Essener Arztfamilie hat seit 125 Jahren eine HNO-Praxis

Sanitätsrat Dr. Josef Heermann gründete im Jahr 1888 die Hals-Nasen-Ohren Praxis in Essen. Hier gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei einer Operation.
Sanitätsrat Dr. Josef Heermann gründete im Jahr 1888 die Hals-Nasen-Ohren Praxis in Essen. Hier gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei einer Operation.
Foto: Fremdbild/Lutz
1988 gründete Dr. Josef Heermann in Essen eine Praxis als Hals-Nasen-Ohrenarzt. Der Sanitätsrat entwickelte unter anderem den Heermann-Meißel. Ein Gerät, mit dem heute noch operiert wird. Sein Urenkel, Dr. Jörg Lutz, ist immer noch HNO-Arzt und hat sich mit einer „Hörfibel“ einen Namen gemacht.

Essen.. Tradition verpflichtet. Dr. Jörg Lutz weiß das. Dabei wollte er ursprünglich gar kein Hals-Nasen-Ohren-Arzt werden. Heute führt er in der Essener Innenstadt eine der ältesten HNO-Praxen in Deutschland, die noch im Familienbesitz sind.

Als sein Urgroßvater, Josef Heermann, im Jahr 1888 seine Praxis eröffnete, da bestieg gerade Deutschlands letzter Kaiser, Wilhelm II., den Thron. Und wer etwas auf sich hielt, trug Zylinder und Rauschebart. Sein Urgroßvater sei „so ein Daniel-Düsentrieb-Typ“ gewesen, „der viel ausprobiert hat“, hat Jörg Lutz von seinem Vater erfahren. So entwickelte Dr. Josef Heermann unter anderem den Heermann-Meißel, ein Gerät, mit dem man präzise den Gehörgang bearbeitete. Noch heute wird damit operiert. „Nebenbei“ leitete der Mediziner zwischen 1910 und 1933 die Hals-Nasen-Ohren-Station im Krupp-Krankenhaus. Seinen Sohn Hans Heerman konnte er für seinen Beruf begeistern. 1928 übernahm dieser die Praxis, fünf Jahre später wurde er HNO-Chef im Krupp-Krankenhaus. Geerbt hatte er den Erfindergeist.

1930 entwickelte der Arzt den sogenannten „Heermann-Schnitt“ zur Erweiterung des äußeren Gehörganges bei Ohren-OP’s. Seine Patienten haben es ihm gedankt. Eingriffe am Mittelohr wurden dadurch ungefährlicher. „Mein Großvater war der Erste, der innerhalb der Nase mit einem Mikroskop gearbeitet hat“, sagt Jörg Lutz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die alteingesessene Praxis an der Hindenburgstraße ausgebombt.

Seine „Hörfibel“ bringt Jörg Lutz seit 2000 jährlich auf den neuesten Stand

Für die nächsten zwei Jahre kam man im Familienhaus an der Henricistraße 63 unter. Unterstützt wurde Prof. Hans Heermann seit 1962 von seinem Sohn Joachim, dem Onkel des heutigen Praxis-Inhabers. Auch er übernahm die HNO-Chefarztstelle im Kruppschen Krankenhaus, das war 1968. Prof. Joachim Heermann wechselte 1980 ganz in das Krankenhaus, in dem er bis 1996 arbeitete. 1980 trat an seine Stelle in der Praxis – mittlerweile am heutigen Standort Am Theaterplatz – ein weiterer Onkel von Jörg Lutz: Dr. Peter Heermann. Seinen Neffen, Dr. Jörg Lutz, begrüßte er 2005 in der Praxis. Dieser schlug zunächst einen anderen Berufsweg ein, absolvierte nach der Bundeswehr zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann und entschloss sich dann, Arzt zu werden.

Der Mediziner hat einen Hang zum Didaktischen. Seine „Hörfibel“ bringt Jörg Lutz seit 2000 jährlich auf den neuesten Stand. Es ist ein Ratgeber für Menschen mit Hör-Beeinträchtigungen, der bei vielen Hörgeräteakustikern ausliegt. Rund eine Million Exemplare sind in den letzten zehn Jahren verbreitet worden. „Reich wird man damit nicht“, sagt er. Aber eine Tradition, die führt er damit auf seine Weise weiter.

 
 

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