Essener Karnevalisten: „Wir brauchen keine Bürgerwehr“

An der Martinstraße will die umstrittene Initiative „Wir für Essen“ Rosenmontag in Aktion treten. Doch die Karnevalisten lehnen ihren Einsatz ab und verlassen sich lieber auf die Essener Polizei.
An der Martinstraße will die umstrittene Initiative „Wir für Essen“ Rosenmontag in Aktion treten. Doch die Karnevalisten lehnen ihren Einsatz ab und verlassen sich lieber auf die Essener Polizei.
Foto: WAZ FotoPool
  • Festkomitee: „Für Sicherheit an diesem Tag sorgt allein die Polizei“
  • Wer für Ordnung sorgen will, läuft Gefahr, am Ende selbst als Beschuldigter dazustehen
  • Die Karnevalisten werden selbst ein Heer an Ordnern aufbieten

Essen.. Die Ankündigung der selbsternannten Bürgerwehr „Wir für Essen“, erstmals am Rosenmontagszug in Aktion zu treten, ist auf breite Ablehnung gestoßen – nicht nur bei der Polizei, sondern insbesondere auch bei den Essener Karnevalisten. „Eine Bürgerwehr im Karneval ist nicht nötig“, sagt stellvertretend Thomas Spilker, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft „Fidelio“ Essen 1902, und fügt hinzu: „Fanatiker von Rechts und Links sollten sich andere Tummelwiesen für ihr Gedankengut suchen.“

Nicht wegschauen, sondern die Polizei zu Hilfe holen

Martina Thon, stellvertretende Behördenleiterin der Essener Polizei, sieht durchaus das Risiko der Unterwanderung einer Bürgerwehr durch rechte Gruppen. Denn eine solche Gruppierung komme nach den Vorfällen der Silvesternacht nun einmal mit einem „extremen Geschmäckle“ daher: „Die klare Intention ist doch, nicht für mehr Sicherheit zu sorgen, sondern bestimmte Personengruppen ins Visier zu nehmen“, ist die Leitende Kriminaldirektorin überzeugt.

Karneval Wer meine, auf eigene Faust für mehr Ordnung sorgen zu wollen, laufe Gefahr, am Ende selbst als Beschuldigter dazustehen, wenn nach Körperverletzungen oder Freiheitsberaubung konsequent Strafverfahren eingeleitet werden. Dazu könne eine falsche Beurteilung einer Situation nur allzu schnell führen. Hilfreicher für alle Beteiligten sei es, so Thon, im Rahmen der Zivilcourage nicht wegzuschauen, sondern zum Handy zu greifen und die Polizei zu Hilfe zu rufen: „Und das kann ich ohne Bürgerwehr jederzeit tun.“

Auch das Festkomitee Essener Karneval, Veranstalter des Essener Rosenmontagszuges in Rüttenscheid, lehnt das Engagement von Bürgerwehren kategorisch ab. Sein Sprecher Oliver Weiß verweist auf das mit der Polizei und der Stadt Essen detailliert abgestimmte Sicherheitskonzept. „Für Sicherheit an diesem Tag sorgt allein die Polizei, ihr gehört unser ganzes Vertrauen.“

Pro Rad ein Ordner

Schätzungsweise 70.000 Menschen strömen an Rosenmontag nach Rüttenscheid, wo der Essener Straßenkarneval traditionell seinen Höhepunkt erlebt. Festkomitee-Sprecher Oliver Weiß will sich durch die Sicherheits- und Bürgerwehr-Debatte die Freude am Karneval keinesfalls verderben lassen. „Die Menschen sollen nach Essen kommen und unbeschwert feiern, die Sicherheit ist gewährleistet.“

Die Karnevalisten werden selbst ein Heer an Ordnern aufbieten, um den närrischen Lindwurm sicher durch die Rüttenscheider Straßen zu führen. Denn für die Absicherung der Zugmaschinen, Schlepper und Anhänger gelte die Faustformel „Pro Rad ein Ordner“.

„Wir Karnevalisten werden alles dazu tun, dass die Bürger in Rüttenscheid und Kupferdreh schöne und sichere Züge erleben können“, betont auch Fidelio-Chef Thomas Spilker. „Wir wollen einen unbeschwerten Rosenmontag mit vielen lachenden und bunt kostümierten Besuchern am Rande des Karnevalsumzuges.“

EURE FAVORITEN