Essener Schwimmerin wird Olympia-Ausrüstung gestohlen

Badekappe, Brille, Rennanzug – bis zu den Wettkämpfen in Rio muss sich Dorothea Brandt an all das neu gewöhnen. Sportler haben zu ihrer Ausrüstung ein besonderes Verhältnis. Sie können kleinste Unterschiede spüren.
Badekappe, Brille, Rennanzug – bis zu den Wettkämpfen in Rio muss sich Dorothea Brandt an all das neu gewöhnen. Sportler haben zu ihrer Ausrüstung ein besonderes Verhältnis. Sie können kleinste Unterschiede spüren.
Foto: dpa
  • Olympia-Schwimmerin Dorothea Brandt wurde auf dem Weg von Berlin nach Düsseldorf Koffer gestohlen
  • Wettkampausrüstung im Wert von 3000 bis 4000 Euro ist weg
  • Brandt muss sich bis zu den Spielen in Rio an neues Material gewöhnen

Essen.. Mittlerweile kann sie im Ansatz darüber lachen – mit ihren Teamkollegen flüchtet sie sich in Sarkasmus. „Die Jungs haben gesagt, wie kann man denn deinen Koffer klauen? Der wiegt doch immer 1000 Kilo“, sagt Dorothea Brandt, Olympia-Schwimmerin der SG Essen. Wirklich lustig ist es aber nicht, was der Leistungssportlerin widerfahren ist. Auf dem Heimweg aus Berlin wurde ihr besagter 1000-Kilo-Koffer in der Bahn geklaut. Inhalt: Die komplette Wettkampfausrüstung für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Wert: zwischen 3000 und 4000 Euro.

Dorothea Brandt blieb einen Tag länger als ihre Teamkollegen in Berlin. Die Schwimmer hatten an den German Open teilgenommen, bei denen die letzten Tickets für die Olympischen Spiele verteilt wurden. Brandt wollte noch Zeit mit Freunden verbringen. Die Schwimmerin hatte zwischen 2003 und 2012 in der Hauptstadt gelebt, bevor sie nach Essen kam. Die 32-Jährige reiste am Samstagabend daher allein nach Düsseldorf. Gegen 22 Uhr kam sie an. „Ich war die Letzte im Abteil. Es war nur noch ein Koffer in der Ablage hinter mir. Meiner war weg.“ Mitbekommen habe sie von dem Diebstahl nichts.

"Was will man mit Rennanzügen oder Badekappen?"

Die Hoffnung, dass jemand die Gepäckstücke verwechselt haben könnte, gab sie schnell auf: „Der Koffer, der liegen geblieben ist, sah meinem überhaupt nicht ähnlich.“ Sofort rief sie ihren Freund an, damit er auf dem Bahnsteig die Augen offenhält – nichts. Auch beim Fundbüro – nichts. „Ich habe dann bei der Bundespolizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“ Aber auch da, bis heute – nichts.

Was Dorothea Brandt am wenigsten versteht? „Mit den Sachen kann außer mir keiner etwas anfangen. Was will man mit den Rennanzügen, Schwimmbrillen oder Badekappen?“ Am Koffer selbst und allen Sportklamotten steht ihr Name und der ihres Teams, SG Essen. Dass der Koffer noch auftauchen könnte, glaubt sie dennoch nicht.

Euphorie bei der Olympia-Einkleidung

Der materielle Verlust ist das eine: Die Rennanzüge kosten pro Stück 350 Euro, der Reisemixer für Sportshakes 150 Euro, der Koffer allein 450 Euro. Viel schlimmer aber: „Man baut Vertrauen zum Material auf“, erklärt Dorothea Brandt. „Ich bin mit der Schwimmbrille hunderte Male ins Wasser gesprungen. Ich muss mir auf dem Startblock keine Gedanken machen, ob die hält.“ Jetzt muss sie es wieder. Hoffentlich nicht bis zum ersten Startschuss bei den Sommerspielen. Am kommenden Montag geht es nach Rio. „Ich werde mich dann intensiv mit dem Material auseinandersetzen. Und muss mich an die Sachen halt neu gewöhnen.“ Ihr bliebe ja – wie es aussieht – nichts anderes übrig.

Alles, was die Athleten abseits der Wettkämpfe am Zuckerhut tragen werden, hat Dorothea Brandt am Mittwoch entgegengenommen: Olympia-Einkleidung in Hannover. Bei allem Ärger: „Das ist schon eine geile Nummer. Da wird einem nochmal richtig bewusst: Ich bin dabei! Mit dem Outfit wird es greifbar, man spürt es auf der Haut.“

 
 

EURE FAVORITEN