Essen

Merkel trifft Milchbäuerin – was bringen Politiker-Termine? Kassiererin Maurike Maaßen aus Essen hat eine klare Meinung

Maurike Maaßen, Kassiererin aus Essen, hat Erfahrung mit Spitzenpolitikerin. Sie weiß genau, was sie Angela Merkel bei einem Treffen sagen würde.
Maurike Maaßen, Kassiererin aus Essen, hat Erfahrung mit Spitzenpolitikerin. Sie weiß genau, was sie Angela Merkel bei einem Treffen sagen würde.
Foto: Peter Sieben

Essen. Maurike Maaßen hat vor zweieinhalb Jahren für mächtigen Wirbel gesorgt. In der Talksendung „Anne Will“ bewies die Netto-Kassiererin gegenüber Kanzlerkandidat Martin Schulz Biss, Willen und Fachkenntnis. Sie überredete Schulz zu einem Treffen in Essen, um ihn davon zu überzeugen, dass den Supermarkt-Mitarbeiterinnen ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag zusteht.

Nun trifft sich am Donnerstag die Landwirtin Ursula Trede, Milchbäuerin aus Schleswig-Holstein, mit Angela Merkel. Auch sie setzt sich für mehr soziale Gerechtigkeit ein: Sollten die Milchpreise nicht steigen, sei die Existenz der kleinen Milchbauern gefährdet.

Wir haben vorab mit Maurike Maaßen über den Sinn oder Unsinn solcher Treffen mit Spitzenpolitikern gesprochen.

Frau Maaßen, was würden Sie Angela Merkel sagen, wenn Sie sie treffen würden?

Ich würde Frau Merkel fragen, wo ihr gutes Gewissen geblieben ist. Ihre jetzige Politik hat mit sozial nichts mehr zu tun. Vor allem die Absprachen, die sie mit der CSU gemacht hat, haben nichts mit dem zu tun, was sie versprochen hat.

Sie haben sich 2017 mit Martin Schulz getroffen. Hat das Gespräch Ihre Erwartungen erfüllt?

Martin Schulz hat sein Versprechen aus der Sendung bei Anne Will gehalten und ist nach Essen gekommen. Allerdings erst, als ich nachgehakt habe. Bei der Sitzung mit weiteren Verkäuferinnen hat er versprochen, sich für die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge einzusetzen.

Nach der Wahlniederlage hat er seinen Rücktritt angetreten, kein Mensch hört nun mehr etwas von ihm. Ich hatte die Hoffnung, dass er zu seinem Wort steht. Letztlich hat er getan, was die Partei wollte.

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Hat sich etwas geändert, wurden Probleme gelöst?

Es ist beim Gespräch geblieben. Anschließend hat Andrea Nahles bei einer Großveranstaltung in Düsseldorf wieder versprochen, sich für die Forderungen der Verkäuferinnen einzusetzen. Ich weiß nicht, wie die Hilfe aussehen soll, aber bis heute ist die Unterstützung ausgeblieben.

Wie bewerten Sie generell solche Treffen?

Ich würde es wieder machen! Es ist ein Chance, dass ein Politiker kapiert, wie es um uns steht. Wir wollen ja nichts Dolles, nur vernünftig leben. Solange diese Chance besteht, sollte man es versuchen.

Nur mit einem Spitzenpolitiker würde ich nicht reden: Mit Herrn Spahn. Inhaltlich würden wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das passt einfach nicht (hier mehr lesen).

Hat sich ihr Leben seit dem Treffen mit Martin Schulz verändert?

Nein. Noch nicht. Immerhin ist die schlechte Bezahlung für Verkäuferinnen weiterhin ein Thema und im Gespräch.

 
 

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