Ex-SPD-Chef Willi Nowack kämpft gegen seine Verurteilung

Stefan Wette
Willi Nowack muss sich vor dem Landgericht wegen Insolvenzverschleppung verantworten. Foto: Oliver Müller
Willi Nowack muss sich vor dem Landgericht wegen Insolvenzverschleppung verantworten. Foto: Oliver Müller
Foto: Oliver Müller NRZ
„Ein hoffnungsloser Fall“, sagt der Jurist aus der Rechtsabteilung der Sparkasse. Vor dem Landgericht erzählt er am Mittwoch, wie der Vier-Millionen-Euro-Kredit des ehemals mächtigen SPD-Chefs Willi Nowack abgewickelt und dessen „Büro Nowack GmbH“ entschuldet wurde.

Essen. Verantworten muss sich der 60-jährige Altenessener Willi Nowack vor der IX. Strafkammer des Essener Landgerichts wegen Insolvenzverschleppung. Er soll versäumt haben, für seine seit 2003 zahlungsunfähige Firma Insolvenz anzumelden. 2005 war er deshalb vom Landgericht verurteilt worden, hatte die Firma aber weitergeführt, wenn auch ohne für Außenstehende erkennbare Geschäftstätigkeit.

Vorstand der Sparkasse entschied über Nowacks Bericht

Für die Zeit von Ende 2005 bis 2009 hatte das Essener Amtsgericht ihn am 22. März 2011 erneut verurteilt: ein Jahr und vier Monate Haft. Ohne Bewährung. In der Berufung kämpft der Ex-SPD-Landtagsabgeordnete gegen das Urteil an. Die Sparkasse hätte ihm klar signalisiert, dass sein Unternehmen eine Perspektive hätte und entschuldet werde, sagte er am ersten Prozesstag. Deshalb hätte er keinen Insolvenzantrag gestellt.

Ganz so eindeutig bestätigt der 55 Jahre alte Sparkassenjurist diese Einlassung nicht. Er macht aber klar, dass das Geldinstitut kein Interesse an einer Insolvenz hatte. Die Abwicklung maroder Kredite machte 2006 den Großteil seiner Arbeit aus. Damals hätte der Vorstand entschieden, den seit Jahren nicht mehr bedienten Kredit Nowacks fällig zu stellen. Wer meint, damit kommt die große Keule auf den Schuldner zu, täuscht sich: „Im Vordergrund steht die konsensorientierte Abwicklung.“ Kein Sonderfall Nowack also, sondern Alltag, auch wenn der Vorstand den Fall „wegen der Position Nowacks in der Stadt hoch gehängt hatte“.

Zeuge: Der Fall Nowack war "hoffnungslos"

Behutsam gehen die Geldinstitute vor, hört das Gericht; schon vor einer drohenden Insolvenz, in der es meist nichts gibt für den Gläubiger: „Wir bieten einen Teilforderungsverzicht gegen Auflagen an.“ Bei Nowack ging es vor allem um ein Haus in Erfurt, das der Sparkasse rund 400 000 Euro einbrachte. Und um Forderungen Nowacks an den Essener Projektentwickler mfi aus einem Berater- oder Provisionsvertrag, der laut Nowack 1,8 Millionen Euro wert war. Zum Schluss brachte er der Sparkasse 30 000 Euro.

Der Jurist steht als Zeuge unter Wahrheitspflicht, und so spricht aus ihm das ganze Leid eines Kreditabwicklers. Es hört sich an, als ob man als Schuldner gegenüber den Banken und Sparkassen am längeren Hebel säße. Denn wenn der säumige Kreditnehmer alle Möglichkeiten ausschöpfe, „dauert es 15 Jahre, bis die Gerichte entscheiden“. Sicher sei der Fall Nowack „hoffnungslos“ gewesen, aber das seien 97 Prozent aller abzuwickelnden Fälle. Allerdings: „Ich bitte Sie, das sind drei Prozent unseres Kreditgeschäftes.“ Dass die Sparkasse den Kredit schwach absicherte? „Wir geben sogar Darlehen ohne Sicherheit. Das sind die Schönsten, die Blanko-Darlehen.“