Essener Linke streiten ums Soziale

Im Lager-Kampf der Essener Linken werden die Fraktionsgeschäftsstellen-Mitarbeiter instrumentalisiert. Im Netzwerk Facebook hat Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jörg Bütefür den vom ihm herzlich gehassten Ratsherrn Wolfgang Freye den Vorwurf gemacht, er verhalte sich unsozial und doppelzüngig.

Die schrecklich nette Fraktion hat wieder Streit - untereinander, wie so oft. Im Netzwerk Facebook hat Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jörg Bütefür den vom ihm herzlich gehassten Ratsherrn Wolfgang Freye einen Vorwurf gemacht, der unter Linken eine besondere Qualität besitzt. Freye, so Bütefür, verhalte sich unsozial und doppelzüngig, weil er sich zwar als Betriebsrat bei Widia für die Belange der Belegschaft einsetze, umso kaltherziger aber nun die Angestellten der Fraktionsgeschäftstelle an die frische Luft setze, nur weil ihm deren bisherige Loyalitäten gegen den Strich gingen.

Dazu muss man wissen, dass die Essener Linken seit Jahren in zwei verfeindete Lager getrennt sind, und dass das über Jahre unterlegene dogmatisch-altsozialistische Lager - angeführt von Freye und seiner Ehefrau Gabriele Giesecke - jüngst beim entscheidenden Kandidatenparteitag die Oberhand gewann gegenüber dem links-libertären Lager des bisherigen Fraktionschefs Hans Peter Leymann-Kurtz. Bütefür, politisch natürlich nah bei Leymann-Kurtz, hat bereits erklärt, nicht für eine Weiterbeschäftigung zur Verfügung zu stehen, findet es aber unnötig, nun auch Bürokraft, Referentin und womöglich sogar die Putzhilfe auszuwechseln.

Wolfgang Freye weist den Vorwurf der sozialen Kaltherzigkeit zurück. „Alle Arbeitsverträge in der Fraktionsgeschäftsstelle sind - wie bei allen anderen Ratsfraktionen auch - an die Dauer der Ratsperiode gekoppelt und enden am 31. Mai.“ Selbst wenn er wollte, dürfe er gar nicht pauschal verlängern, „denn wir wissen ja gar nicht, wieviel Leute wir nach der Wahl beschäftigen können“. Das hänge nun mal vom Wahlergebnis ab. Dass er und die Seinen mit der Arbeit der Fraktionsgeschäftsstelle unzufrieden waren, dem würde Freye nicht widersprechen. Er habe dort wenig Unterstützung bekommen. Dennoch sei „nicht ausgeschlossen“, dass die jetzigen Mitarbeiter auch unter den neuen Bedingungen eine Zukunft hätten.

Nur bei Bütefür darf man das ausschließen. Wenn er nicht von sich aus Lebewohl gesagt hätte, wäre es ihm wohl ergangen wie seinem Vorgänger, der von Leymann-Kurtz und Co. seinerzeit kühl in die Wüste geschickt wurde - unter scharfen Protest von Freye. Unsozial sind bei den Linken eben immer die anderen.

 
 

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