Essener Mütter kämpfen für das Recht auf Hebammen

Lisa Matla (li.) und Sophie Pietsch.
Lisa Matla (li.) und Sophie Pietsch.
Foto: WAZ
Junge Essener Mütter haben den Verein „Mother Hood“ gegründet und wollen Druck machen, damit der Beruf der Geburtshelferin eine Zukunft hat.

Essen.. Sophie Pietsch (27) wurde vor eineinhalb Jahren Mutter. Dass ihr Sohn in den eigenen vier Wänden zur Welt kam, war sehr spontan. „Es ging so schnell“, berichtet die junge Frau. Sie hatte Glück, eine Hebamme stand ihr zur Seite und sie konnte sich sicher und in guten Händen fühlen. „Doch eine so glückliche Geburt wird bald vielleicht zum Luxus“, erklärt Pietsch. Viele Hebammen können es sich wegen der steigenden Haftpflichtversicherungsbeiträge nicht mehr leisten, in ihrem Beruf zu praktizieren. „Das wollen wir verhindern“ und darum ist Sophie Pietsch im Verein „Mother Hood“ („Mutterschaft“) aktiv, der sich am 22. März im Rüttenscheider Beginenhof gegründet hat.

Der Verein setzt sich für die bessere Versorgung von Müttern und Kindern in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt ein. Zu den Zielen der Organisation gehören unter anderem die Festschreibung des Recht auf freie Wahl des Geburtsortes und die Einrichtung eines Haftungsfonds für alle Gesundheitsberufe. Es dürfe einfach nicht passieren, dass Hebammen, die ihren Beruf häufig sehr engagiert ausüben, diesen aus Gründen des fehlenden Versicherungsschutzes aufgeben müssten, beklagt die junge Mutter. Dabei sei es so wichtig, dass Frauen sich während der Geburt sicher fühlen und kompetent betreut werden. „Als Sprachrohr der völlig normalen Elternschaft führt der Verein Gespräche mit Politikern, Ärzten und Krankenkassen“, berichtet sie.

Auch Lisa Matla (21) engagiert sich, neben ihrer Ausbildung bei Thyssen-Krupp, im Mother Hood e.V. und weiß, dass man sich heutzutage sehr frühzeitig um eine Hebamme bemühen muss. Die Geburt ihrer Tochter lief weit weniger entspannt als bei Sophie Pietsch und dauerte zwei Tage. Zwischen mehrfachen Schichtwechseln im Krankenhaus fühlte sie sich häufig allein gelassen und war froh, ihren Mann an ihrer Seite zu wissen, der sich für sie stark machte.

Im besten Fall sollte eine Hebamme diese Aufgabe übernehmen, die ihre Patientin im Laufe der Schwangerschaft kennenlernt und über ihre Wünsche Bescheid weiß. „Im normalen Klinikalltag wird es jedoch zum Glücksspiel, ob eine Eins-zu-Eins-Begleitung im Wirtschaftsunternehmen Krankenhaus zum Zeitpunkt der Geburt möglich ist“, meint Pietsch.

Aktionen zum Hebammentag 5. Mai

Weitere Handlungsfelder, in denen der Verein aktiv werden möchte, sind die Förderung und die Arbeit an wissenschaftlichen Publikationen, die die gestellten Forderungen untermauern, sowie die Organisation von Kongressen, Tagungen und Konferenzen. Für den Internationalen Hebammentag, am 5. Mai, plant Mother Hood gemeinsam mit deutschlandweit regional tätigen Ortsgruppen verschiedene Veranstaltungen und Aktionen, auch in Essen.

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