Essenerin (80) setzt sich unermüdlich für Demenzkranke ein

Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services
Brigitta Schröder (80) hat ihr Leben den Menschen mit Demenz gewidmet. Für ihr Engagement wurde die Diakonisse mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Essen.. Brigitta Schröder ist nicht aufzuhalten – seit Jahren setzt sich die Diakonisse und Autorin unermüdlich für Menschen mit Demenz ein. Nur das Bundesverdienstkreuz brachte sie ins Stocken.

Brigitta Schröder trägt die Tracht der Diakonissen und ein Lachen auf den Lippen. Den Verdienstorden hält sie unter einem Tuch versteckt. „Ich war so verwirrt, als ich erfahren hab’, dass ich das Bundesverdienstkreuz bekomme“, erzählt die 80-Jährige. „Das waren mir zu große Schuhe. Und als Schweizerin bin ich lieber barfuß unterwegs.“ Schließlich hat sie die Auszeichnung aber angenommen – für Menschen mit Demenz, denen sie ihr Leben gewidmet hat.

Als junges Mädchen machte Brigitta Schröder eine Ausbildung zur Krankenschwester, seit 1958 ist sie Diakonisse bei der Schwesternschaft Neumünster. Ein persönliches Schicksal brachte sie zu ihrem Lebensthema: Eine Freundin erlitt einen Schlaganfall und wurde dement. Kurzerhand zog Schröder zu ihr, pflegte sie. „Da merkte ich, wie schwierig das ist. Aber gleichzeitig hat sie mir die Türen geöffnet.“

Und so wurde die Diakonisse zur Autorin, brachte zwei Bücher zum Thema Demenz heraus und ließ sich zur Alltagsbegleiterin qualifizieren. „Ich habe keine Technik, keine Methode, kein Konzept – aber mir ist wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.“ Deshalb meidet sie auch das Wort Demenzkranke: „Für mich sind es einfach Menschen mit Demenz.“ Genauso wenig möchte sie sich Schwester nennen lassen, sie sei schließlich keine Halbheilige.

Die Basis für die Arbeit mit Dementen sei vielmehr, zu sich selbst zu kommen. „Ich habe ein Ritual: Ich gucke jeden Tag in den Spiegel und sage: Schön, dass es mich gibt. Das ist gar nicht so einfach.“ Von der Wirkung ist die Rüttenscheiderin überzeugt. „Wenn ich mit mir selbst tolerant bin, kann ich auch tolerant sein mit anderen Leuten – mit Menschen mit Demenz.“

Mit dieser Einstellung steckt Brigitta Schröder alle um sich herum an. Immer wieder grüßt sie Menschen im Vorübergehen, winkt Bekannten zu. „Jeder kennt sie hier“, sagt ihre langjährige Freundin Adelheid Noelte. „Wir kamen damals in der Bahn ins Gespräch, stiegen beide am Rüttenscheider Stern aus sind einen Kaffee trinken gegangen.“ Daraus hat sich eine feste Freundschaft entwickelt, die auch Brigitta Schröder zu schätzen weiß: „Es ist schön, jemanden im Alter zu haben, auf den man sich verlassen kann.“

Dabei ist die 80-Jährige immer auf Achse. „Sie reist ständig hin und her“, erzählt Adelheid Noelte. „Deshalb steht immer ein zweiter Koffer fertig gepackt zu Hause. Sie hat aus ihrem Leben ein Kunstwerk gemacht und ist unermüdlich.“ Schröder empfindet ihre Anstrengungen nicht als Arbeit. „Was nützt mir das Bundesverdienstkreuz, wenn ich nicht weitermache?“ Ihr Terminkalender ist voll: „Mir wichtig, dass ich nicht in die Vergangenheit gucke. Ich genieße lieber das Leben im Augenblick und nehme andere mit.“

 
 

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