Essener wollen mit "Knackstream" Youtube Konkurrenz machen

Britta Prasse
Nichts ist schwerer, als aus der Masse bei Youtube hervorzustechen. Zwei junge Essener gründeten deshalb ein eigenes Videoportal. Fair soll es sein.

Essen. Das Spiel heißt "Knack oder Next", Daumen hoch oder runter. Ein junges Essener Startup-Unternehmen hat vor gut einem Monat seine Video Plattform "Knackstream" für Talente jeglicher Art online geschaltet. Die Köpfe hinter dem Portal sind Marc Saleiko (26) und Milena Fluck (21), die Geschäftsidee wird vom Inkubator Zeche Neuland unterstützt.

Mit "Knack" ist übrigens nicht das Geräusch, sondern das englische Wort für "Gabe" oder "Trick" gemeint, das Programm steckt somit schon im Namen. Das Konzept erschließt sich schnell: User können sich kostenlos auf "Knackstream" registrieren und ihr Talent in einem 60-Sekunden-Video vorstellen.

Egal ob Singen, Comedy, Tanzen oder Akrobatik - jede Begabung findet hier ihren Platz. Das Video wird anschließend in die passende Talent-Kategorie und in das jeweilige Bundesland des Bewerbers eingeordnet. Dann ist der Nutzer gefragt: Mit "Knack me" zeigt er, dass ihm ein Video gefällt. "Next" bringt ihn direkt zum nächsten Video.

Fairer als Youtube

"Wir sind ein faires Talentportal, in dem begabte Leute eine Chance bekommen, entdeckt zu werden. Nichts ist schwieriger, als sich von der Masse abzuheben. Viele gute Videos versauern oft im Youtube-Keller, nur weil sie nicht gefunden werden", sagt Marc. Bei "Knackstream" werde hingegen Unterhaltung auf den Punkt gebracht, Bestenlisten und die "List of Fame" dienen als Anerkennungsmaßstab. Das Ganze funktioniert nach dem Playlist-Charakter: Was nicht gefällt, kann nach fünf Sekunden weggeklickt werden, was gefällt, kann bewertet und zu den persönlichen Favoriten gezogen werden.

Milena, die von ihrem Bachelor-Studium "Water Science" erstmal eine Pause nimmt, ist der kreative Kopf im "Knackstream"-Büro auf Zeche Zollverein. Von ihr stammt auch die ursprüngliche Idee. "Das grundsätzliche Modell habe ich damals schon mit 16 Jahren bei einem Schülerwettbewerb vorgestellt - und gewonnen. In der Zwischenzeit haben wir natürlich viel an der Umsetzung und Präsentation gefeilt."

Im vergangenen Jahr stellen Milena und Marc ihren Businessplan beim "Mobile Solutions Award" vor, der vom IT-Dienstleister adesso und der Innovationsfabrik der Universität Duisburg-Essen verliehen wird. Sie werden "nur" zweiter - doch der Stein ist ins Rollen gebracht.

Von der Idee bis zum ersten Klick 

Wie funktioniert das eigentlich, so jung ein Unternehmen aus dem Nichts auf die Beine zu stellen? "Man plant erstmal ins Blaue hinein. Du hast eine Idee und denkst dir ein Geschäftsmodell aus. Das kann funktionieren oder auch nicht. Es ist ein bisschen so, als wären wir im Ponyland, in dem wir ein Einhorn erschaffen sollen", sagt Milena. Wichtig ist der Businessplan, hier soll die Idee möglichst kurz und verständlich beschrieben werden. Marktanalyse, PR, ein konkreter Finanzplan und Kundenbindung - all das muss dabei bedacht werden. Von der technischen Umsetzung ganz zu schweigen.

Große Masse noch nicht erreicht

Für die Programmierung holte sich Milena damals Marc ins Boot, der als studierter Informatiker bereits vorher Erfahrungen in den Bereichen Webdesign und Webentwicklung gesammelt hat. Heute ist er Geschäftspartner und arbeitet daran, das Portal benutzerfreundlich zu gestalten. Nach dem ersten Monat online kann sich die Bilanz des jungen Startups sehen lassen: 140 Videos wurden bereits hochgeladen, die Seite kommt auf über 12.000 Klicks. "Die große Masse haben wir damit noch nicht erreicht, aber wir arbeiten daran", sagt Marc.

Shitstorms haben hier keine Chance

Vom Branchenführer Youtube möchte sich "Knackstream" aber ganz klar distanzieren, zu unübersichtlich komme der Videodschungel daher. Marc und Milena rücken mit ihrer Seite das Talent wieder in den Fokus, vernichtende Shitstorms sollen keine Chance haben. "Wir haben uns extra gegen die Kommentarfunktion entschieden. Zum einen, weil wir uns damit von der Konkurrenz abheben, und zum anderen, weil eine qualifizierte Meinung doch eher selten ist", erklärt Marc. Außerdem müsse es einen Moderator für Diskussion geben. Personal, das sie derzeit noch nicht haben. "Wir suchen aber Praktikanten, egal ob BWL-, Informatik- oder Marketing-Studenten. Bei uns darf man auch mehr als einfach nur Kaffee kochen", sagt Milena.

So ganz starr auf der Talent-Schiene möchten die zwei aber doch nicht fahren. Mit der Rubrik "At least we tried" haben sie auch einen Trash-Kanal geschaltet, auf dem diejenigen ein Publikum finden, die amüsant an ihrem Vorhaben vor laufender Kamera scheitern. Und schließlich ist Talent auch immer noch eine Sache der Definition.