Essenerin verkauft Stofftiere "Smörmelz" bis nach Kanada

Stephanie Weltmann
Katrin Fechter,stellt das Revier Frottierchen "Smörmelz" her.
Katrin Fechter,stellt das Revier Frottierchen "Smörmelz" her.
Foto: WAZ FotoPool
Mit 23 Jahren muss Katrin Fechter ihren Traum, als Maskenbildnerin am Theater, zu arbeiten, auf Eis legen. Ein sechsfacher Schädelbruch setzte sie aus Gefecht. Sieben Jahre später hat sich die Essenerin mit dem Schneidern witziger Stofftiere, der "Smörmelz" selbstständig gemacht. Die Tierchen werden sogar in Kanada nachgefragt.

Essen. Drei Chancen hatte sie: Mit 23 Jahren muss Katrin Fechter ihren Traum, als Maskenbildnerin am Theater, zu arbeiten, auf Eis legen. Nach einem schweren Unfall war die gebürtige Burgaltendorferin mit einem sechsfachen Schädelbruch außer Gefecht gesetzt, auch sieben Jahre danach verbaut ihr die angeschlagene Gesundheit die Karriere.

„Der Berufsberater sagte, ich hätte drei Chancen, überhaupt eine Arbeit zu finden. Entweder eine Portion Glück, viel Vitamin B oder ich müsste einen neuen Beruf erfinden.“ Fechter hat Letzteres gemacht: Sie ist „Smörmelz“-Mutti geworden.

"Smörmelz" waren für Kinder gedacht

Was das ist? „Smörmelz“ sind mal verschmitzt, mal verschlafen dreinblickende Stofftiere fern der klassischen Teddywelt, fast zu Klecksen vereinfachte Körperformen aus grellem Frottee-Stoff, die für Kinder gedacht waren, die Welt der Erwachsenen aber im Sturm erobert haben.

Als Kissen sitzen die „Smörmelz“ mittlerweile auf zahlreichen Sofas, Fechter schneidert auch Wärmeflaschen und Schlafbrillen mit den markant hängenden Augenlidern. Die Namen ihrer Produkte sind allesamt sonderbar witzig und skurril - von Höschi Hö über Körn Kanöne bis Hörst Knallköpp.

Gemeinsam leben die „Smörmelz“ auf der Insel Trallafitschi - mit mitreißender Leidenschaft und der verspielter Fantasie hat Fechter eine ganze Welt rund um die Smörmelz erfunden. Ein Kinderbuch will sie ihnen sogar widmen.

Puppen aus liebgewonnener Babykleidung

Das „Ö“ hält Fechter dabei hoch, immerhin hat sie es diesem Umlaut zu verdanken, dass sie nun vom Küchentisch aus ihre eigene Firma führen kann, ihre Puppen sogar in Kanada nachgefragt werden. „Eine gute Freundin hat einen Sohn, der hat lange alles nur ‘Ö’ genannt, mehr konnte er nicht sagen.

“ Noch während der Reha-Phase hatte Fechter zu nähen angefangen, für den Jungen der Freundin sollte sie nun aus liebgewonnener Babykleidung eine Puppe machen. „Der Einfachheit halber habe ich sie gleich „Ö“ genannt.“ Dem Kind gefiel nicht bloß der Name - der erst „Smörmelz“ war geboren.

Der Traum von einer kleinen Boutique

Ein Jahr ist das her, bald wollten Freunde und Bekannte ebenfalls einen „Smörmelz“ haben. Als der erste dann sogar dafür bezahlen wollte, war die Geschäftsidee geboren: Fechter holte sich beim Gründungscoaching Hilfe, meldete ihr Unternehmen zum 1. Januar 2011 an - und starte seitdem durch. „Ich freue mich immer noch über jeden Verkauf, dass Menschen meine Arbeit so toll finden, macht mich stolz.“

Die Linie will sie erweitern, unter anderem soll es bald Taschen etwa für Mobiltelefone geben. „Ich habe noch so viele Ideen, mein Skizzenbuch habe ich immer dabei.“ Noch näht Katrin Fechter jede Figur von Hand, hofft aber, bald in Serie gehen zu können. Ihr Traum: „Ich hätte gerne eine kleine Boutique.“