auf Extraschicht im Ruhrgebiet – so schön war die Nacht der Industriekultur

Die Jahrhunderthalle Bochum.
Die Jahrhunderthalle Bochum.

Geister auf Stelzen begrüßen in der Kokerei Hansa in Dortmund die Besucher, in der Kompressorenhalle tanzen Paare zu Musik aus den 1920er bis 40er Jahren. Hoch in der Luft, mitten in den markanten Kühltürmen, schweben zwei Künstlerinnen scheinbar schwerelos von den 20 Meter hohen Gerüsten herab.

Ein furioser Auftakt der „Extraschicht“, die das Ruhrgebiet von seinen schönsten, spektakulärsten und liebenswertesten Seiten zeigt.

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Bis in die Nacht zu Sonntag um zwei Uhr präsentieren 2000 Künstler Akrobatik, Lasershows, Konzerte, Lesungen und Mitmach-Aktionen. Thematischer Schwerpunkt der achtstündigen und knapp 1,5 Millionen Euro teuren „Extraschicht“ ist der Ausstieg aus der Kohle.

Ende Dezember schließen in Bottrop und Ibbenbüren (Münsterland) die beiden letzten deutschen Steinkohlezechen.

Viele Programmpunkte des Festivals erinnern an die alte Zechenherrlichkeit. So auch auf dem Welterbegelände Zollverein in Essen, die im Ruhrgebiet gerne als „schönste Zeche der Welt“ bezeichnet wird.

Mit rund 2000 Knappen beginnt 13. Deutscher Bergmannstag

Der 13. Deutsche Bergmannstag beginnt pünktlich zum Tag der „Extraschicht“ mit rund 2000 Knappen, Spielmannszügen und Bergmanns-Chören. Immer wieder musizieren die Spielmannszüge zwischen den alten Fabrikgebäuden.

Ein großer Zapfenstreich mit allen Teilnehmern wird zu einem Höhepunkt des Festivals. Der Künstler „Illuminist“ setzt passend dazu direkt ein ganzes Gebäude mit Lichtinstallationen in Szene.

Besuchermassen werden von Aussicht angezogen

Aber es sind nicht nur die spektakulären Aktionen, die die Besuchermassen anziehen. Ein Blick vom Panorama-Dach der alten Kohlenwäsche lockt Hunderte Besucher auf die Aussichtsplattform. Auch die Ausstellungen sind stark besucht. „Glück Auf in Deutschland“, eine Ausstellung über Migrantengeschichten im deutschen Bergbau, scheint eine Art Geheimtipp zu sein. Vor den Fotos und Geschichten aus mehreren Jahrzehnten bilden sich immer wieder Schlangen.

Aber auch die Dauerausstellungen im Ruhr Museum locken die Besucher. Ob es die Jacke von „Tatort“-Komissar Horst Schimanski ist oder ein Einmach-Glas mit Wasser, dass eine Essenerin 1945 sorgsam abkochte, um zum Kriegsende im Fall des Zusammenbruchs der Trinkwasserversorgung gewappnet zu sein und die Familie versorgen zu können. Vor diesen und anderen Exponaten werden Erinnerungen ausgetauscht und aufgefrischt.

RuhrTourismus sehr zufrieden

„Wir sind sehr, sehr glücklich“, fasst eine Ruhr-Tourismus-Sprecherin am Samstagabend zusammen. Das herrliche Wetter habe wahrscheinlich sogar mehr als die erwarteten 200.000 Besucher zu den 50 Veranstaltungsorten in den 22 Städten zwischen Unna und Moers gelockt.

Die Stimmung sei überall sehr gut, auch wenn der hohe Andrang teilweise zu längeren Wartezeiten geführt habe. So seien die Bustouren im Chemiepark Marl sowie Besuche der Mineralwasserproduktion der Stiftsquelle in Dorsten extrem frequentiert gewesen. „Dort kann man Blicke hinter die Kulissen werfen, die sonst so nicht möglich sind“, erklärte die Sprecherin.

Reibungsloser Ablauf auch verkehrstechnisch

Für einen auch verkehrstechnisch reibungslosen Abend sorgten 160 Shuttlebusse, die zwischen den Veranstaltungsorten im gesamten Ruhrgebiet pendelten. Historische Fahrzeuge aus der Zeit der Großindustrie unterstützen beispielsweise in Dortmund den Shuttle-Verkehr.

Die Geschichte der „Extraschicht“ endet übrigens nicht mit dem Kohleausstieg, wie eine Ruhr-Tourismus-Sprecherin betonte. „Die Extraschicht geht 2019 weiter - auch ohne Kohleförderung.“ (dpa/fb)

 
 

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