Evag: 231 Unfälle mit Verletzten im Essener Nahverkehr

Unfälle mit Straßenbahnen, wie hier vor eineinhalb Jahren auf der Gelsenkirchener Straße, führen zwar oft zu  langen Verspätungen im Nahverkehr. Doch die meisten Verzögerungen werden durch die täglichen Staus verursacht.
Unfälle mit Straßenbahnen, wie hier vor eineinhalb Jahren auf der Gelsenkirchener Straße, führen zwar oft zu langen Verspätungen im Nahverkehr. Doch die meisten Verzögerungen werden durch die täglichen Staus verursacht.
Foto: WAZ
Im vergangenen Jahr registrierte die Evag 231 Unfälle mit Personenschäden. Auch Falschparker, Staus und Vandalismus sorgen für Verspätungen.

Essen. Die Essener Verkehrsgesellschaft Evag registrierte im Vorjahr 231 Unfälle mit Personenschäden. Dies erklärte das Unternehmen auf Anfrage dieser Zeitung.

In den meisten Fällen (80) verletzten sich Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen, in der Bahn oder im Bus (57) oder verloren beim Bremsen das Gleichgewicht (36). 33 Unfälle gab es an Haltestellen. Zu Personenschäden kam es zudem bei 18 Bus-Unfällen sowie sechs Unfällen mit der Straßenbahn und einer mit der U-Bahn. In 349 Fällen blieb es bei Sachschäden.

Die Zahlen erscheinen zwar auf dem ersten Blick hoch, liegen aber angesichts von 117 Millionen pro Jahr beförderten Fahrgästen laut Evag auf einem niedrigen Niveau. „Wer in Essen unterwegs ist, fährt mit Bahn und Bus am sichersten“, betont Evag-Sprecher Olaf Frei. Das Unfallrisiko bei anderen Verkehrsmitteln sei deutlich höher.

Evag wird durch Behinderungen und Staus ausgebremst

Dagegen wird die Evag immer wieder durch Unfälle, vor allem aber durch Behinderungen und Staus regelrecht ausgebremst. Allein im Vorjahr wurden rund 3040 Meldungen weitergegeben, wo es zu mitunter erheblichen Verspätungen auf einer Linie kam.

Der Fahrplan der Verkehrsgesellschaft Evag gerät immer wieder aus dem Takt. Verspätungen und Behinderungen gehören längst zum Alltag im Nahverkehr. Die Fahrgäste ärgern sich, die Evag kann aber keine Patentlösung präsentieren. Weil das Problem nicht hausgemacht ist. Die meisten Verspätungen werden nach dem Sprachgebrauch des Verkehrsunternehmens durch „Fremdeinflüsse“ ausgelöst.

In 251 Fällen blockierten Falschparker die Evag

Zwar bringen Unfälle mit Bahnen oder Bussen oft gleich ganze Linien zum Stoppen, aber die meisten Verspätungen entstehen, weil die Evag-Fahrzeuge im Autoverkehr stecken bleiben. „Wir fahren nur zu 20 Prozent auf eigenen Trassen“, gibt Evag-Sprecher Olaf Frei zu bedenken. Unter den 3039 im Vorjahr gemeldeten Behinderungen waren allein 1459 wegen „hohen Fahrgast- und Verkehrsaufkommens“ – weitere 251 wegen Falschparkern. In 138 Fällen kamen Bahn und Busse nicht weiter, weil Rettungs- und Einsatzfahrzeuge auf der Spur standen und in 197 weiteren Fällen mussten die Fahrgäste warten, weil eine Straße nach einem Unfall gesperrt war. 58 Störungen gab es wegen Straßenschäden oder Straßenbauarbeiten. Dagegen liegt die Zahl der technischen Störungen bei der Evag mit 37 relativ niedrig.

Ein nicht unbedeutender Auslöser für Verspätungen sind dagegen Vandalismus und Beschädigungen (262) sowie unerwünschte (94) oder hilflose Personen (125). Dann bleibt das Fahrzeug erstmal stehen, müssen Polizei oder Feuerwehr gerufen werden.

Die Evag versucht, den Verkehrsbetrieb nach Unfällen oder Ausfällen so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dafür stehen drei Einsatzfahrzeuge der mobilen Verkehrsaufsicht, der Berge-Dienst der Straßenbahn-Werkstatt und der Fahrleitungstrupp zur Verfügung.

Bei den Bussen sind Pannen ein Ausnahme

Doch auch hier ist Geduld nötig. Es kann durchaus zwei Stunden dauern, bis eine beschädigte Oberleitung repariert ist, berichtet Frank Vodusek, Leiter des Essener Standortes für das Stellwerk und die Leitstelle. Und die Verkehrsaufsicht benötigt mitunter 30 Minuten, bis sie beispielsweise ein liegengebliebenes Fahrzeug in Karnap erreicht.

Bei den Bussen sind Pannen zwar die absolute Ausnahme. Bei Bahnen, speziell bei älteren Modellen, kommt es dagegen schon mal zu Störungen, weil mal wieder eine Tür nicht öffnet oder schließt. Lässt sich ein sicherheitsrelevanter Defekt nicht vor Ort beheben, müssen alle Fahrgäste aussteigen. „Sie dürfen nicht in einem unsicheren Fahrzeug mitfahren“, betont Vodusek. Die Evag hat die Möglichkeit, einen Ersatzverkehr zu ordern (was allerdings dauert) und Linien zu verkürzen oder umzuleiten.

Für Detlef Heider vom Verkehrsmanagement ist die Information an die Fahrgäste „das A und O“. Daran arbeitet die Evag. Sie will künftig mit dem Digitalfunk ihre Kunden schneller auf dem Laufenden halten.

 
 

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