Essenerin veröffentlicht ihren ersten Fantasy-Roman

Dominika Sagan
Die aus Essen stammende Autorin Gabriele Ennemann stellt ihr Buch „Thalam - Die Hüter der Erde“ vor.
Die aus Essen stammende Autorin Gabriele Ennemann stellt ihr Buch „Thalam - Die Hüter der Erde“ vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Schuhverkäuferin, Taxifahrerin, Demenzbegleiterin: Umwege führten Gabriele Ennemann zur Frankfurter Buchmesse. Autorin stellte ihren Debütroman vor.

Essen. Eine Fantasiewelt, geheimnisvolle Wesen und eine abenteuerliche Reise, die im entscheidenden Kampf mündet. All das hat Gabriele Ennemann (51) zu einem Fantasy-Roman zusammengefasst: „Thalam – Die Hüter der Erde“, heißt das erste veröffentlichte Werk der Autorin von der Margarethenhöhe, das sie gerade auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat.

„Es ist eine Geschichte für Kinder ab zehn Jahren oder aber für Erwachsene mit Kinderseele“, sagt Gabriele Ennemann. Die Hauptfigur des Buches ist der 15-jährige Gidion, der unbedingt ein Held sein will. Große Werke wie Harry Potter oder Herr der Ringe sieht die Essenerin dabei mitnichten als Vorbilder: „Ich habe diese Bücher erst viel später gelesen.“ Vielmehr zieht sie den Vergleich zur Unendlichen Geschichte: „Es ist märchenhaft erzählt und der Weg ist das Ziel.“

Zu Hause auf der Margarethenhöhe

Zahlreiche Umwege führten indes Gabriele Ennemann zu ihrem Erstlingswerk. Geboren in Stoppenberg, zog sie als kleines Mädchen mit den Eltern auf die Margarethenhöhe, ging dort zur Schule. Mit sieben Jahren schrieb sie über Pferde auf der Schreibmaschine ihres Vaters, keine Kurzgeschichten wie andere Kinder, sagt sie und lacht: „Es wurde gleich ein ganzer Roman.“ Die Eltern aber beharrten darauf, dass die Tochter etwas Anständiges lernt. „Ich absolvierte eine Lehre, verkaufte Schuhe und war todunglücklich“, beschreibt sie. Nach drei Monaten kündigte sie den Job, übernahm das Büro einer Fahrschule und schrieb nebenbei. Später arbeitete sie als Fahrlehrerin, fuhr 30 Jahre lang Taxi. Heute betreut sie psychisch Kranke im Seniorenheim. „Leben kostet schließlich Geld“, sagt die 51-Jährige pragmatisch.

Sie verfasste Krimis und Horrortexte, glaubte gleichzeitig den Stimmen, die ihr absprachen, sich als Autorin durchsetzen zu können. „Mein Mann hatte vor allem Angst, dass ich enttäuscht werde“, sagt sie und auch, dass es ihr lange Zeit gar nicht ums Veröffentlichen ging. „Ich schrieb um zu schreiben“, sagt sie, denn ohne halte sie es nicht länger als drei Tage aus. Ihre Gabe nennt sie gleichsam einen Fluch: „Wenn ich Menschen oder Situationen sehe, spult sich bei mir gleich ein Film im Kopf ab.“

Nächster Schritt: Buchhandel

Auch die Idee zu Thalam trug Gabriele Ennemann lange in Gedanken mit sich herum, erzählt sie. Auslöser war ihr verwilderter Balkon, gesteht sie: „Ich wollte es gern eine Ecke friedlicher.“ Schon wuchsen die Geschichten rund um die bedrohte Ordnung in der Unten-Welt und deren Rettung in ihrer Fantasie. Vor vier Jahren war das Buch schließlich fertig, doch erst kürzlich knüpfte sie den Kontakt zum Schweizer Verlag über ihre Lektorin. Am Ende stand das gedruckte Werk – und die Essenerin auf der Frankfurter Buchmesse. Und während die Autorin noch ihren Debütroman präsentiert, ist Teil zwei („Er spielt in unserer Welt“) fast fertig und der Verlag plant bereits das nächste Projekt mit ihr.

Dabei sei sie ein eher abwartender Mensch, bräuchte nun vielmehr Zeit, um zu begreifen, was um sie herum passiert, sagt Gabriele Ennemann. Immerhin hat sich gerade ihr Wunsch erfüllt: „Ich wollte mein Buch in Händen halten und es lesen.“ Von Letzterem sieht sie nun jedoch ab, „da ich mein größter Kritiker bin“, erklärt sie und belässt es dabei, sich den Roman jeden Tag von außen anzuschauen. Der nächste Schritt wäre es, im Buchhandel anzukommen, sagt sie. Ihr großer Traum: Hauptberuf Schriftstellerin, „um immer dann schreiben zu können, wenn ich Lust dazu habe.“