Europaschule hat Besuch aus Frankreich

Der Klassenraum der 9c des Werdener Gymnasiums ist erfüllt von Stimmengewirr. Die Schüler sitzen in Gruppen zusammen und besprechen selbstgestaltete Plakate. Zwischen den Gesprächen auf Deutsch hört man aber noch etwas anderes: Kommentare auf Französisch. Und die klingen so perfekt, dass es sich kaum um eine normale Französischstunde handeln kann.

Es ist acht Uhr, erste Stunde, und ein ganz besonderer Schultag. Vier französische Schülerinnen sind zu Gast in der Klasse. Was anders ist als zu Hause? „Bei uns beginnt der Unterricht nicht so früh!“ Laura, Camille, Khesia und Laure kommen aus Meaux, einer 50 000-Einwohner-Stadt etwa 55 Kilometer östlich von Paris.

„Dafür müsst ihr aber auch länger bleiben“, entgegnet Simon aus der 9c. Mit einer Gruppe Schüler vom Werdener Gymnasium hat er vor zwei Wochen die Schule in Meaux besucht. Sie sind mit den Franzosen in den Unterricht gegangen und haben Paris erkundet. Jetzt der Rückbesuch: Ausflüge nach Köln und Münster stehen auf dem Programm, aber auch der ganz normale Schulalltag in Deutschland.

Die Verständigung klappt prima. Die Werdener sprechen mit ihren Gästen sowohl Französisch als auch Deutsch – und wenn mal die Vokabeln fehlen, bleiben immer noch „Hände, Füße und das Wörterbuch“, erklärt Simon.

Vieles ist im Alltag der Schüler in Deutschland und Frankreich ähnlich. Aber kleine Unterschiede bemerken die Teilnehmer des Austauschs immer wieder: „Ich war mit meiner Austauschschülerin hier in Werden beim Rudern. Das hatte sie noch nie gemacht. Auch Cityroller kannte sie nicht“, erklärt Jana. Sie will mit ihrer Gastschwester in Kontakt bleiben: „Wir werden bestimmt E-Mails schreiben. Da kann man sich auch gegenseitig helfen.“

Ein großer Spaß für die französischen Schüler ist der Essener Weihnachtsmarkt – so etwas gibt es in Meaux nicht. Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs in Deutschland: das Kölner Schokoladenmuseum.

Es gehe bei der gemeinsamen Woche in Werden weniger um das gemeinsame Lernen in der Schule, als um den kulturelleren Austausch, sagt Französischlehrerin Nora Colesie. Die Partnerschaft zwischen der Schule in Meaux und dem Werdener Gymnasium besteht seit 25 Jahren. Colesie leitet das Programm dieses Jahr zum ersten Mal – und konnte gleich mit einem Klischee aufräumen. „Es heißt ja immer, französische Lehrer seien so streng. Das haben wir in Meaux aber überhaupt nicht so erlebt. Die Kollegen waren ganz locker und in der Schule sind sogar Handys erlaubt.“

Neben Englisch habe Französisch oft einen schweren Stand. Die Sprache ist schwieriger zu lernen und geht den Jugendlichen anfangs nicht so leicht über die Lippen. „Dass die Schüler beim Austausch so viel Spaß haben, motiviert auch uns Lehrer zusätzlich.“

Das Gymnasium Werden ist seit diesem Jahr offiziell Europaschule. Die Auszeichnung verleiht das Land Nordrhein-Westfalen an Schulen, die sich besonders um den Austausch zwischen den Ländern Europas bemühen. Zum Festakt reiste eine Werdener Delegation am 1. Dezember nach Düsseldorf.

 
 

EURE FAVORITEN