Essener RWE-Turm soll 120 Millionen Euro kosten

Zweifellos eine Landmarke: der RWE-Turm in der Essener Innenstadt. Doch der Energieriese will das Gebäude nun verkaufen. Personalchef Uwe Tigges hält die Architektur für ungeeignet für eine moderne Konzernzentrale.
Zweifellos eine Landmarke: der RWE-Turm in der Essener Innenstadt. Doch der Energieriese will das Gebäude nun verkaufen. Personalchef Uwe Tigges hält die Architektur für ungeeignet für eine moderne Konzernzentrale.
Foto: WAZ FotoPool
Der Energiekonzern RWE will seine markanten Turm in der Essener Innenstadt verkaufen – und dann zurückmieten. Ein weltweit tätiger Immobilienvermarkter sucht jetzt einen Investor, der 120 Millionen Euro für das Bauwerk zahlt.

Essen.. RWE will seine Unternehmenszentrale verkaufen und anschließend zurückmieten und hat den weltweit operierenden Immobilienvermarkter Jones Lang LaSalle (JLL) mit der Suche nach einem Investor beauftragt. Eine Entscheidung, wer die Immobilie am Opernplatz kaufen wird, ist jedoch noch nicht gefallen. Seit die Nachricht bekannt wurde, fragt man sich in Essen aber vor allem: Wie lang wird RWE wohl dem Standort am Opernplatz noch treu bleiben? Offiziell heißt es bei RWE nur, man lege Wert auf einen langfristigen Mietvertrag.

Nach Informationen dieser Zeitung schwebt RWE zunächst ein Zehn-Jahres-Mietvertrag vor, mit drei Verlängerungsoptionen für je drei Jahre. Das heißt aber nicht, dass RWE selbst so lange bleiben müsste. Denn RWE will sich zum einen die Möglichkeit der Untervermietung zusichern lassen, zum anderen nach den zehn Jahren vielleicht nur noch einzelne Gebäude in dem Komplex weiter anmieten.

"Ungeeignet für eine moderne Konzernverwaltung"

Die Spekulationen um einen Auszug hatte vor allem Personalchef Uwe Tigges ausgelöst, der im Frühjahr sagte, dass die RWE-Konzernzentrale zwar in Essen bleiben werde, ob sie aber in zehn Jahren noch im Turm sein werde, sei ungewiss. In einem Interview erklärte er, das erst 1997 bezogene Hochhaus am Opernplatz sei „aufgrund seiner runden Architektur grundsätzlich ungeeignet für eine moderne Konzernverwaltung“. Es gebe zu viele Freiflächen und fensterlose Räume in der Mitte des Turms.

Dass solche Äußerungen nicht gerade verkaufsfördernd sein dürften, liegt wohl auf der Hand. Tigges selbst hatte schon damals gemutmaßt, es werde „nicht so einfach sein, einen Käufer zu finden“.

Wie diese Zeitung erfuhr, soll sich RWE einen Verkaufspreis von etwas über 120 Millionen Euro vorstellen. Eine Sprecherin sagte dazu nur: „Das kommentieren wir grundsätzlich nicht.“ Den Bau der architektonisch preisgekrönten Firmenzentrale vor fast 20 Jahren hatte sich der Konzern 300 Millionen D-Mark kosten lassen. Neben dem markanten, 127 Meter hohen Turm gehören vier weitere Gebäude in der Gutenbergstraße 3, Rellinghauser Straße 27, 31 und 37 zum Verkaufsportfolio.

Das höchste Gebäude in Nordrhein-Westfalen

Außer dass der hochverschuldete Energieriese durch den Verkauf der Immobilien schnell an liquide Mittel kommen könnte, will sich RWE mit dem Verkauf-und-Mietmodell Flexibilität sichern. Der Personalabbau ist im Gange und niemand weiß, wie der Konzern durch die Verwerfungen der Energiewende in einigen Jahren dasteht – und mit wie viel Personal. Und: RWE hat an der Altenessener Straße, da wo die Wurzeln des Konzerns liegen, noch eigene Flächen.

1991 schreibt RWE einen internationalen Architekturwettbewerb aus: Der Konzern sucht ein neues Zuhause für seine Hauptverwaltung. Den Wettbewerb gewinnt ein Entwurf des Düsseldorfer Architektenbüros Ingenhoven, Overdiek, Kahlen & Partner. Der Bau wird realisiert, am 14. März 1997 ist Einzug. Mit 162 Metern Höhe (inklusive Antenne) ist es das höchste Gebäude Nordrhein-Westfalens. Das neue Hauptgebäude der RWE gilt auch als das erste ökologische Hochhaus der Welt.

 
 

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