Essener Zirkus Flic Flac lehnt Preis der Peta-Tierschützer ab

Jonathan Krause
Ohne Tiere kommt die Artistik bei Flic Flac aus. Das habe aber nichts mit Ideologie zu tun, sagt der Zirkus, und mag deshalb auch nichts mit Peta zu tun haben.
Ohne Tiere kommt die Artistik bei Flic Flac aus. Das habe aber nichts mit Ideologie zu tun, sagt der Zirkus, und mag deshalb auch nichts mit Peta zu tun haben.
Foto: WAZ
Die radikale Tierschutz-Organisation „Peta“ wollte den Essener Zirkus Flic Flac für ein „tierleidfreies Programm“ auszeichnen. Dem ist diese Nähe aber höchst unangenehm: „Wir haben schlichtweg eine ganz andere Vorstellung von Tierschutz als Peta“.

Essen. Ziemlich überrascht sei man gewesen, über die Post, die vor einigen Tagen ins Haus flatterte, gesteht Jobst Eggert von der radikalen Tierschutzorganisation Peta. In einem Paket aus Essen befand sich nämlich der „Peta Progress Award 2013“, eine Auszeichnung für einen „besonders fortschrittlichen Beitrag zum Tierschutz.“

Den hatte die Organisation an den Zirkus „Flic Flac“ für sein „tierleidfreies Programm“ verliehen. Doch die Essener lehnten die Auszeichnung ab und schickten sie umgehend zurück. „Flic Flac“ verzichte aus konzeptionellen Gründen auf Tiere - nicht aus Überzeugung.

„Das wollen wir nicht“

„Als wir die Auszeichnung erhalten haben, waren wir schon ziemlich erstaunt“, so Meike Schütte vom Zirkus „Flic Flac“. Schließlich habe man sich gar nicht darum beworben. „Uns allen war aber sofort klar: Das wollen wir nicht“, erklärt Schütte, die der Tierschutzorganisation generell kritisch gegenübersteht.

„Wir haben schlichtweg eine ganz andere Vorstellung von Tierschutz als Peta. Wer es wirklich ernst meint, hätte einen solchen Preis etwa an den Circus Krone oder den Schweizer Nationalzirkus verliehen. Dort werden Tiere im Programm eingesetzt aber absolut verantwortungsvoll gehalten.“ Zu groß sei letztlich die Angst gewesen, dass Peta mit dem Namen des Essener Traditionszirkus Werbung in eigener Sache betreibt.

Tierverzicht aus konzeptionellen Gründen

Zwar betreten bei einer „Flic Flac“-Vorstellung keine Tiere die Manege, aber eben nur, weil man ein anderes Konzept verfolge. „Tiere können unserer Meinung nach sehr wohl zu einem Zirkus gehören“, verdeutlicht Schütte. „Nur eben nicht bei uns.“ Seit mehr als zwanzig Jahren besteht das Programm der Essener Akrobaten ausschließlich aus Muskeln und Maschinen. Tiger, Nashörner und Giraffen sucht man hier vergebens. „Die einzigen Pferdestärken die man bei uns zu sehen bekommt, stecken unter der Motorhaube“, sagt Schütte und stellt klar: Sollten irgendwann einmal Tiere in eine Zirkusnummer passen, werde man dies auch umsetzen.

Seit 2007 vergibt Peta jährlich den „Progress Award“. Rund 60 Preisträger hat es seither gegeben. Abgelehnt hatte die Auszeichnung noch niemand. „Natürlich finden wir die Entscheidung sehr schade“, sagt Peta-Sprecher Eggert. Dennoch zeige „Flic Flac“ eindrucksvoll, dass Zirkus auch ohne Tierhaltung funktionieren kann. Große Überzeugungsarbeit, so Eggert, wolle man jetzt aber nicht mehr leisten. „Das Thema ist für uns erledigt.“