Essener Gitarren-Tempel hat sich etabliert

Bierverkauf, Bandbooking und natürlich auch Toiletten-Putzen: Ela und Benny Nordvall stecken all ihre Zeit in ihre „Freak Show“.
Bierverkauf, Bandbooking und natürlich auch Toiletten-Putzen: Ela und Benny Nordvall stecken all ihre Zeit in ihre „Freak Show“.
Foto: Funke Foto Services
Jenseit aller Kulturmeilen haben Ela und Benny Nordvall mit ihrer „Freak Show“ im kleinen Essen-Steele eine Rock’n’Roll-Bar aufgezogen, die mittlerweile aus dem ganzen Ruhrgebiet und darüber hinaus ihre Gäste zieht

Essen-Steele.. Drei Jahre ist es her, da startete das Ehepaar Ela und Benny Nordvall mit der Rock’n’Roll-Bar „Freak Show“ und viel Leidenschaft ein Projekt, das mittlerweile Gäste aus dem ganzen Ruhrgebiet und auch weit darüber hinaus nach Steele zieht. Zeit für die beiden, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Doch Zeit, das merkt man ziemlich schnell, wenn man Ela und Benny Nordvall in ihrem Reich hinter der unscheinbaren Tür am Grendplatz besucht, die haben sie nicht wirklich. Gerade erst haben die beiden die Schweizer Rock’n’Roll-Punks von „Bitch Queens“ nach Berlin verabschiedet, am Abend zuvor hatten sie noch den Laden vollgespielt und dann bei den Nordvalls übernachtet. Nun steht wieder der nächste Abend an, doch vorher muss geputzt werden, die Bestände müssen kontrolliert, noch ein paar News über Facebook gepostet werden und was man sonst noch alles für einen Gitarren-Laden regeln muss, wenn die Boxen einmal schweigen. „Gott sei Dank ist heute nur ein ,normaler’ Abend“, so Inhaberin Ela Nordvall.

Landesmeisterschaft im Headbangen

Viel Zeit zum Durchatmen hatte sie in den vergangenen drei Jahren nicht, auch wenn die „Freak Show“ nur mittwochs bis samstags geöffnet ist. Denn das „Ding“, das sie da zusammen mit ihrem Mann aufgezogen hat, hat sich ganz prächtig entwickelt. Steele ist in Sachen Rock’n’Roll nicht gerade der Nabel der Welt und nicht wenige haben diesem Tempel für Bier, Schweiß und Gitarrenriffs kein langes Leben vorausgesagt. Doch es kam ganz anders. Mit zahlreichen Konzerten, Veranstaltungen wie Karaokeabenden oder der Landesmeisterschaft im Headbangen und Themenpartys hat sich die „Freak Show“ in Essen und weit darüber hinaus etabliert. Internationale Szene-Größen wie „Eddie & The Hot Rods“ oder „TV Smith“ waren hier zu Gast. Und angesichts des einmaligen Ambientes, alles selbst gemacht, sucht man lange nach Vergleichbarem.

„Wir können schon sagen, dass sich unsere Erwartungen und Wünsche erfüllt haben“, stellt Ela Nordvall fest. Ihr Mann ergänzt: „Aber dafür haben wir eine Menge getan. Zurücklehnen und die Leute kommen trotzdem – das klappt nicht.“ Kaum zählbar sind die Stunden, die sie für ihre „Freak Show“ opfern, vielleicht an die 90 in der Woche. Die beiden sind ein bisschen „Kontroll-Freaks“, vom Bandbooking bis zum Flyerdesign, vom Bierverkaufen bis zum Ladenputzen, machen sie alles selbst, auch wenn es viel Zeit kostet. Ela Nordvall: „Aber wenn ich daran denke, dass die Alternative womöglich ein Job von 9 bis 17 Uhr und danach fernsehen ist, könnte ich schreien. Das ist ein extremes Leben und alles andere als langweilig.“

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