Essener Kliniken fordern mehr Geld vom Land

Das Elisabeth-Krankenhaus der Contilia-Gruppe in Huttrop.
Das Elisabeth-Krankenhaus der Contilia-Gruppe in Huttrop.
Foto: WAZ FotoPool
Die Essener Krankenhäuser haben in einer Studie einen Investitionsstau von 530 Millionen Euro vermeldet. Bedarf drei Mal so hoch wie aktuelle Förderung.

Essen. Die Essener Krankenhäuser fordern mehr Geld vom Land Nordrhein-Westfalen. In einer Studie der Krankenhausgesellschaft NRW haben elf Kliniken der Stadt einen Investitionsstau von über 530 Millionen Euro vermeldet. „Es muss sich etwas tun“, fordert nicht nur Horst Defren, Geschäftsführer der Kliniken Essen-Mitte, zu denen unter anderem das Huyssensstift gehört.

Erst vor zehn Tagen wurde gemeldet, dass das Uniklinikum Essen bis 2020 etwa 300 Millionen Euro vom Land NRW erhält. Jetzt ist plötzlich der Investitionsstau das Thema. Dazu muss man wissen: Das Uniklinikum Essen befindet sich, wie fünf andere Unikliniken, in der öffentlichen Trägerschaft des Landes. Die meisten anderen Essener Krankenhäuser sind in freigemeinnütziger Trägerschaft durch kirchliche Träger (Katholisches Klinikum, Contilia-Gruppe, Kliniken Essen-Mitte) oder einer Stiftung (Krupp-Kliniken). Sie finanzieren den laufenden Betrieb über Kostenträger. Bei Investitionen, wie Neu- und Umbauten, werden sie vom Land unterstützt.

"Die Finanzierung ist unzureichend"

500 Millionen Euro waren das 2014, von denen Teile auch an Kliniken mit privaten Trägern fließen, die ihre 15-Prozent-Renditen an Anteilseigner auszahlen und dem Sozialsystem entziehen. Drei Mal so hoch ist der Bedarf an Investitionen, fordert nicht nur die Krankenhausgesellschaft NRW. Dieses 1:3-Prinzip passt zu Essen: 2014 standen 19,2 Millionen Euro für die Krankenhäuser der Stadt bereit. Die Kliniken, die an der Studie teilnehmen, meldeten einen Bedarf von fast 60 Millionen Euro. „Die Finanzierung ist unzureichend“, kritisiert Jane E. Splett, kaufmännische Direktorin des LVR-Klinikum Essen. „Wir brauchen vom Land die Fördermittel zur Schließung unserer Förderlücke.“

Auch das Katholische Klinikum (u.a. Marienhospital) und die Contilia-Gruppe (u.a. Elisabeth-Krankehaus) unterstützen die Forderungen der Krankenhausgesellschaft NRW. „Nicht zuletzt, um die Politik auf den in Zukunft höheren Förderbedarf der Krankenhäuser in Essen aufmerksam zu machen“, sagen Manfred Sunderhaus, Geschäftsführer des Katholischen Klinikums und Dirk Albrecht, Sprecher der Contilia-Geschäftsführung, in katholischer Eintracht. Sie haben im Rahmen der Studie, wie die Ruhrlandklinik und das St. Josef-Krankenhaus (beide Uniklinik-Töchter), Investitionsstau in Millionenhöhe geltend gemacht.

Bei den Kliniken Essen-Mitte ist laut Geschäftsführer Horst Defren mittlerweile ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag zusammengekommen. „Mit den 1,3 Millionen Euro im Jahr vom Land kommen wir nicht so weit“, sagt Defren und blickt auf Bundesländer im Süden: „Dort erhalten Krankenhäuser erheblich mehr Geld als wir. Hier fließen 300 Millionen Euro an das Uniklinikum. Wo bleiben wir da?“

Defrens Kliniken Essen-Mitte haben, wie die meisten anderen Essener Krankenhäuser, reagiert. Sie setzen erwirtschaftete Eigenmittel für Investitionen ein. Oder werden auf dem Kapitalmarkt aktiv. „Die aktuelle Zinslage eröffnet uns zum Glück einige Möglichkeiten“, sagt Horst Defren.

 
 

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