Essener Schüler: Golf ist kein Alte-Männer-Sport

Die Gymnasiasten Julius Seifert, Julius Brauer, Florian Kießling, Jonas Baumgärtner aus Werden waren erfolgreich bei einem Bundesfinale im Golf.
Die Gymnasiasten Julius Seifert, Julius Brauer, Florian Kießling, Jonas Baumgärtner aus Werden waren erfolgreich bei einem Bundesfinale im Golf.
Foto: WAZ FotoPool
Vier Jugendliche des Gymnasiums Essen-Werden sind erfolgreich bis ins Bundesfinale vorgedrungen. Über Klischees, Häme und mentale Stärke

Essen.  Es gibt Hobbies, für die muss man sich nicht rechtfertigen. Wer Fußball-Fan ist, gerät zum Beispiel nur selten in Erklärungsnot. Höchstens, man findet einen sehr exotischen Verein gut.

Doch wenn man Idole hat, die Rory McIllroy oder Justin Rose heißen, der muss damit leben, mit seinem Liebslingsthema oft allein zu bleiben. McIllroy und Rose sind, das zur Erklärung, Profi-Golfspieler. Der eine aus Nordirland, der andere aus England. Die meisten Leute in diesem Land, sind wir mal ehrlich, kennen vielleicht noch Bernhard Langer, aber dann hört es auch schon auf.

„Es ist anstrengend, dauernd zu erklären, dass Golf ein interessanter Sport ist“, sagt Julius Seifert (15). Er geht ans Gymnasium Werden und war mit drei Mitschülern zuletzt sehr erfolgreich beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“, Abteilung Golf: Platz sieben. Immerhin. Vorher hatten sich Julius, Florian Kiessling (12), Julius Brauer (15) und Jonas Baumgartner (13) siegreich durch sämtliche Entscheide gekämpft – erst den Regional-, dann den Bezirks-, schließlich den Landeswettbewerb. Am Ende, bei der Bundesausscheidung in Heidelberg, zählten sie zu den zwölf Finalisten. Begleitet wurden sie von ihrer Sportlehrerin Susanne Söllner.

Gute Golfer machen auch Krafttraining

Wer Golf spielt, und das schon in jungen Jahren, der sieht sich regelmäßig gehöriger Häme ausgesetzt: „Der Vergleich mit Minigolf fällt ständig“, sagt Jonas, „und dass Golf ja wohl kein richtiger Sport sei.“

Die vier Schüler stehen an drei bis vier Tagen pro Woche auf einem Golfplatz in Hösel, mehrere Stunden jeweils, bei jedem Wetter. „Für einen technisch wirklich guten Schlag braucht man ein paar Jahre Übung.“ Sie spielen alle schon lange, ließen sich in ihrer Leidenschaft anstecken von Nachbarn, den eigenen Eltern, meistens dem Vater. Julius Seifert misst jetzt schon mehr als zwei Meter; „ich hab’ vorher auch Basketball gespielt, aber jetzt nur noch Golf.“

Wer Golf spielt, berichten die Schüler, beansprucht Muskelgruppen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass sie überhaupt da sind. „Die Muskeln werden beim Schlag enorm belastet, jede kleinste Kleinigkeit verändert die Flugbahn des Balls sofort“, sagt Julius Brauer – kein Wunder also, dass jeder gute Golfer auch Krafttraining mache: „Man lernt seinen Körper so gut kennen wie bei kaum einem anderen Sport.“

Beim Golf bleibe nichts dem Zufall überlassen, jede Unebenheit im Rasen müsse mit berücksichtigt werden, genau so wie die Windverhältnisse. „Beim Golfen gibt es keien Ausrede“, sagt Julius Seifert. „Nur du allein bist für deinen Schlag verantwortlich. Misslingt er, kannst du die Schuld nicht auf etwas anderes schieben.“

Mentale Stärke ist wichtig

Entsprechend sei, neben allen körperlichen Voraussetzungen, „mentale Stärke“ das Wichtigste: „Nach vier oder fünf guten Schlägen nicht nachlässig zu werden, ist die größte Kunst.“

Und gegen das Klischee vom Alte-Herren-Sport kommen die Schüler mit harten Fakten: „Der Golfsport wird immer jünger. Die fünf besten Spieler der Welt sind unter 25“, sagt Julius Seifert.

Florian (12) hat seine Kindergartenjahre in Amerika verbracht, der Berufstätigkeit seiner Eltern wegen. „Da war Golfen ganz normal, ein Volkssport.“ Entsprechend früh hatte auch er erstmals einen Schläger in der Hand. Das elitäre Image des Sports stört die Schüler entsprechend wenig: „Es ist ein toller Sport, alles andere ist egal.“

 
 

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