Essener Friseur soll Drogengeld gewaschen haben

An der Friedrich-Ebert-Straße betrieb Saleh M. einen Friseursalon. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich nach dem Ladenverkauf als Geldwäscher betätigt zu haben. Heute erinnert nichts mehr an den ehemaligen Besitzer. Foto: Ulrich von Born
An der Friedrich-Ebert-Straße betrieb Saleh M. einen Friseursalon. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich nach dem Ladenverkauf als Geldwäscher betätigt zu haben. Heute erinnert nichts mehr an den ehemaligen Besitzer. Foto: Ulrich von Born
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Was wir bereits wissen
Ein ehemaliger Essener Friseur soll sich als Geldwäscher betätigt haben. Insgesamt 3,3 Millionen Euro aus kolumbianischen Drogengeschäften soll der 28-Jährige gewaschen haben. Aussagen wollte er zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht nicht.

Essen.. Weil Haarewaschen nicht annähernd so lukrativ ist wie Geldwaschen, sattelte Saleh M., ein am Altendorfer Jahnplatz ansässiger Libanese, vor eineinhalb Jahren zum Schein auf den Beruf des Autohändlers um. So zumindest lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft beim Prozessauftakt am Montag vor dem Essener Landgericht. Insgesamt 3,3 Millionen Euro aus kolumbianischen Drogengeschäften soll der Essener gewaschen haben. Aussagen wollte der 28-Jährige nicht.

Aktenkundig ist dafür der Erstkontakt zu einem dänischen Geldkurier im Herbst 2010, der in Wahrheit ein verdeckter Ermittler war. Dieser hatte in Zusammenarbeit mit der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA ein Treffen mit Saleh M. auf dem Kopenhagener Flughafen organisiert. Der Ermittler übergab dem ahnungslosen Friseur eine Tasche mit 250 000 Euro. Fortan hatten die Beamten den Essener im Visier, hörten seine Telefonate ab, folgten ihm, um die Ströme der Drogengewinne über Essen und den Libanon nach Südamerika verfolgen zu können.

Von Drogengeld Gebrauchtwagen gekauft

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Folgt man der Anklage, liefen die Kurierdienste immer gleich ab: Bei Anrufen aus Beirut erhielt Saleh M. Mobilfunknummern, die rief er an und verabredete Termine zur Übergabe des Geldes. Protokolliert ist etwa ein Fall, bei dem der Essener in Amsterdam 440 000 Euro erhalten und an Autohändler weitergegeben haben soll. Von dem Geld, so die Ermittler, seien in Deutschland Gebrauchtwagen gekauft, in den Libanon verschifft und dort wieder zu Geld gemacht worden. Saleh M. habe jeweils eine Provision von 1,5 Prozent bekommen; die Ermittler gehen davon aus, dass der Essener insgesamt 75 000 Euro Provision kassiert haben soll.

Dass die Luft für ihn dünner wurde muss Saleh M. am 10. April vergangenen Jahres begriffen haben. Am deutsch-niederländischen Grenzübergang Elten fanden Ermittler bei einer Kontrolle 267 000 Euro bei ihm. Er gab an, Lastwagen kaufen zu wollen. Die Ermittler nahmen ihm - gegen Quittung - das Bargeld ab und stellten später Kokain-Spuren darauf sicher.

Für einige Monate in den Libanon abgesetzt

Saleh M. zog es vor, dem Gebrauchtwagengeschäft zumindest vorübergehend den Rücken zu kehren. Er setzte sich für einige Monate in den Libanon ab, kam erst am 1. Dezember 2011 zurück nach Deutschland, um in Essen seine Aufenthaltsgenehmigung verlängern zu lassen. Doch bereits am Düsseldorfer Flughafen setzte die Polizei ihn fest. Seither sitzt Saleh M. in Untersuchungshaft.

An der Essener Friedrich-Ebert-Straße gibt es den alten Friseur-Salon von M. noch. Doch erinnert an den ehemaligen Besitzer nichts mehr. Hatte man vor zwei Jahren noch den Eindruck eines Ghettos, so zeigt der Wandel im Quartier zwischen Limbecker Platz und Viehofer Straße - nicht zuletzt durch den Bau des Uni-Viertels - Erfolge. Die tristen Fassaden sind saniert, arabische Brautmoden wichen einem Jalousien-Fachhandel, ein Gemischtwaren-Handel machte einem Bau-Büro Platz. So scheint es, dass es in dem Viertel voran geht.

Nicht so für Saleh M. Am Mittwoch wird das Gericht einen angeklagten Mittäter aus Bottrop anhören. Der hat bereits angekündigt, er wolle aussagen. Der Verteidiger von Saleh M., Nils Holtkamp, hält den Libanesen für unschuldig. So hatte es am Montag ein Rechtsgespräch gegeben, in dem Holtkamp sein Angebot an Staatsanwaltschaft und Gericht vorgetragen haben dürfte: Geständnis gegen milde Strafe.