Essener Politiker stellen sich Wahlkampf im Klassenzimmer

Von Dominika Sagan
Speed Dating mit Politikern in der Gesamtschule Süd: Andreas Hellmann (FDP) erklärte unter anderem seine Ablehnung einer Sekundarschule Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
Speed Dating mit Politikern in der Gesamtschule Süd: Andreas Hellmann (FDP) erklärte unter anderem seine Ablehnung einer Sekundarschule Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
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An der Gesamtschule Süd stellten sich Politiker der SPD, FDP, Grünen, Die Linke und Piraten beim Speed-Dating den Erstwählern. Die stellten vor allem Fragen rund um die Bildung, etwa zu Themen wie Sekundarschule und Studiengebühren.

Essen. Wie stehen die Sozialdemokraten zur Minderheitsregierung? Warum wollen die Liberalen keine Sekundarschule? Und wie wollen die Linken eigentlich das Bafög neu strukturieren? Das sind einige Themen, die die Zwölftklässler der Gesamtschule Süd kurz vor der Landtagswahl bewegen. Statt Politikunterricht gab es für rund 100 Schüler jetzt Politiker im Unterricht: Beim Speed-Dating stellten sich Vertreter der SPD, FDP, Grünen, Die Linke und Piraten den jungen Wählern.

Karim Abouzead (20) wählt sowieso die SPD, weil deren Politik ihn anspreche. Er findet es gut, dass sie die Studiengebühren abgeschafft haben. „Ich möchte Hotelmanagement studieren“, sagt der Schüler, den aber auch der Grüne Besuch, Mehrdad Mostofizadeh, wegen der Einstellung zu erneuerbaren Energien überzeugt habe. „Die Piraten“, findet der 20-Jährige, „haben zwar positive Vorschläge. Aber mir wird nicht klar, wie sie die umsetzen wollen.“

Mehrdad Mostofizadeh schließt Ampel aus

Es sei eine Partei, die noch keinen richtigen Plan vorstellen könne, findet auch Kubilay Katalilar. Er wird ebenfalls die SPD wählen: „Weil schon meine Eltern sie gewählt haben und weil sie die Studiengebühren abgeschafft haben“, sind zwei Gründe für den 18-Jährigen, der nach dem Abi Psychologie studieren will. Warum einer seiner Mitschüler (18) sich wohl für die SPD entscheiden wird: „Nicht weil ich sie am besten finde, sondern weil ich mit den anderen Parteien noch weniger anfangen kann.“ Und die SPD wolle nun auf jeden Fall die Mehrheit, antwortet Sozialdemokrat Frank Müller auf die Frage nach der Minderheitsregierung. Sein Koalitionspartner Mehrdad Mostofizadeh (Grüne) schließt vor allem eine Ampel aus.

Was die Schüler natürlich besonders interessiert ist das Thema Bildung. Sie haken hartnäckig nach, wollen nicht nur Pläne, sondern auch deren Machbarkeit in puncto Finanzen wissen. Vor allem die männlichen Jungwähler preschen vor. Wie sie das Bafög verändern will, fragt Marius Belina die Linken-Politikerin Janina Herff (28). „Es sollte nicht zurückgezahlt werden müssen“, antwortet sie, die im schwarzen Pulli mit roten Chucks vor der Klasse sitzt, mit verändertem Steuerkonzept argumentiert und die Reicheren zur Kasse bitten will. Viele Schüler können ihren Argumenten folgen (Herff: „Wenn kein Geld für Bildung da ist, woher kommt das Geld für die Banken?“).

Politiker in Jeans und Turnschuhen

Die Politiker tragen an diesem Morgen fast alle Jeans und Turnschuhe. Im Sakko kippelt Pirat Carsten Knorr (Fachgebiet Tierschutz) auf dem Stuhl, gibt locker bis lässig „seinen Senf zum Thema Bildung“, der unter anderem aus der Schließung von Haupt- und Realschulen besteht und Förderschulen mit höchstens 15 Prozent aller Schüler.

Davon hält Jan Singer nichts: „Ich glaube, dass eine Differenzierung der Schulformen höhere Qualität des Unterrichts bringt“. Daher tendiert der 18-Jährige zur FDP, deren liberalen Ansätze ihm zusagen. Beim Raucherschutz etwa, den sie in der Freizeit, also in Kneipen, nicht erzwingen wolle. Auch Mike Rößner wird sein Kreuz wohl bei einer etablierten Partei setzen, auch wenn der 18-Jährige die Kleinen interessant fand. Bei Marius Belina bleiben die Piraten auf Platz eins, gefolgt von den Linken. Andreas Hellmann (FDP) hat ihn nicht überzeugt. Dafür hätte der klarer seine Ansichten darstellen sollen, statt die der anderen schlecht zu machen, sagt der 17-Jährige, der allerdings noch zu jung zum Wählen ist.