Essener soll Schumachers Skiunfall gefilmt haben

Auf dem Weg ins Krankenhaus: Vater Rolf (l.) und Bruder Ralf Schumacher am Sonntag.
Auf dem Weg ins Krankenhaus: Vater Rolf (l.) und Bruder Ralf Schumacher am Sonntag.
Foto: REUTERS
Von zwei Videoaufnahmen, darunter die eines Skifahrers aus Essen, erhoffen sich die Ermittler in Frankreich neue Erkenntnisse über Michael Schumachers Unfall. Seit Zustand gilt weiter als kritisch.

Grenoble. Eine Woche nach dem Skiunfall von Michael Schumacher erhoffen sich die Ermittler von zwei Videoaufnahmen neue Erkenntnisse über den Unglückshergang. Ein deutscher Skifahrer filmte nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ offenbar zufällig den Sturz des Formel-1-Rekordweltmeisters. Zudem untersuchen die Ermittler Schumachers Helmkamera. Der Gesundheitszustand des 45-Jährigen ist nach Aussage seiner Managerin weiterhin kritisch, aber stabil.

Bei dem Zeugen handelt es sich nach „Spiegel“-Angaben um einen 35-jährigen Flugbegleiter aus Essen. Er habe nach eigenen Aussagen zum Zeitpunkt des Unglücks nur wenige Meter von der Unfallstelle entfernt auf der Piste im französischen Skigebiet Méribel gestanden und mit einem Smartphone gerade seine Freundin gefilmt, berichtete das Magazin in seiner Online-Ausgabe.

Leicht verwackelte Aufnahme

Im Hintergrund des Films ist demnach leicht verwackelt zu sehen, wie ein Skifahrer im nicht präparierten Teil zwischen zwei Pisten über den Schnee gleitet und stürzt. Nach Aussagen des Zeugen handelte es sich bei diesem Skifahrer offenbar um Michael Schumacher. Er soll „gemächlich gefahren“ und mit einem Tempo von „maximal 20 Stundenkilometern“ unterwegs gewesen sein. Schumachers Ärzte hatten im Gegensatz zur Darstellung der Managerin erklärt, der frühere Formel-1-Pilot sei mit großer Geschwindigkeit abseits der Piste gefahren, als er mit dem Kopf gegen einen Felsen stürzte.

Der Zeuge erklärte sich dem „Spiegel“ zufolge bereit, sein Videomaterial an die Staatsanwaltschaft in Albertville zu übergeben, die zu den Umständen des Unfalls ermittelt. Die Ermittler wollen auch klären, ob die Skipiste korrekt markiert war und ob es versäumt wurde, eine Absperrung oder einen Warnhinweis vor dem Felsen anzubringen, auf den Schumacher stürzte. Auch wird untersucht, ob Schumachers Ski-Bindungen richtig funktionierten.

Schumachers 14-jähriger Sohn und ein Freund des Jungen wurden bereits vernommen. Beide waren bei dem Unfall am Sonntag vergangener Woche dabei. Schumacher wurde seitdem zwei Mal operiert.

Mika Häkkinen:„Du musst wieder hart kämpfen“

Schumachers einstiger Rivale Mika Häkkinen, der selbst 10 Tage Koma überlebt hatte, überbrachte dem 45-Jährigen in einem Brief seine Genesungswünsche. „Lieber Michael, du bist ein Mann, der sich jeder Herausforderung stellt und du bist es gewohnt, jede davon zu bestehen. Dein Unfall ist jetzt nichts mehr als eine weitere Herausforderung. Du musst wieder hart kämpfen – so wie wir beide früher auf der Rennstrecke gekämpft haben“, zitierte die „Bild am Sonntag“ aus dem Schreiben des Finnen. „Du musst keine Bestzeit in diesem Rennen aufstellen. Du musst dir alle Zeit nehmen, die du brauchst.“

Eine am Helm angebrachte Minikamera steht im Mittelpunkt der Ermittlungen zum Skiunfall von Michael Schumacher. Die kleinen, leichten, wasserdichten und leicht zu bedienenden Kameras erfreuen sich bei Extremsportlern wie Tauchern, Skifahrern und Fallschirmspringern wachsender Beliebtheit. Mit Hilfe der Geräte, die nicht größer sind als eine Zigarettenschachtel, können Sportler Aufnahmen von ihren Heldentaten ins Netz stellen und mit Freunden teilen.

Minikamera am Helm

Minikameras können mit unterschiedlichen Befestigungssystemen nahezu überall angebracht werden – am Körper, an der Spitze eines Skis oder eines Surfbretts, am Klettergurt oder am Segel eines Drachenfliegers. Wie eine Stirnlampe am Helm eines Skifahrers befestigt, erlauben sie beispielsweise nervenkitzelnde Aufnahmen von rasanten Abfahrten.

Unklar ist derzeit allerdings noch, ob Schumachers Kamera zum Unglückszeitpunkt Aufnahmen machte und ob diese nach der Wucht des Aufpralls noch verwertbar sind. Ist dies der Fall, könnten die Bilder entscheidend bei der Aufklärung des Unfallablaufes sein. Wie genau der Unfall ablief, spielt eine große Rolle in Versicherungsfragen.