Essens Wälder bleiben wohl bis zum Frühjahr 2015 gesperrt

Dominika Sagan
Sturmschäden, hier im Schellenberger Wald, in Essen könnten mindestens 175 Hektar Erholungswald verwüstet sein.
Sturmschäden, hier im Schellenberger Wald, in Essen könnten mindestens 175 Hektar Erholungswald verwüstet sein.
Foto: Jochen Tack
Betreten verboten, heißt es in Essen voraussichtlich bis zum Frühjahr. Ausnahme könnten ab Herbst wenige Laufstrecken sein, dabei bahnen sich längst manche Bürger Wege um umgestürzte Bäume. Die Stadt warnt daher vor Lebensgefahr und hat 61,5 Millionen Euro beim Land Nordrhein-Westfalen beantragt.

Essen. Während die Ungeduld vieler Bürger nach dem Pfingststurm wächst, endlich wieder die Wälder betreten zu dürfen, kommt von den Verantwortlichen keine gute Nachricht: „Die Wälder werden wahrscheinlich erst zum Frühjahr wieder begehbar sein“, sagt Eckhard Spengler von Grün und Gruga.

Geplant war der Beginn der großen Aufräumarbeiten dort im Herbst, nun sagt Spengler: „Vor dem Winter kommen wir da wohl nicht rein.“ Zu groß sind die Verwüstungen im gesamten Stadtgebiet, „wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen.“ Die Schäden im Forst, sie betreffen etwa zehn bis 15 Prozent des Erholungswaldes, sagt Spengler. Bliebe es auch nur bei zehn Prozent, wären das immerhin 175 Hektar. „Die Schäden sind gewaltig“, fasst er zusammen.

Stadt Essen beantragt 61,5 Millionen Euro

61,5 Millionen Euro hat die Stadt nun beim Land beantragt. „Allein wir können derzeit nicht abschätzen, wann es genehmigt wird“, sagt Stadtsprecher Martin Rätzke, während täglich rund 400 Kräfte weiter anpacken.

Gefahrenabwehr heißt es für die Stadt jeden Tag an den Straßen, wo Fachkräfte mit den Hubsteiger seit Wochen jeden einzelnen der insgesamt 60.000 Straßenbäume begutachten und bei Rissen oder Knicken Äste und Kronen absägen oder gar Bäume fällen. Sie sind in den kommenden Tagen unter anderem in Dellwig, Huttrop, Bergeborbeck und Werden im Einsatz.

Die Entsorgungsbetriebe Essen kündigen zudem für das kommende Wochenende ihren achten Sonntagseinsatz an, um die Unmengen an Bruchholz einzusammeln und abzufahren – mehr als 5000 Kubikmeter waren es bereits bei den bisherigen Sonderschichten. Am Sonntag dann sind die Teams in Frintrop, Holsterhausen und Vogelheim unterwegs.

100 Spielplätze in Essen bisher freigegeben

Parallel laufen die Arbeiten auf den Spielplätzen: 100 der 400 Spielflächen sind freigegeben worden, sagt Dezernent Christian Kromberg, der mit der aktuellen Lage zufrieden ist: „Wir schaffen es bis zum Ferienende alle Schulhöfe und Kita-Außenflächen freizugeben.“ Lediglich Teilflächen bleiben dort gesperrt. In Teilen nicht begehbar sind noch einzelne Friedhöfe sowie der in Schonnebeck, der zum Ende dieser Woche geöffnet werden soll.

Ende der kommenden Woche wiederum soll die Grugatrasse nach heutigem Stand befahrbar sein, sagt Kromberg, der die Radwege als große Baustelle bezeichnet. Das Sorgenkind allerdings, das sind die Wälder, bekräftigt der Dezernent. Seine Aufgabe bleibt es: „Die Bürger massiv zu warnen.“ Es bestehe weiterhin Lebengefahr, denn durch die Risse in den Baumkronen stürzen immer wieder dicke Äste hinab. Die Gefahr nehme sogar zu, weil sich nun Pilze in beschädigte Äste einnisten und diese plötzlich abknicken, obwohl der Baum grün und gesund aussieht.

Die Bürger indes werden mitunter leichtsinnig, das weiß auch Kromberg. Die rot-weißen Absperrbänder werden an Rad-, Reit- oder Waldwegen regelmäßig abgerissen: Betreten verboten, Lebensgefahr steht darauf, während Jogger sich zwischen umgestürzten Bäumen neue Umwege bahnen und Spaziergänger samt Hund über die Stämme kraxeln. Kontrollieren könne die Stadt das Verbot ohnehin kaum: „Dann müsste ich ja meine Leute dort hineinschicken.“ Stattdessen soll Grün und Gruga jetzt Pläne erstellen, welche Waldstrecken etwa bei Joggern besonders beliebt sind, kündigt der Dezernent an – und macht Hoffnung: „Ab September wollen wir zumindest einzelne Laufstrecken aufräumen“, sagt Kromberg, der den Wunsch nach Wald nachempfinden könne: „Ich habe ihn auch.“

Weiterhin läuft die Spendenaktion „WAZ pflanzt Bäume“, deren Partner der Naturschutzbund (Nabu) NRW ist. Mit dem Geld werden Bäume in den besonders vom Pfingststurm betroffenen Ruhrgebietsstädten gepflanzt. Rückfragen? Per Brief: WAZ Aktion „WAZ pflanzt Bäume, Friedrichstraße 34-38, 45128 Essen; oder per E-Mail: baumpate@waz.de

Spendenbescheinigungen werden bei Angabe der Adresse ab 100 Euro zugesandt. Spenden von unseren Lesern gehen auf das Konto von Nabu NRW & WAZ, Stichwort: Baumpate, Kontonummer: 112 12 23, BLZ: 370 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE72 3702 0500 0001 1212 23, BIC: BFSWDE33XXX