Evag verkaufte während der A40-Sperrung 200 Umsteiger-Tickets

Die Evag hat während der A40-Sperrung 200 Umsteiger-Tickets verkauft.
Die Evag hat während der A40-Sperrung 200 Umsteiger-Tickets verkauft.
Foto: WAZ FotoPool
Vor Beginn der A40-Sperrung präsentierte die Essener Verkehr AG ein "Umsteiger-Ticket" für Autofahrer, die dem Stau entgehen wollen. 200 dieser Abo-Tickets hat die Evag inzwischen abgesetzt – und feiert es als "sensationell gutes Ergebnis". Aber ist es das wirklich?

Essen. Seit Beginn der Bauarbeiten vor zwei Wochen zählt die Essener Verkehrs-AG schon über 200 Probekunden, die sich fürs „A40-UmsteigerTicket“ entschieden haben.

Jemanden, der für gewöhnlich Tag für Tag im eigenen Wagen zur Arbeit fährt, davon zu überzeugen, für drei Monate probeweise öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, „ist echt kein Pappenstiel“, weiß Nils Hoffmann nur zu gut. Er verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit im Hause Evag und kennt den Preis für eine groß angelegte Werbekampagne, die beinahe alle Essener erreicht – denn die ist „fast unbezahlbar“. Umso mehr freut sich Hoffmann, dass die Essener Verkehrs-AG Schützenhilfe vom „Landesbetrieb Straßenbau NRW“ erhält, „der uns für drei Monate die A40 in Essen sperrt, damit wir zeigen können, was wir können“. Okay, Hoffmann ist dieser Tage ein wenig zu Späßen aufgelegt, doch er hat auch allen Grund dazu: Seit der Sperrung hat die Evag schon über 200 „A40 Umsteiger“-Tickets un­ter das Autofahrer-Volk gebracht und so manchen Essener PS-Liebhaber womöglich bereits bekehrt, nach der Probezeit dauerhaft auf Busse, U- und Straßenbahnen umzusteigen.

Vier Ticket-Alternativen

Das Test-Abonnement gibt es seit dem 1. Juli – wahlweise als „YoungTicketPlus“, „Ticket2000“, „Ticket1000“ oder „BärenTicket“ – in fünf Preisstufen. Innerhalb von drei Monaten ist es jeden Monat kündbar. Ohne Grund versteht sich. „Die Umsteigekampagne haben wir blitzartig gestartet und damit bereits in den ersten Tagen ein sensationell gutes Ergebnis eingefahren, das wir so nie erwartet hätten“, klopft sich Nils Hoffmann verbal auf die breiten Evag-Schultern. Üblich seien solche „Lustkäufe“ bei Weitem nicht, wenn es um Mobilität gehe. „Denn wenn jemand in einem un­serer Kundencenter ein Abo abschließt, beantwortet er sich damit auch immer die Frage, welches Mobilitätsverhalten er zukünftig an den Tag legen möchte“, betont der Pressesprecher.

Dass es auch ganz anders hätte kommen können und die Evag bisher einfach nur viel Glück hatte, weiß Hoffman ebenfalls. Denn wenn ein Großteil der Autofahrer, die normalerweise über die A40 brettern, während der Sperrung durchs Stadtgebiet fahren, stecken auch Busse und Trambahnen fest im Straßenverkehr. Auf 15 Lini­en und Linienabschnitte, schreiben die Verkehrsbetriebe, könne es zu Beeinträchtigungen kommen.

Doch darauf sei man gut vorbereitet. „Denn wir haben schließlich einen Plan B in der Schublade“, betont Hoffmann. Dieser sehe vor, dass manche Linien geteilt und nicht mehr jede kleine Haltestelle angefahren würde. „Wir werden den Nahverkehr auf jeden Fall aufrecht erhalten“, macht er allen Mut, die besorgt aufs Ferienende am 21. August gucken. Doch er rechnet nicht damit, dass solche Maßnahmen notwendig sind. Und hofft, dass die Abo-Tester zu Dauerkunden werden.

Nachgezählt: Was 200 Abos ausmachen

Mehr als 200 Test-Abonnements hören sich viel an, sind es bei genauerer Betrachtung aber nicht. Die im Jahresdurchschnitt 111.521 Evag-Abonnements, in de­nen 24.910 Semestertickets von Studierenden der Uni Du­isburg-Essen und der Folkwang-Uni nicht eingerechnet sind, verteilen sich folgendermaßen: 2.448 „SozialTicket“, 8.016 „YoungTicket“, 11.581 „FirmenTicket“, 4.476 „BärenTicket“, 17.408 „Ticket1000“, 31.784 „Ticket2000“ und 35.808 „SchokoTicket“. Rechnet man nur mit den vier Tickets, die als „A40-UmsteigerTicket“ in Frage kommen, hat die Evag durch die Autobahn-Sperrung etwa 0,32 Prozent Abos mehr verkauft.

 
 

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