Essener Polizei will Autos an Bushaltestellen blitzen

Stauderstraße, Haltestelle Stankeitstraße: Drei Kinder verunglückten zwischen 2010 und 2012. Deshalb das angeschaltete Bus-Warnblinklicht.
Stauderstraße, Haltestelle Stankeitstraße: Drei Kinder verunglückten zwischen 2010 und 2012. Deshalb das angeschaltete Bus-Warnblinklicht.
Foto: Kerstin Kokoska
Viele Autofahrer missachten die Vorsichtsregeln an Bus-Haltestellen. Um Kinder zu schützen, kündigt die Essener Polizei Schwerpunktkontrollen an.

Essen.. Der Bericht der Polizei in der Sitzung der städtischen Kinderunfall-Kommission ist alarmierend. Viele Autofahrer missachten aus Unkenntnis die Vorsichtsregeln an Bus-Haltestellen, wo ein erhöhtes Kollisionsrisiko mit Fahrgästen besteht, die die Straße queren. Gerade Schulkinder gelten als gefährdet. Alle Beteiligten vom Präsidium, der Verkehrsgellschaft und der Stadt sind sich einig. „Wir müssen handeln, bevor etwas passiert“, betont Evag-Sprecher Olaf Frei. Das Präsidium kündigt jetzt für die nächsten Wochen Schwerpunktkontrollen und eine Aufklärungskampagne an.

Es ist ein kleines rotes Dreieck auf dem Bus-Halteschild. Eine Art Warndreieck. Das signalisiert dem heranfahrenden Busfahrer: Achtung, gefährliche Haltestelle! Der Busfahrer schaltet noch vor der Haltestelle das Warnblinklicht an. In diesem Moment dürfen die anderen Verkehrsteilnehmer aus beiden Richtungen nicht mehr überholen und nur noch mit Schrittgeschwindigkeit (4-7 km/h) fahren. Wenn der Bus steht, dürfen Autofahrer nur dann mit ausreichend großem Abstand an ihm vorbeifahren, wenn eine Gefährdung beziehungsweise Behinderung der Fahrgäste ausgeschlossen ist.

In der Stadt Essen sind 33 Evag-Stopps als „gefährliche Haltestellen“ deklariert, für sie gelten verschärfte Regeln. Das Problem nur ist: „Ein Großteil der Autofahrer kennt diese Bestimmung nicht“, gibt Polizeisprecher Marco Ueberbach zu bedenken. Das hat eine einwöchige Kontrollaktion der Polizei ergeben, bei der Dutzende Verstöße festgestellt wurden. Und die meisten Ertappten erklärten den Beamten sinngemäß: „Das wusste ich nicht.“ Genauer gesagt: Vom Paragrafen 20 der Straßenverkehrsordnung (Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse), der bis ins Detail das Verhalten an solch riskanten Haltestellen vorgibt, haben sie noch nichts gehört.

"Wir müssen an die Öffentlichkeit gehen"

Dabei zählt dies zum Bestandteil des Unterrichtsprogrammes für Führerscheinbewerber. Gut für die Jüngeren. Doch gefährdete Haltestellen sind erst seit dem 1. August 1995 durch diesen Paragrafen sozusagen unter Schutz gestellt worden – hier zuletzt 2013 die Haltestelle Stankeitstraße in Altenessen, wo in nur zwei Jahren drei Kinder verunglückt waren.

Viele Autofahrer, die früher einen Führerschein erworben haben, wissen wenig, manche gar nichts über die Änderungen der Straßenverkehrsordnung. „Wenn Sie nachfragen würden, würden Sie verblüffende Antworten bekommen“, prognostiziert Dieter Schmitz von der Kinderunfall-Kommission. Deshalb: „Wir werden mehr informieren“, so Polizeisprecher Ueberbach. Und das vor Ort.

Wir müssen an die Öffentlichkeit gehen, und wir müssen die Autofahrer sensibiliseren.“ Mit diesen Worten kündigte Marco Ueberbach die Kontrollkampagne an Essens Haltestellen an, die von der Straßenverkehrsbehörde als gefährlich eingestuft werden. Dass dort das Warnblinklicht der Busse immer wieder missachtet wird, darüber berichten inzwischen auch betroffene Busfahrer. Die Polizei will in den nächsten Wochen in einem ersten Schritt die Autofahrer an den Haltestellen vor allem informieren. In einem zweiten Schritt aber werden Verstöße ohne Pardon geahndet. Und die Strafen sind deftig: Schon bei Tempo 41 ist der Führerschein weg.

160 Euro Bußgeld und Führerscheinentzug

Das passiert dann, wenn der Autofahrer 31 Stundenkilometer und schneller in Höhe einer „gefährlichen Haltestelle“ fährt, wo ein Bus mit eingeschaltetem Warnblinklicht zu sehen ist. Erfasst das Messgerät der Polizei 41 km/h, werden maximal 7 km/h erlaubte Schrittgeschwindigkeit abgezogen – sowie ein Toleranzwert von drei km/h. Macht immer noch 31 Stundenkilometer zu schnell. Und das bedeutet Führerscheinentzug für vier Wochen, zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 160 Euro Bußgeld.

Was den Autofahrern bei Verstößen an gefährlichen Haltestellen droht, sei vielen nicht klar, erzählt der Polizeisprecher. Wer nur 21 km/h zu schnell ist, muss bereits 80 Euro zahlen und erhält einen Sünder-Punkt in Flensburg. Wer überholt, obwohl der Busfahrer das Warnblinklicht eingeschaltet hat, für den gibt es einen Punkt und zusätzlich ein 60 Euro-Knöllchen.

Das sind nur einige wesentliche Beispiele. Die Strafen fallen bei höheren Geschwindigkeiten oder gleichzeitig mehreren festgestellten Verstößen noch deutlich härter aus.

Auch darauf werden die Autofahrer im Rahmen der Kampagne hingewiesen. Vorrangig geht es aber schlicht um Gefahrenabwehr: „Wir wollen unbedingt verhindern, dass es an diesen Haltestellen zu Unfällen kommt“, unterstreicht Marco Ueberbach. „Dort ist höchste Vorsicht geboten.“

 
 

EURE FAVORITEN