Essener Sportpolitik fühlt sich unfair gebremst

Wolfgang Kintscher
Aua, das tut weh. Die Sportpolitiker waren gestern empört über die bereits sicher geglaubten und Richtung Kultur verschobenen Millionen.
Aua, das tut weh. Die Sportpolitiker waren gestern empört über die bereits sicher geglaubten und Richtung Kultur verschobenen Millionen.
Foto: Archiv
Gerade mal vier Wochen nach der Präsentation des Haushaltes werden dem Sport 1,7 Millionen zugesagte Euro genommen – und Theater und Philharmonie zugeteilt. Ein Foul? Ein Missverständnis?

Im Essener Sport haben sie leiden gelernt, ohne zu klagen: Haben Personal abgebaut und Zuschüsse gekürzt, Preise erhöht und Sportplätze wie Schwimmbäder geschlossen.

Und dachten wohl: Dass der seit Jahren chronisch unterfinanzierte Sport-Sektor in den kommenden beiden Jahren mal einen richtig kräftigen Schluck aus der Finanz-Pulle nehmen darf, das ist nur gerecht. 23 Millionen und ein paar zerquetschte Euro, so steht es auf Seite 25 des fortgeschriebenen Haushalts-Sanierungsplans, sollten die Sport- und Bäderbetriebe im nächsten Jahr zugeteilt bekommen, und nur ein bisschen weniger im Jahr darauf. Endlich mal nicht mehr Grundstücke verkaufen müssen, um die aus dem Ruder laufenden Kosten zu decken.

Noch in der gestrigen Sportausschuss-Sitzung hob der Chef der Sport- und Bäderbetriebe, Michael Kurtz, an, die 23 Millionen zu preisen, als ihm Mitarbeiter der Kämmerei eröffnen mussten, dass er da wohl ein altes Zahlenwerk vor sich habe: Die Stadtspitze hatte sich auf den letzten Zentimetern selbst korrigiert, will den Sportlern nun 1,7 der aufgesattelten fünf Millionen Euro wieder wegnehmen und lieber der Theater und Philharmonie zuschustern.

Ein grobes Foul im ewigen Kampf der beiden Kostgänger Sport und Kultur? Oder nur ein grobes Missverständnis, das man jetzt (sehr zum Leidwesen der Sportler) aufklärt?

Im Sport-Ausschuss gestern schlugen die Wogen jedenfalls hoch: Von einem Stück aus dem Tollhaus sprechen Teilnehmer und brachen die Etatberatungen kurzerhand ab. Mancher wähnt nicht zuletzt Sportdezernent Andreas Bomheuer als Drahtzieher der Aktion, denn der vereinigt, eher ein Zufall, beide Fachbereiche, Sport und Kultur, in seinem Dezernat. Ob der sich, so unken manche, mit seinem Sportansinnen nur nicht habe durchsetzen können?

Oder nicht wollen?

„Wir werden das auf keinen Fall akzeptieren“. kündigte gestern jedenfalls CDU-Sportsprecher Siegfried Brandenburg an und wähnt die Sozialdemokraten auf seiner Seite, während Linken-Sprecher Herbert Bußfeld nur noch mit dem Kopf schüttelt: „Haben wir nicht genug geblutet?“ Notfalls soll eine Sondersitzung des Ausschusses zugunsten des Sports wieder richten, was mit einem Federstrich der Stadtverwaltung – aus Sportlersicht – aus den Fugen geraten ist.

Dabei gibt es Anzeichen dafür, dass das Dezernat selbst genau das einst forderte, was nun als neuer Vorschlag auf dem Tisch liegt: Näherungsweise 3,5 Millionen für den Sportbereich, 6,7 weitere Millionen für Theater und Philharmonie, zusammen irgendwas um die zehn Millionen. Und dass man sich dann womöglich nur nicht recht nachzufragen traute, als das Mammut-Zahlenwerk des Stadtkämmerers Schwarz auf Weiß jedem der beiden Bereiche plötzlich fünf Millionen Euro zuschanzte.

So oder so: Am Ende entscheidet Ende November eh der Rat der Stadt, wer da wie viel bekommt. Für die zur Halbzeit zurückliegende Sport-Fraktion Grund, sich jetzt schon mal warmzulaufen.