Essener Libanesen sollen laut Anklage Geschäftspartner verprügelt haben

Stefan Wette
Vor Gericht stehen in Essen vier verwandte Männer und zwei Jugendliche, die einen Geschäftsmann brutal auf offener Straße zusammengeschlagen haben sollen.
Vor Gericht stehen in Essen vier verwandte Männer und zwei Jugendliche, die einen Geschäftsmann brutal auf offener Straße zusammengeschlagen haben sollen.
Foto: WAZ FotoPool
Immer wieder meldet die Polizei Massenschlägereien von libanesischen Familien auf offener Straße. Seit Donnerstag wird einer dieser Fälle vor Gericht verhandelt. Stimmt die Anklage, handelte es sich um einen feigen Überfall auf einen einzelnen Geschäftspartner.

Essen. Es sollte um die Rückzahlung eines Darlehens über 67.000 Euro gehen. Als der Landsmann aus London sich weigerte, das Geld zu geben, sollen ihn vier Essener Verwandte unter einem Vorwand aus seiner Wohnung im Stadtteil Katernberg gelockt und auf offener Straße übel malträtiert haben. Passanten riefen schließlich die Polizei.

Dem reichen Londoner gehörte eine Handelsfirma in Essen, als Geschäftsführer setzte er seinen Bruder Laith F. (37) ein, der sich jetzt als einer von vier Angeklagten vor der XVII. Essener Strafkammer verantworten muss. Im Frühjahr 2013 kam der Londoner nach Essen. Es gab Ärger um ein Darlehen, das angeblich ein Geschäftspartner der Firma gewährt hatte. Doch der Londoner glaubte eher, dass sein Bruder sich den Kredit nur ausgedacht hätte, um ihn zu schädigen. Er weigerte sich zu zahlen.

Dadurch soll er Probleme bekommen haben. Am 30. April erschien er bei der Polizei und zeigte eine Bedrohung an. Einen Tag später kam er wieder. Ein anonymer Anrufer habe ihm angedroht, ihn „in einen Keller zu stecken, bis er bezahlt hätte“. Wiederum einen Tag später kam es an der Straße Schonnebeckhöfe in Katernberg zu dem blutigen Überfall, den die Anklage juristisch als Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung einordnet.

Mit Stuhlbein und Eisenstange

Angreifer sollen vier Männer der mit Laith F. befreundeten Familie A.-Z. gewesen sein. Erst mit Fäusten, dann mit Stuhlbein und Eisenstange sollen sie laut Anklage gemeinsam mit zwei weiteren Männern auf den Londoner Geschäftsmann eingeschlagen haben. Als er blutüberströmt am Boden lag, sollen sie ihn in ein Auto gezerrt und dort mit einem Messer bedroht haben. Sie hätten ihm gesagt, sie wollten ihn in einen Folterkeller bringen, wo er ein notarielles Anerkenntnis bezahlen solle, heißt es sinngemäß in der Anklage.

Passanten ist es zu verdanken, dass die Polizei schnell eingriff. Ein Autofahrer hatte gestoppt und per Handy die Wache angerufen. Zuvor hatte er einen jungen Mann aus der Gruppe gefragt, ob er anrufen solle. Der habe gesagt, das sei unnötig. „Das ist ein Verrückter und Vergewaltiger, der hier herum läuft“, hätte der junge Mann gesagt. Der Autofahrer ließ sich davon nicht von seinem Anruf abhalten. Auch eine Frau hatte die Auseinandersetzung beobachtet, versuchte einen der Prügler wegzuziehen. Doch der Mann bedrohte sie sofort. Sie bekäme „auch noch eine“, wenn sie nicht verschwinde.

Zwei Angeklagte vor dem Jugendgericht

Zwei weitere Angeklagte müssen sich ebenfalls seit Donnerstag vor der Jugendstrafkammer für diese Tat verantworten. Während die vier 31- bis 45 Jahre alten Angeklagten vor dem Erwachsenengericht nur etwas zu ihrem Lebenslauf erzählen, lassen sich die Heranwachsenden, 20 und 21 Jahre alt, zur Sache ein. Schläge und Tritte räumen sie ein. Sie hätten gedacht, dass es um die Strafe für das schlechte Verhalten des Mannes in der Familie gegangen sei. Von einem Folterkeller wüssten sie nichts.

Im Hintergrund gibt es seit einigen Wochen bereits libanesisch-interne Verhandlungen über ein Schmerzensgeld. Zu hören ist von 150.000 Euro, die das Opfer bekommen soll. Aber noch ist wohl nichts besiegelt. Der Londoner Geschäftsmann befindet sich im Zeugenschutzprogramm der Polizei und soll in der nächsten Woche vernommen werden.