Europäische Spitzenliga

Dass Richard Strauss sich selbst als Held seines Lebens gesehen hat, dröhnt uns derzeit im Ruhrgebiet von beinahe jedem philharmonischen Standort entgegen. Auch Daniel Harding ließ sich die Chance des Strauss-Jahres nicht entgehen und präsentierte in der Essener Philharmonie das „Heldenleben“, kombiniert mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms.

Aber wie das Schwedische Radio-Symphonieorchester den Helden einmarschieren ließ, war dann doch einmalig: durchdrungen bis ins Detail, strukturbewusst und gleichzeitig sinnlich, beherrscht im Klang und gleichzeitig frei und gelöst klingend.

So war „Ein Heldenleben“ nicht in Düsseldorf, nicht in Dortmund und nicht einmal bei den vorzüglichen Duisburger Philharmonikern zu erleben.

Das schwedische Orchester kann entspannt in der europäischen Spitzenliga mitspielen. Seit acht Jahren währt die künstlerische Partnerschaft mit Daniel Harding – zu spüren im Einverständnis der Musiker mit ihrem Dirigenten. Hervorzuheben sind die Solisten, die blendende Horngruppe, die samtweiche Tuba. Aber vor allem beherrschen die Schweden das Spiel mit den leisen Tönen: feinste Abstufung statt krachender Wucht.

Renaud Capuçon hat mit Brahms seinen Rang bestätigt: So energisch und feinsinnig, so klangvoll und dynamisch kontrolliert, so klug in der weiträumigen Anlage spielt das Konzert momentan kaum einer. Die Rede vom „Ausnahme-Geiger“ ist in diesem Fall einmal keine Plattitüde aus der PR-Abteilung. Der Abend war kurzum: großartig!

 
 

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