Essener Sportbund sieht den OB nicht auf Ballhöhe

Wolfgang Kintscher
In wessen Feld liegt der Ball, wenn es ums Sparen im Sport geht? Der OB greift E
In wessen Feld liegt der Ball, wenn es ums Sparen im Sport geht? Der OB greift E
Foto: Knut Vahlensieck
Ein Offener Brief des Oberbürgermeisters mit geharnischten Vorwürfen an die Adresse der Sportvereine stößt dort auf harsche Kritik. Die Sportler fühlen sich unfair behandelt – und werfen Paß vor, nicht richtig informiert zu sein.

Wer nicht reden will, muss schreiben. Denn als der Essener Sportbund gestern Abend mit den wichtigsten OB-Kandidaten über den Stellenwert des Sports in der Stadt reden wollte, da blieb der Platz des Oberbürgermeisters leer.

Dafür gab Reinhard Paß den in der Turnhalle an der Saatbruchstraße versammelten Sportvereinen schriftlich, was er ihnen mitzuteilen hatte: Dass er nämlich einerseits all den Unmut über die einschneidenden Sparvorschläge im jüngsten Gutachten der Gemeindeprüfungsanstalt zwar „durchaus verstehen und nachvollziehen“ kann. Auch ihn selbst erfüllten sie „nicht mit Begeisterung“, räumt der OB in seinem Offenen Brief ein. „Aber nur dagegen zu sein, alles in Bausch und Bogen abzulehnen, ist verantwortungslos und ein Affront in Richtung Bezirksregierung.“

Die Kommunalaufsicht dort erwarte, dass die Stadt sich mit den ermittelten Einspar-Beträgen „differenziert auseinandersetzt“. Dass man in Düsseldorf mittlerweile Zweifel am Sparwillen vor Ort hegt, „dazu dürfte auch der Umgang der Sportpolitik und des Espo mit den Einsparvorschlägen der Gemeindeprüfungsanstalt gesorgt haben“, glaubt Paß: Die habe man „ja schon grundsätzlich abgelehnt, bevor das Gutachten überhaupt vorlag.“

Beim Essener Sportbund ist man angesichts dieser Vorwürfe wie vom Donner gerührt. Sie sollen alle Sparideen in Bausch und Bogen verdammt haben? „Das ist eine Behauptung, die überhaupt nicht stimmt“, empört sich Espo-Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg, „wir können doch das Gegenteil beweisen.“

Sparbeschlüsse in Millionenhöhe habe der Sport mitgetragen, zuletzt das noch im Gutachten angemahnte Aus fürs Bad am Südpark und für das Internat am Handball-Leistungszentrum. Weiteren Kürzungen oder Gebührenerhöhungen in siebenstelliger Größenordnung stehe der Sport durchaus aufgeschlossen gegenüber. Allerdings kritisierte Espo-Frontmann Rohrberg zuletzt auch die Methodik der Gutachter als in Teilen „fragwürdig“ und „unseriös“. Und fand damit offene Ohren bei den Sportpolitikern. Rohrbergs Schlussfolgerung in Richtung Stadtverwaltung und Stadtspitze: „Hätte man doch nur mal ins Gutachten reingeguckt oder sich unserer Fragen angenommen, dann wäre dieser Brief so nicht geschrieben worden.“

Dabei verkennt der Sport laut Espo nicht, dass der OB wie auch der städtische Finanzchef unter gehörigem Druck stehen, eine Haushaltsgenehmigung zu erreichen. Die würde auch dem Sport helfen, denn solange der Etat nicht genehmigt ist, liegen auch drei Millionen Euro für bereits bereitgestellte Investitionen in die Sportlandschaft auf Eis.

OB Paß wünscht sich in seiner Adresse an die Sportvereine, dass alle Seiten zum Wohl des Sports „an einem Strang ziehen“. Das tun sie wohl auch, derzeit allerdings einige nur in entgegengesetzter Richtung.