Essener Zahnarzt sammelt Lyrik gegen bohrende Angst

Ob Gedichte immer und zuverlässig helfen gegen die Angst vorm Zahnarzt, das ist noch die Frage. Aber Dr. Detlef Schulz schreibt ihnen durchaus eine dämpfende Wirkung zu.
Ob Gedichte immer und zuverlässig helfen gegen die Angst vorm Zahnarzt, das ist noch die Frage. Aber Dr. Detlef Schulz schreibt ihnen durchaus eine dämpfende Wirkung zu.
Foto: Pascal Hesse
Dr. Detlef Schulz aus Bergerhausen feiert sein 20-jähriges Praxis-Jubiläum mit einem Gedichtband, in dem Menschen ihre Furcht verarbeiteten - mal ernst, mal humorvoll. Über 600 Menschen haben sich beteiligt – vom Kurzgedicht zum verlorenen Milchzahn bis zur Ballade vom Zahnarzttermin.

Essen.. Mit Vorfreude kommt selten jemand zu Dr. Detlef Schulz, eher mit einem leichten Grummeln in der Magengegend. Denn Schulz ist Zahnarzt und das schon in vierter Generation. Als junger Mediziner gründete er seine Praxis in Bergerhausen und hatte sich öfter gefragt, was die Menschen über die zahnärztliche Tätigkeit denken. „Spielt die Technik eine so große Rolle, wie wir als Zahnärzte oft meinen, oder sind es doch ganz andere Aspekte?“, fragt sich Schulz. Beim Grübeln, wie er den 20-jährigen Praxisgeburtstag feiern könnte, kam er auf eine Idee: Ein Lyrik-Wettbewerb rund um das Thema Zähne sollte es sein. Am Ende sollte eine Gedichtsammlung stehen, die dazu beiträgt, die Angst der Patienten in Mut umzuwandeln.

Über 600 Menschen aus Deutschland und aller Welt folgten seinem Aufruf und haben sich über das Internet am Lyrik-Wettbewerb beteiligt. „Die Menschen haben ihre Zahnarzterlebnisse dichterisch verarbeitet und können damit sich und anderen helfen, mehr Verständnis für ihre Ängste zu entwickeln“, betont Schulz. Die Poeten haben dabei ihrer Phantasie freien Lauf gelassen: Vom Kurzgedicht zum verlorenen Milchzahn bis hin zur Ballade vom Zahnarzttermin ist alles dabei. Kostprobe:

„Im Wartezimmer tiefes Schweigen//nicht einer will hier Schwäche zeigen//doch ist wer dran, entgleist die Miene//als ginge es zur Guillotine.“

Die Auswahl der drei Hauptpreise aus 600 Gedichten sei für die Jury eine Herausforderung gewesen. Das Siegergedicht berichtet etwa vom „Frühstücks-GAU“, die Zweitplatzierte schildert „Die Fabel vom Hasen ohne Zahn“ und die Lyrikerin auf Platz drei meint: „Ich habe nicht nur Zähne...“ Sie hat sich mit ihrem Gedicht selbst Mut gemacht - kurz vor einer Extraktion.

„Die Resonanz war überwältigend für ein zwar alltägliches, doch nicht unbedingt poetisches Thema“, berichtet Schulz. Mit den Gedichten sei hoffentlich ein weiterer Schritt getan, um den Gang zum Zahnarzt zu erleichtern und Hemmschwellen abzubauen. Der Dentist weiß: „60 Prozent der Deutschen gehen mit gemischten Gefühlen zum Zahnarzttermin, zehn Prozent haben eine mehr oder weniger ausgeprägte Phobie.“ Auch er hat solche Angstpatienten. Und Schulz ist sich sicher: Es kann durchaus Hilfe zur Selbsthilfe sein, seine eigenen Erfahrungen in Gedichtform festzuhalten.

Die 20 besten Gedichte sind nun jedenfalls in einem kleinen Buch erschienen: „Auf den Punkt gebracht – Gedichte rund um das Thema Zähne“ . Ab dem heutigen 25. September, dem „Tag der Zahngesundheit“, ist es für 9,95 Euro unter www.zahn-bewusstsein.de, in der Zahnarztpraxis Dr. Schulz und im Buchhandel erhältlich. Noch in Vorbereitung ist ein Hörbuch. Und als kleines Appetithäppchen vorab hat Schulz schon mal das Gedicht „Kleiner Held“ unter www.zahnheilkunst.de eingestellt. Damit niemand verängstigt in die Praxis kommt, sondern mutig und möglichst mit einem Lächeln im Gesicht.

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