Essener Unternehmen beklagen Fachkräftemangel

Stephan Hermsen
Foto: Christoph Wojtyczka
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Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Mehr als ein Drittel der Unternehmen in Essen klagt über Fachkräftemangel, viele Firmen wollen daher verstärkt ausbilden. Welche Berufe zur Zeit besonders gefragt sind, geben die Arbeitgeberverbände bekannt.

Essen. Ingenieur müsste man sein, Elektrotechniker, Baumaschinenschlosser oder Gießerei-Mechaniker – denn diese Gewerke und einige andere mehr sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt: Der Fachkräftemangel ist binnen eines Jahres deutlich angestiegen. Mehr als ein Drittel der Betriebe (35 Prozent), die sich am aktuellen Konjunkturbarometer beteiligten haben einen Fachkräftebedarf, in der Metall- und Elektroindustrie ist es fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent). Der Fachkräftemangel bleibe „gesellschaftspolitisches Megathema“, so die „Arbeitgeber Ruhr“, ein Zusammenschluss von 17 Arbeitgeberverbänden, in denen 2200 Unternehmen mit 250.000 Beschäftigten organisiert sind, darunter der Essener Unternehmensverband (EUV).

36 Prozent der Firmen haben Probleme

In der Metall- und Elektroindustrie haben mittlerweile 36 Prozent der Firmen Probleme, freie Stellen zu besetzen – vor einem Jahr waren es 25 Prozent. Der hohe Arbeitskräftebedarf ist mit Sicherheit der stabilen Konjunktur geschuldet. EUV-Vorstandschef Henner Puppel: „Die Wirtschaft in Essen und im Ruhrgebiet ist weiterhin auf stabilem Kurs. Der Höhepunkt des Aufschwungs scheint aber überschritten.“ Das nämlich ist die etwas dunklere Seite des Konjunkturberichts: Die Lage ist gut, aber die Verunsicherung wächst. Von Rezession mag (noch) keiner reden, aber „der Höhepunkt des konjunkturellen Aufschwungs liegt hinter uns“, heißt es im Ausblick.

Trotz leicht des leicht verdunkelten Blicks in die Zukunft gibt es jedoch auch gute Nachrichten: So ist vor allem in der Metall- und Elektro-Industrie die Investitionsbereitschaft gestiegen: Fast ein Drittel der Firmen (28 Prozent) will mehr Geld ins eigene Unternehmen stecken, nur jedes achte (12 Prozent) will die Investitionen zurückfahren – und das Personal reduzieren.

Dem gegenüber stehen zum Glück sechs von zehn Unternehmen, die mehr Leute einstellen wollen. Und weil — wie eingangs erwähnt – der Fachkräftemangel das oft sehr schwierig macht, werden mehr Ausbildungsplätze angeboten: Jede fünfte Firma (21 Prozent) will mehr Azubis einstellen, nur sechs Prozent der Unternehmen wollen Lehrstellen abbauen. Was überrascht: Trotz des festgestellten Fachkräftemangels wollen nur 12 bis 14 Prozent der Firmen in die Personalentwicklung investieren, den Kontakt zu Schulen und Hochschulen intensivieren oder gar an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiten (5 Prozent).

Angst vor schwächerem Umsatz im 2. Halbjahr

29 Prozent der Firmen sehen die aktuelle Geschäftslage als gleichbleibend gut an, 16 Prozent finden sie unbefriedigend. 9 Prozent hoffen im 2. Halbjahr auf bessere Umsätze, 21 Prozent rechnen mit weniger.