Essener Evag will Kunden besser über Verspätungen informieren

In zwei Minuten kommt der Zug Richtung Messe – wirklich? Auf die Informationen auf den Hinweistafeln in U-Bahnen und an stark frequentierten Haltestellen ist nicht immer Verlass. Das System ist in die Jahre gekommen- und wird durch neueste Digitaltechnik ersetzt. Die Kosten betragen 14 Millionen Euro.
In zwei Minuten kommt der Zug Richtung Messe – wirklich? Auf die Informationen auf den Hinweistafeln in U-Bahnen und an stark frequentierten Haltestellen ist nicht immer Verlass. Das System ist in die Jahre gekommen- und wird durch neueste Digitaltechnik ersetzt. Die Kosten betragen 14 Millionen Euro.
Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services
Die Essener Verkehrsgesellschaft Evag will schneller reagieren und die Kunden besser informieren, wenn der Fahrplan aus dem Takt gerät. Testfahrten in Mülheim.

Essen.. Es ist nur ein kleiner Bordcomputer im Cockpit des Fahrers, der aber schon bald den Verkehrsalltag der Bahn- und Bus-Kunden deutlich erleichtern soll. Wenn alles nun doch so klappt, wie es schon seit etlichen Jahren auf dem Wunschzettel mehrerer Verkehrsbetriebe, darunter der Essener Verkehrsgesellschaft Evag, steht.

Die schaut seit Wochen gebannt nach Mülheim. Dort sind gerade zwei Testfahrzeuge den ganzen Tag unterwegs: ein Bus und eine Bahn. Auf den ersten Blick völlig unauffällig.

Digitalfunk leitet Standort der Bahn weiter

Wäre da nicht die in der Fahrerkabine verstaute Box – ausgestattet mit neuester Technik und Software. Mit dem seit langem ersehnten Digitalfunk werden dort alle Daten über den aktuellen Standort des Fahrzeuges an einen Zentralrechner weitergeleitet und mit den Fahrplänen in Sekundenschnelle abgeglichen, damit auftretende Verspätungen besser und schneller als bisher berechnet werden.

Und damit die an den nächsten Haltestellen wartenden Fahrgäste über die elektronischen Hinweistafeln oder über ihre Handy-App die tatsächliche Ankunftszeit erfahren – sowie die ebenfalls in Kenntnis gesetzten Fahrer des ein oder anderen Busses rechtzeitig auf die Order der Leitstelle reagieren können, ein oder zwei Minuten am Umsteigepunkt zu warten. Weil dann endlich der verspätete Bus um die Ecke kommt. Und der Fahrgast doch noch seinen Anschluss schafft.

So ist der Plan, so steht es auf dem Konzeptpapier der Verkehrstüftler.

Analoges System ist fehleranfällig

Zwar hat die Essener Evag schon seit langem ein Ortungssystem in ihren Fahrzeugen sowie elektronische Infotafeln in den U-Bahnhöfen und an den wichtigen Haltestellen in Betrieb – insgesamt 106 oberirdische und 218 unterirdische. Aber viele Fahrgäste vertrauen den Angaben nicht immer. Und das aus gutem Grund: Das analoge System ist anfällig, auftretende Funklöcher machen Bahnen quasi zu Geisterzügen. Korrekturen aufgrund von Verzögerungen erfolgen mitunter zu spät oder gar nicht. Mit der Digitaltechnik können aber in der Leitstelle Schweriner Straße künftig sogar zehnsekündige Abweichungen vom Fahrplan festgestellt werden. Der neue Funk soll das Liniennetz komplett abdecken, nur bei rund fünf Prozent (etwa beim Sprechverkehr) sei mit geringfügigen Qualitätseinbußen zu rechnen, die aber für den Datenaustausch nicht relevant seien.

Also hundertprozentig – so der Anspruch.

Sollte der Test in Mülheim erfolgreich abgeschlossen werden, dann können auch in Essen die Signale endgültig auf grün gestellt werden. Im nächsten Jahr soll die neue Verkehrstechnik mit dem Kürzel „ITCS“ (Intermodal Transport Control Systems) auf allen Linien starten. Auf ein genaues Datum will sich Evag-Sprecher Olaf Frei nicht festlegen. Dafür ist das 37,5 Millionen Euro teure Gemeinschaftsprojekt der Städte Düsseldorf, Essen, Duisburg und Mülheim zu komplex. Allein 14 Millionen Euro wurden und werden in Essen investiert: in die Leitstelle, in die 16 neuen Funkmasten (von denen nur noch zwei an den Standorten an der Bredeneyer Schleife und in Werden fehlen) und in die Bordcomputer von 189 Bussen und 135 Bahnen der Evag, die noch nachgerüstet werden müssen.

Die nächste Verspätung kommt bestimmt

Sobald es los geht und sich damit die Reaktionszeiten in der Leitstelle verkürzen, stehe der nächsten Verspätung „eigentlich nichts mehr im Wege“, schrieb Unternehmenssprecher Olaf Frei gestern im Evag-Blog. Und die kommt bestimmt. Weil viele Busse und Bahnen wie die Autos im täglichen Stau auf den Straßen stecken bleiben und zudem jedes Jahr durchschnittlich 350 bis 400 Falschparker, die die Gleise blockieren, den Fahrplan aus dem Takt bringen.

Da will der Fahrgast doch wenigstens – was die Infos betrifft – auf dem Laufenden bleiben.

 
 

EURE FAVORITEN