Essen

Essener Tafel: Anti-Rassismus-Demo nach großem Wirbel - doch einer der Bedürftigen hat eine ganz andere Meinung

Demonstration gegen Rassismus bei Essener Tafel

Vor der Essener Tafel wurde am 3. März gegen Rassismus demonstriert. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp hat sich die Essensausgabe angeschaut.

Vor der Essener Tafel wurde am 3. März gegen Rassismus demonstriert. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp hat sich die Essensausgabe angeschaut.

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  • Vor der Essener Tafel fand am Samstag eine Anti-Rassismus-Demo statt
  • Ein Bedürftiger schildert, dass er die Entscheidung der Tafel mehr als nachvollziehen kann
  • NRW-Integrationsminister Joachim Stamp war vor Ort und will nun zwischen den Parteien vermitteln

Essen. Nach dem Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel ist eine große Diskussion über Armut in Essen entbrannt. Betroffen ist auch Thomas Görgen. Er ist momentan arbeitslos und bezieht Hartz-IV.

Auf die Tafel angewiesen: Der normale Einkauf wäre „zu teuer“

Es ist kalt und der 27-Jährige muss noch draußen warten, bevor er die Tafel betreten darf. Er steht mehrmals pro Woche in der Schlange der Essener Tafel für seine Lebensmittel an. So auch an diesem Samstagmittag. „Ich bekomme Hartz-IV, doch das Geld reicht einfach nicht zum Leben. Auf die Lebensmittel von der Tafel bin ich angewiesen. Sonst wäre der Einkauf zu teuer“, sagt er.

Der Wunsch nach einer Ausbildung

Wie er in diese Lage gekommen ist, beantwortet er schnell. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Maler und Lackierer habe er nicht sofort im Anschluss etwas Neues gefunden.

„Der Beruf war für mich nicht das Richtige, deswegen hab ich die Ausbildung abgebrochen. Ich würde jetzt gerne eine neue Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann anfangen.“ Doch eine solche hat er bisher noch nicht bekommen. Solange das so ist, muss er sich jede Woche in die Schlange stellen. Das sei nicht immer einfach.

„Deutsche haben sich hier nicht mehr hingetraut“

Die Frage, ob er die Entscheidung des Vorsitzenden der Essener Tafel, vorerst keine Migranten mehr in die Kartei aufnehmen zu wollen, verstehen könne, beantwortet er zügig mit: „Ja.“ Er selbst sei deutscher Staatsbürger und habe sich in letzter Zeit verdrängt gefühlt.

„Es wurde ständig gedrängelt und geschubst.“ Deutsche hätten sich hier nicht mehr hingetraut. Auch persönliche Beleidigungen seien vorgekommen. Ein Ausgleich sei nötig. „Ich bin froh, dass sich die Situation bei der Tafel durch die Entscheidung erstmal etwas entspannt hat,“ sagt Thomas (27) gegenüber DER WESTEN.

Anti-Rassismus Demo an Essener Tafel

Samstagmittag zur selben Zeit: Vor der Tafel haben sich zwanzig Demonstranten eingefunden. Die Gruppe will ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Die Demonstranten setzen sich aus Mitgliedern verschiedener Parteien (MLPD, Die Grünen, Schöner Leben) interessierten Bürgern und Mitarbeitern des Anti-Rassismus-Telefons zusammen.

Demonstranten: „Wir sind nicht gegen die Tafel“

„Wir sind nicht gegen die Tafel, wir sind gegen die Entscheidung der Tafel. Die Politik muss endlich etwas tun und sich dafür einsetzen, dass keiner mehr zur Tafel muss,“ sagt Andreas Brinck (37). Er engagiert sich bei der Partei „Schöner Leben.“

NRW-Integrationsminister Stamp vor Ort

Schon um 11:30 Uhr und damit etwas früher als angekündigt kommt auch NRW-Integrationsminister Jörg Stamp zur Tafel. Er hatte bereits am Mittwoch im Landtag öffentlichkeitswirksam seinen Besuch angekündigt.

„Bei der Essener Tafel gibt es keine Rassisten“

Stamp zeigte sich überrascht von der Dimension der Debatte in den Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken. Trotzdem solle die Gesellschaft langsam mal wieder überlegen, worum es eigentlich wirklich gehe. „Die Frage ist eben nicht 'Deutsch oder nicht Deutsch', sondern anständig oder unanständig.“ Stamp sagte, es gäbe bei der Tafel in Essen keine Rassisten.

„Tafel keine staatliche Einrichtung “

Der Minister sagte, bedürftige Einwanderer würden glauben, dass die Tafel eine staatliche Einrichtung wäre. Dem wäre aber nicht so.

„Die Tafeln sind keine staatliche Leistung zur Sicherung des Existenzminimums,“ so Stamp. Dafür gäbe es die sozialstaatlichen Leistungen in Deutschland. Tafeln seien ehrenamtliches Engagement von Bürgern. Er wolle jetzt mit Projekten und mit den Migrantenorganisationen den Einwanderern die Funktion der Tafeln vermitteln.

„Wenn wir hier begleitend tätig sein können, werden wir das auch tun.“ Dies habe er bereits mehreren Tafeln angeboten.

 
 

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