Essener Bauaufsicht sieht "keine Gefahr für Besucher" auf Zollverein

Die Essener Bauaufsicht sieht keinerlei Veranlassung, die ehemalige Kohlenwäsche auf Zollverein wegen Brandschutzmängeln zu schließen.
Die Essener Bauaufsicht sieht keinerlei Veranlassung, die ehemalige Kohlenwäsche auf Zollverein wegen Brandschutzmängeln zu schließen.
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Die städtische Bauaufsicht sieht keinerlei Veranlassung dafür, die ehemalige Kohlenwäsche auf Zollverein wegen Brandschutzmängeln zu schließen. „Wir können ruhigen Gewissens sagen, die Sicherheit von Personen ist nicht gefährdet“, sagte Detlef Robrecht, Chef der Bauaufsicht . Mängel räumt die Behörde ein.

Robrecht fasste damit das Ergebnis eines Besuchs auf Zollverein zusammen, zu dem sich die Leitung der Baubehörde nach der jüngsten WAZ-Berichterstattung veranlasst sah. Demnach gibt es nach wie vor vereinzelte Mängel beim Brandschutz, bestätigt Thomas Franke, Leiter des Bauordnungsamtes, doch würden diese weder von der Feuerwehr noch vom Brandschutzbeauftragten, den die Stiftung Zollverein eingeschaltet hat, als gravierend eingestuft. Der Sachverständige des Tüv Rheinland, Autor der „Mängelliste“, habe sich dieser Auffassung ausdrücklich angeschlossen.

Mängel in sicherheitsrelevanten Bereichen

Sowohl der Tüv-Vertreter, als auch der von der Stiftung eingeschaltete Brandschutzexperte des Büros BSCON und auch Feuerwehrchef Ulrich Bogdahn nahmen die zum Ruhrmuseum umgebaute Kohlenwäsche am vergangenen Montag in Augenschein. Laut Franke sollen noch bestehende Mängel innerhalb von drei Wochen behoben werden. Bis dies der Fall sei, werde dies durch „geschultes Personal kompensiert“.

Es gehe nicht darum, „etwas klein zu reden“, sagte Brandschutzsachverständiger Markus Kraft von der Firma BSCON Brandschutz-Consult im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es sind Mängel da“, auch an sicherheitsrelevanten Bauteilen. Es handele sich nicht „um Larifari“. Die Frage sei, welche Auswirkungen haben die Mängel auf den Betrieb des Gebäudes. Und es sei eben ein Unterschied, ob ein Ventilator im Ausstellungsraum nicht funktioniere oder in einem Bereich, der für Besucher gar nicht zugänglich ist. Kraft hält es für vertretbar, die Kohlenwäsche weiter für Besucher zu öffnen. Viele Mängel ließen sich in kurzer Zeit beheben.

Schwere Vorhänge entfernt

Sachverständigenberichte des Tüv Rheinland hatten nach Überprüfung der technischen Anlagen der Kohlenwäsche zuvor diverse Mängel aufgeführt und diese zum Teil als „wesentlich“ benannt. Franke ging darauf gestern vor Pressevertretern im Einzelnen ein:

In der Tat sei eine Entrauchungsanlage auf Ebene 17 der Kohlenwäsche ohne Funktion, allerdings befände sich die Anlage in der Lüftungszentrale. „Hier halten sich gar keine Besucher auf. Die dürfen da gar nicht rein“, so Franke. Die Anlage werde „natürlich repariert“.

Ein Ventilator, der in die falsche Richtung drehte, laufe inzwischen wieder richtig. Es handele sich um einen Ventilator in einem Lager, nicht etwa in einem Besucherraum. In der Kohlenwäsche gebe es insgesamt 80 Ventilatoren.

Von insgesamt 20 Fenstern funktionierten inzwischen 18 einwandfrei. Laut Bauaufsicht wären 14 Fenster ausreichend. Schwere Vorhänge, die im Falle eines Brandes hätten verhindern können, dass Rauch abzieht, seien mittlerweile entfernt worden.

Ventilatoren und Türen

Ein Schacht werde mit acht Brandschutzklappen nachgerüstet. Insgesamt gebe es in dem Gebäude „über 170“ solcher Klappen.

Damit sich Fluchttüren leichter öffnen ließen, sei in den Treppenhäusern einer von zwei Ventilatoren ausgeschaltet worden. Die Ventilatoren sorgen durch Überdruck dafür, dass Rauch nicht in die Treppenhäuser zieht. Sollte ein Ventilator ausfallen, schalte sich der andere automatisch zu. Man habe nie behauptet, es gebe keine Mängel, so Detlef Robrecht von der Bauaufsicht.

Laut Franke werden die Brandschutzeinrichtungen der Kohlenwäsche immer wieder überprüft, wie dies für ein solches Gebäude üblich sei.