Essener Linke nehmen Schlagabtausch wörtlich

Wo es hier nach eitel Sonnenschein aussieht, brodelt es schon lange unter der Oberfläche: Die Linken-Ratsfraktion mit Gabriele Giesecke, Hans-Peter Leymann-Kurtz, Wolfgang Freye, Janina Herff und  Claudia Jetter (v.l.).
Wo es hier nach eitel Sonnenschein aussieht, brodelt es schon lange unter der Oberfläche: Die Linken-Ratsfraktion mit Gabriele Giesecke, Hans-Peter Leymann-Kurtz, Wolfgang Freye, Janina Herff und Claudia Jetter (v.l.).
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Innerhalb der Essener Linke eskaliert der interne Streit: So sprang Ratsherr Wolfgang Freye (56) während einer Arbeitsgruppen-Tagung auf und ging dem Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Leymann-Kurtz an die Gurgel.

Bei ihnen wurde schon immer viel „gekämpft“: Ob für die sozial Schwachen oder gegen die nukleare Energiegewinnung, ob für ein Kombibad oder gegen die Messe-Erweiterung so hoppla-hopp – verbal mögen es die Linken allen pazifistischen Grundeinstellungen zum Trotz seit je her gern martialisch. Jetzt aber hat sich erwiesen, dass linke Schlagkraft sich keineswegs nur in grauer Theorie erschöpfen muss: Ein beherzter Griff zur Gurgel des Gegenübers, ein wuchtiger Fausthieb als Antwort – bei den Linken gibt es neuerdings Haue.

Termin beim Schiedsmann

Und das an vorderster Ratsfront: Am 10. März, so wissen Teilnehmer zu berichten, tagte eine Arbeitsgruppe zum Thema Messe, streifte aber auch die Bäderdebatte und kam zu dem Punkt, der die Partei seit langem umtreibt: dem heftigen Streit innerhalb der fünfköpfigen Ratsfraktion, der Frage, wer wann wie und wo für die Partei oder die Ratsfraktion sprechen darf.

Ein Wort gab das andere, es wurde, so heißt es, laut, und plötzlich sprang Ratsherr Wolfgang Freye (56) auf und ging dem Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Leymann-Kurtz an die Gurgel. Oder halt, fasste er ihn nur sanft ans Kinn, als so eine Art körperlicher Manifestation, er solle doch verdammt noch mal den Mund halten? Fest steht: Der so angegriff..., nein: der so angefasste fackelte nicht lange, holte aus und verpasste seinem Ratskollegen einen Fausthieb. Mit links, versteht sich.

Ein Linker gegen die Spaltung der Stadt
Ein Linker gegen die Spaltung der Stadt
Stefan Kober

Ein Befreiungsschlag? Oder die Handlung eines Aggressors? Beide beschuldigen sich gegenseitig und fest steht nur so viel: Dass sich die Linken nun auch körperlich auseinandersetzen ist der peinliche Höhepunkt eines internen Streits, der das Rats-Quintett seit der Kommunalwahl lähmt: hier Leymann-Kurtz, Claudia Jetter, Janina Herff, dort Wolfgang Freye und seine Frau Gabriele Giesecke. Irgendwie links alle fünf, aber nach dem Zerrüttungsprinzip längst geschiedene Leute, wären sie nicht parteilich aneinander gekettet.

Wie lange noch, das ist die Frage: Freye hat einen Schiedsmann eingeschaltet, Leymann-Kurtz in der Fraktion offenbar fürs erste ein Teilnahme-Verbot für Freye durchgesetzt, ein Parteiausschluss-Verfahren steht in Rede, der Landesvorstand ist eingeschaltet. Derweil schreiben jene, die dabeigewesen sind Gedächtnisprotokolle, und es nimmt nicht Wunder , dass diese sich dem Vernehmen nach in einigen Passagen unterscheiden. Lagerdenken, auch hier?

Kein Beifall untereinander

Jedenfalls fiel dem geneigten Betrachter im Ratssaal auf, dass trotz guter Redebeiträge Linke nicht unbedingt für Linke klatschen, und Leymann-Kurtz mit Freye nicht sprach. Man hat sich aber auch nicht geschlagen. Immerhin.