EU-Kritiker von der AfD auch in Essen im Aufwind

Jubel in den Domstuben in Werden: Die AfD Essen ist hochzufrieden mit den 6,0 Prozent bei der Europawahl.
Jubel in den Domstuben in Werden: Die AfD Essen ist hochzufrieden mit den 6,0 Prozent bei der Europawahl.
Foto: WAZ FotoPool
Die „Alternative für Deutschland“ bejubelt in Essen die 6 Prozent bei der Europawahl und wird mit 3,8 Prozent auch dem nächsten Stadtrat angehören. Marco Trauten (Listenplatz 1), gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, will auf jeden Fall sein Ratsmandat annehmen.

Essen. 100 Mitglieder zählt der junge AfD-Stadtverband Essen, gut 30 haben am Sonntagabend den Weg zur Wahlparty in die Werdener „Domstuben“ gefunden. Als der Beamer um kurz nach 18 Uhr die erste Prognose der Europawahl auf die Leinwand wirft, bricht im Saal Jubel aus. Einige reißen die Arme in die Höhe und applaudieren.

„Ein hervorragendes Ergebnis“, strahlt der kommissarische Vorsitzende Christoph Wilkes (43) - und spannt sogleich den Bogen von Brüssel nach Essen. „Solide Finanzen - das ist unser Thema in Essen wie in Europa.“

An der Wand prangt das Banner der „Alternative für Deutschland“ und das Rednerpult ist demonstrativ in Schwarz-Rot-Gold gekleidet. Von blauen europäischen Sternenbanner wollen die EU-Skeptiker nichts wissen. Sie prangern stattdessen die Wahlgeschenke an, mit denen die so genannten „Altparteien“ um sich werfen. In Europa erlebe man, dass Staaten über ihre Verhältnisse lebten, fährt Christoph Wilkes fort. Dasselbe geschehe auch in Essen. „Früher oder später wird Essen pleite sein, da muss man sich überlegen, was man sich leisten kann“, fügt der AfD-Spitzenmann hinzu.

Mit dem Erfolg in Europa wollen sie sich nicht zufrieden geben, nun hoffen sie, in Fraktionsstärke in den neuen Essener Rat einzuziehen. Auf Listenplatz 1 steht Marco Trauten, gegen den allerdings ein Parteiausschlussverfahren läuft. Angesichts der Attacken der Antifa hatte Trauten einen ziemlich ab-strusen Vergleich angestellt, indem er die AfD in dieselbe Opferrolle rückte wie die Juden in der Nazi-Diktatur. Doch Trauten ist zuversichtlich, dass das Parteiausschlussverfahren gestoppt wird. „Ich gehe daher davon aus, dass ich dem neuen Stadtrat angehören werde“, sagt er.

Die spannende Frage des Wahlabends ist: Wird die AfD dem Rat tatsächlich auf Anhieb in Fraktionsstärke, also mit drei Mandaten angehören? Auf Listenplatz zwei rangiert Menno Aden (71), von Beruf Rechtsanwalt, einst Präsident des Oberkirchenrates und zuletzt Vorsitzender des Ruhr-In-stitutes. „Ich habe 30 Jahre der CDU angehört und mich Ende September gleich nach der Bundestagswahl der AfD in Essen angeschlossen“, sagt er. Listenplatz drei bekleidet der Rechtsanwalt Jochen Backes (36), der früher im saarländischen Sankt Wendel für die CDU im Kreistag saß.

Christoph Wilkes sagt über den Wahlkampf: „Essen ist im Vergleich zu Bochum ein ruhiges Pflaster.“ In der Nachbarstadt seien Aktivisten bedroht worden, und kein AfD-Plakat habe länger als eine Stunde an den Straßenmasten gehangen. Auch Wahlkampfstände seien demoliert worden. „Ich ärgere mich darüber, dass wir ständig in die rechtspopulistische Ecke gestellt werden“, sagt Wilkes. „Wir wollen die bürgerliche Alternative zu den Altparteien sein“, fügt Menno Aden hinzu.

 
 

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