Essens Dezernent bittet nach Böller-Attacke Bürger um Hilfe

Christian Kromberg, Dezernent der Stadt Essen, stellt sich vor seine Feuerwehrleute.
Christian Kromberg, Dezernent der Stadt Essen, stellt sich vor seine Feuerwehrleute.
Foto: WAZ FotoPool
„Es darf einfach keine Solidarität mit den Tätern geben“, fordert Ordnungsdezernent Christian Kromberg nach der Böller-Attacke auf einen Essener Feuerwehrmann in der Silvesternacht. Der 40-jährige Ehrenamtliche wurde schwer verletzt. Kromberg spricht von einer „absichtliche Form der Körperverletzung“.

Essen.. Der freiwillige Feuerwehrmann (40) war im Einsatz, um zu helfen. Der Familienvater arbeitete in dieser Silvesternacht als Maschinist am Feuerwehrwagen, während seine Kollegen in Freisenbruch einen Brand in einem Supermarkt löschten. Doch dann traf ihn ein Feuerwerkskörper im Gesicht. Der Mann wurde schwer verletzt, erlitt einen Nasenbeinbruch und ein Knalltrauma. Wut und Fassungslosigkeit habe der Vorfall in ihm ausgelöst, erklärt Essens Ordnungsdezernenten Christian Kromberg im Gespräch.

Welche Folgen hat der Vorfall für das Ehrenamt bei der Feuerwehr?

Man kann nur hoffen, dass Ehrenamtler daraus keine Konsequenzen ziehen. Ich kenne fast alle freiwilligen Feuerwehrleute in Essen. Sie nehmen Gefahren auf sich, um der Bevölkerung zu helfen. Dieser Fall, der sich in der Silvesternacht ereignet hat, ist eine absichtliche Form der Körperverletzung.

Welche Konsequenzen werden Sie ziehen?

Wir haben drei Möglichkeiten. Erstens: Wir lassen alles so, wie es ist. Zweitens: Wir fangen an uns zu wehren. Theoretisch darf die Feuerwehr das. Sie darf Platzverweise erteilen und durchsetzen. Aber das halte ich für ausgeschlossen, dafür hat die Feuerwehr kein Personal. Drittens: Die Feuerwehr unterbricht den Einsatz, sobald sie angegriffen wird. Dann brennt die Bude eben ab. Das wollen wir natürlich am wenigsten. Aber ich kann von keinem Feuerwehrmann erwarten, dass er sich Gefahren aussetzt, die darin bestehen, dass ihm jemand während eines Einsatzes so in den Rücken fällt. Werden Feuerwehrleute angegriffen, müssen wir über einen geordneten Rückzug reden, im Extremfall müssen wir den Einsatz abbrechen. Wir müssen jetzt darüber nachdenken, wie wir die Feuerwehr selber schützen können.

Was haben Sie gedacht, als Sie von dem Fall gehört haben?

Da überkommt einen Wut. Wut und Traurigkeit.

Häufen sich Attacken auf Feuerwehrmänner in Essen?

Silvester war es immer schon schwierig. Aber diese Form gezielter Angriffe haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dass aber ein Feuerwehrmann hinterrücks aus dem Publikum heraus mit Feuerwerkskörpern beschossen wird, das ist eine neue Qualität von Gewalt gegen die Feuerwehr – und hat nichts mehr nur mit bloßer Respektlosigkeit zu tun. Aber man muss auf der anderen Seite auch sagen, 99 Prozent der Feuerwehr-Einsätze sind unproblematisch.

Glauben Sie, die Täter werden erwischt?

Das ist ein Problem. Wir erwischen die Täter nicht. Und in welchem Land leben wir, wenn wir die Feuerwehr durch Polizisten beschützen müssen? So eine Situation möchte ich hier in Essen nicht haben. Ich kann nur alle Bürger bitten: Bringt solche Leute zur Anzeige, es könnte auch euch treffen, wenn ihr Hilfe braucht und solche Idioten die Feuerwehrmänner an ihrer Arbeit hindern. Es darf einfach keine Solidarität mit den Tätern geben.

 
 

EURE FAVORITEN