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Essens Protz-Klotz schon nach 13 Jahren eine Ruine – Sanaa-Kubus macht Anwohner fassungslos

Der Sanaa-Kubus in Essen – ein Millionengrab.
Der Sanaa-Kubus in Essen – ein Millionengrab.
Foto: Ilja Höpping, Kerstin Kokoska / Funke Foto Services

Essen. Er kostete 14 Millionen Euro, wurde als architektonisches Meisterwerk gefeiert. Und es ist nach 13 Jahren eine Ruine. Der Sanaa-Kubus auf dem Zollverein-Gelände in Essen sollte ein Publikumsmagnet werden – stattdessen ist es ein quasi ungenutztes Millionengrab.

Das ZDF sprach nun mit fassungslosen Anwohnern über den Sanaa-Kubus. Der „Hammer der Woche“, ein unehrenhafter Preis der ZDF-Sendung „Länderspiegel“, geht nach Essen.

Essen ZDF Sanaa-Kubus

Essen: Sanaa-Kubus nach 13 Jahren sanierungsbedürftig

Rückblick: Mitte 2006 wurde der Sanaa-Kubus auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein feierlich eröffnet. Alle schwärmten in den höchsten Tönen von einem bahnbrechenden Bauwerk und klopften sich gegenseitig die Schultern, die japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa wurden mit Preisen überhäuft.

Dann der Bruch: Die „Zollverein School of Management and Design“, für die das innovative Hochschulgebäude gebaut wurde, ging nur eineinhalb Jahre später plötzlich pleite. Trotz einer Anschubfinanzierung von fast 7 Millionen Euro kamen kaum Studenten – die Hochschule wurde von den Betriebskosten des Sanaa-Kubus (rund 1000 Euro pro Tag) aufgefressen.

Seit über zehn Jahren wird der Sanaa-Kubus nun kaum noch genutzt. Auch die Folkwang Universität der Künste, zu der das Gebäude seit 2010 gehört, kann damit nichts anfangen. Bis auf wenige Veranstaltungen im Jahr steht der Protz-Klotz von Essen leer.

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Fassungslos sind die Essener nun aber vor allem, weil neben der Nutzbarkeit auch die Nachhaltigkeit beim Bau des Sanaa-Kubus offensichtlich völlig außer Acht gelassen wurde.

Gerade einmal 13 Jahre ist das Gebäude alt und hat bereits so viele Mängel angehäuft, dass der Sanierungsbedarf auf derzeit 5,5 Millionen Euro geschätzt wird.

Ellenlange Mängelliste – Sanaa-Kubus muss für 5,5 Millionen Euro saniert werden

Die Dachterrasse rutschig wie Schmierseife, der Beton bröckelt und überall Rost – das architektonische Meisterwerk gleicht an vielen Ecken einer Ruine. Dazu kommt: Es wird mit warmem Grubenwasser beheizt. 2020 wird das aber hier nicht mehr gefördert. So müssen die Wände für Millionen Euro gedämmt werden.

„Wahnsinn! Und dann wieder von unseren Steuergeldern“, flucht Anwohnerin Sophie Borkowski gegenüber dem ZDF. Nachbar Jakob Wolf sagt: „Den, der das gebaut hat, würde ich verklagen.“

Landesregierung spricht nur noch von „Schadensbegrenzung“

Auch das Land, das den Sanaa-Kubus mit Hilfe von EU-Geldern finanzierte, spricht nur noch von „Schadensbegrenzung“. Eine „offene Analyse“ soll dafür sorgen, dass Fehler der Vorgänger-Regierung nicht noch einmal passieren.

„Das ist ein schönes Gebäude. Aber bei so vielen Fehlern macht es auch die Schönheit nicht wieder gut“, resümiert Anwohner Sascha Marr. Immerhin: Mit dem „Hammer der Woche“ haben die Architekten 13 Jahre nach der Fertigstellung noch einmal einen Preis für den Sanaa-Kubus erhalten. Wenn auch keinen erstrebenswerten.

 
 

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