Essens OB Reinhard Paß durfte nicht ins Flüchtlingsheim

Ein Schild der Initiative Willkommen in Essen (WiE) weist zur Kleiderkammer in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes im Essener Optipark an der Altendorfer Straße.
Ein Schild der Initiative Willkommen in Essen (WiE) weist zur Kleiderkammer in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes im Essener Optipark an der Altendorfer Straße.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Bezirksregierung findet es in Ordnung, dass Essens OB Paß nicht in ein Flüchtlingsheim durfte. Streit zwischen Helfern, Hausherren und Betreibern.

Essen. Zwischen Helfern, Hausherren und Betreibern der Asylunterkunft im Opti-Park an der Altendorfer Straße gibt es einen Schlagabtausch über den Umgang miteinander. Während sich Bürger, die dort Kleider spenden wollen, abgewiesen fühlen, verweisen die Verantwortlichen auf notwendige Sicherheitskontrollen. An denen scheiterte jetzt selbst der Oberbürgermeister.

OB Paß „verlangte außerordentlichen Einlass aufgrund seiner Funktion“

Flüchtlinge in Deutschland„Als Privatmann“ hatte Reinhard Paß am Sonntag einige Kleidungsstücke in die Landeseinrichtung im Opti-Park gebracht. Dort gibt es eine Kleiderkammer, die mit hohem Einsatz von der Initiative Willkommen in Essen (WiE) betreut wird. „Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen“, sagt Paß, der von seiner Frau, seinem Sohn und dessen Freundin begleitet wurde.

Doch der Familienausflug scheiterte an Formalien: Der Sicherheitsdienst verweigerte Paß den Zugang zur Kleiderkammer. Er habe seinen Personalausweis als Pfand abgeben sollen. „Ich war bereit, mich auszuweisen, aber das sollte reichen.“ Die SET-Security sagt dagegen, der OB „verlangte einen außerordentlichen Einlass aufgrund seiner Funktion“. Am Ende jedenfalls lieferte Paß die Kleidung ab und tauschte sich vor der Tür mit Ehrenamtlichen aus. Sein Fazit: „Man sollte den Vorfall nicht dramatisieren. Die Wachleute haben ja Anweisungen und nur ihren Job gemacht.“

European Homecare: Im Sinne der Flüchtlinge gehandelt

Die Dramatisierung sollte es dennoch geben: Zwei Helfer, die zeitgleich mit Paß am Wachdienst scheiterten, schickten am Montag einen Offenen Brief an die Bezirksregierung Arnsberg: Ob man die „soziale Eignung“ der Sicherheitsleute geprüft habe, fragen sie. Und ob Heimbetreiber European Homecare „etwas zu verbergen“ habe.

Unfug, sagt EHC-Sprecher Klaus Kocks: Das Personal habe sich im Sinne der ihm anvertrauten Flüchtlinge verhalten. „Nach 347 Anschlägen auf Asylheime in diesem Jahr haben wir eine extrem verschärfte Sicherheitssituation in den Einrichtungen. Wer sagt mir, dass einer, der da als OB oder Helfer reinspaziert, nicht einen Brandbeschleuniger dabei hat?“ Darum müssten sich Besucher ausweisen, darum lasse man sich von Ehrenamtlichen polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Auch der Sprecher der Bezirksregierung, Christoph Söbbeler, hebt auf „unsere hohe Schutzfunktion“ gegenüber den Bewohnern ab.

"Willkommen in Essen: Hausverbot für zwei Helferinnen "in Ordnung"

Es gibt Helfer, die genau hier Versäumnisse sehen. „Ich habe erlebt, dass eine Mutter mit Baby in einem Raum mit zerborstenem Fenster untergebracht wurde“, sagt eine Studentin, die in der Kleiderkammer geholfen hat. Mit einer Mitstreiterin suchte sie am Sonntag das Gespräch mit dem OB – „und am Montag bekamen wir beide Hausverbot im Opti-Park“. Die Nachricht sorgte in sozialen Netzwerken für Aufruhr: Hier bremse man Einsatz aus, mache kritische Helferinnen mundtot.

Katharina Kremer von Willkommen in Essen sieht das anders: „Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber die Security hier ist mir nie mit aggressivem Verhalten aufgefallen.“ Dagegen habe sich das Engagement der Studentinnen nicht kanalisieren lassen. „Das Hausverbot ist in Ordnung: Wir Helfer müssen uns hier an Regeln halten – das war den beiden leider nie zu vermitteln.“

Sozialdezernent Peter Renzel hatte übrigens just am Montag Wohlfahrtsverbände und Initiativen ins Rathaus eingeladen, „um gemeinsam die Willkommenskultur in Bahnen zu lenken“. Damit Helfer nicht enttäuscht – und Heime und Bewohner nicht überrannt werden.

 
 

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