Essener Radiologe bestreitet Pfusch bei Mammografien

Frank Stenglein
Auf dieser Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-Mammografie von 2007 ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen.
Auf dieser Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-Mammografie von 2007 ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen.
Foto: dpa
Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll der Essener Arzt Dr. K. über Jahre das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die drei Städte Essen, Mülheim und Oberhausen "ohne eine erforderliche Qualifikation" geleitet haben. K. weist die Vorwürfe gegenüber der WAZ zurück. Es handele sich um eine Intrige.

Essen. Gegen einen Essener Radiologen werden schwere Vorwürfe erhoben. Der Mediziner soll nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) verantwortlich sein für Pfusch bei Mammografien. Gemeinsame Recherchen von SZ, WDR und NDR hätten ergeben, dass Dr. K. das Brustkrebsvorsorge-Programm offenbar „jahrelang ohne erforderliche Qualifikation geleitet“ hat. Die Besorgnis erregende Schlussfolgerung: „Es könnte zu schweren Fehlern gekommen sein“. K. weist die Vorwürfe gegenüber der WAZ zurück. Es handele sich um eine Intrige.

Der Arzt vom Diavero Brustdiagnosezentrum Essen soll nach den Recherchen der SZ im Ruhrgebiet "jahrelang fehlerhafte Untersuchungen zur Brustkrebsvorsorge durchgeführt" haben. Die Zeitung schildert den Fall einer Patientin, die im Juni 2013 zu einem Mammografie-Screenings in das Zentrum gekommen war. Zwei Tage später soll sie diese Mitteilung der Ärzte mit der Post erhalten haben: "Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass bei Ihrer Mammografie keinerlei Auffälligkeiten festgestellt wurden. Die Begutachtung ist durch zwei qualifizierte Ärzte erfolgt." Am 17. Dezember allerdings sei ein vier Zentimeter großes Karzinom in der linken Brust und ein vergrößerter Lymphknoten diagnostiziert worden.

"Ich bin Opfer einer Intrige mit wirtschaftlichem Hintergrund"

Der beschuldigte Arzt, in Essen bekannt und auch politisch aktiv, weist die Vorwürfe gegenüber der Essener WAZ zurück. "Ich bin Opfer einer üblen Schlammschlacht und Intrige mit wirtschaftlichem Hintergrund", so Dr. K.. Der Markt für Brustkrebsfälle sei sehr lukrativ, es gehe darum, ihn zu diskreditieren und vom Markt zu verdrängen. K. deutete an, dabei spiele ein Essener Krankenhaus mit Wachstumsbestrebungen eine entscheidende Rolle.

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung soll der Arzt über Jahre das Brustkrebs-Vorsorgeprogramm für die Region Essen/Mülheim/Oberhausen geleitet haben. Offenbar habe der Verantwortliche für das Mammografie-Screening in den drei Ruhrgebietsstädten „wiederholt nicht geforderte Anzahl Biopsien“ nachweisen können. Eine Biopsie ist die Entnahme und Untersuchung von Gewebeproben.

Dem Bericht zufolge habe das Referenzzentrum Münster die mutmaßlich fehlende Qualifikation des Arztes mehrfach bemängelt. K. bestätigt gegenüber der WAZ diesen Konflikt, der seit Jahren auch juristisch ausgetragen werde. Er habe eine andere Interpretation dessen, was die geforderte Zahl von Biopsien angehe. "Der Vorwurf, ich sei nicht qualifiziert, ist jedenfalls schlicht absurd", so K.. Er verfüge über beste Referenzen, etwa des Essener Uniklinikums und werde seit Jahren wissenschaftlich begleitet. Die Süddeutsche Zeitung schreibt hingegen, auch Ärzte aus Essen, Mülheim und Oberhausen hätten auf dieses Defizit und auf mögliche Fehldiagnosen des Arztes hingewiesen. Voraussetzung für die Leitung einer so genannten Screening-Einheit sei der jährliche Nachweis von mindestens 50 solcher Biopsien.