Essen

Hitze-Drama: Zug in Essen evakuiert, Fahrgäste kollabieren – jetzt spricht die Nordwestbahn

Viele Menschen mussten evakuiert werden.
Viele Menschen mussten evakuiert werden.
Foto: Justin Brosch

Essen. Kurz vor dem Essener Hauptbahnhof wurde am Donnerstagabend ein Zug der Linie RE 14 „Der Borkener“ der Nordwestbahn evakuiert. Wie Zeugen berichten, seien mehrere Menschen aufgrund der Hitze verletzt worden. Die Klimaanlage war bei den tropischen Temperaturen um die 38 Grad ausgefallen.

Der Zug war zum Zeitpunkt der Evakuierung mit 300 Passagieren vollbesetzt. Wie Insassen des Zuges berichteten, stand die Bahn etwa zwei Stunden auf der Strecke in Richtung Mülheim. Einer der Passagiere sei sogar aus Panik aus dem Zug auf die Gleise gesprungen.

Lebensgefahr: Passagier flüchtet aus dem Zug über die Gleise

Während der Zugfahrer versuchte, den Zug wieder zu starten, öffneten sich automatisch die Türen. So konnte der Passagier quer über die Gleise flüchten. „Das war eine lebensgefährliche Aktion“, macht Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei, deutlich.

Mike Filzen, Sprecher der Feuerwehr Essen, sagte, dass gegen 16.30 Uhr der Notruf aus dem Zug bei der Rettungsstelle einging. Gemeinsam mit der Bundespolizei wurden die Gleise gesperrt, um die Menschen aus dem Zug zu befreien. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf Zugverkehr im Ruhrgebiet und in Richtung Düsseldorf, betont Stall. Es kam zu Ausfällen und Verspätungen.

Fünf Menschen mussten wegen Kreislaufproblemen behandelt werden

Die Feuerwehr verteilte Getränke an die Menschen, die zum Teil erheblich durch die Hitze geschwächt waren. Fünf Menschen mussten deshalb behandelt werden. Darunter auch eine schwangere Frau im achten Monat. Sie kam direkt mit drei weiteren Personen ins Krankenhaus.

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Zudem hatten die fünf Verletzten Glück: Ein Rettungssanitäter und eine Altenpflegerin waren im Zug, sie konnten fachmännisch Hilfe leisten. „Die Helfer haben im Zug sehr gut reagiert. Sie haben sie weggeführt und gesondert versorgt. Da sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen“, so Feuerwehrsprecher Mike Filzen.

Die Schederhofstraße in Essen-Frohnhausen, an der die Passagiere aussteigen durften, war in beide Richtungen vollgesperrt.

Fahrgast schildert den Hitze-Schock

Ein Fahrgast schildert die Situation: „Über zwei Stunden haben wir gewartet. Die Klimaanlage ist schon anfangs grenzwertig gewesen.“ Dann seien Passagiere auf die Gleise gelaufen. Anfänglich habe es noch Informationen vom Fahrzeugführer gegeben. Es gebe einen Schaden am Bremsschlauch, habe es geheißen.

„Danach hat sich der Fahrzeugführer eigentlich nicht mehr gemeldet“, erzählt der Fahrgast. „Der Informationsfluss war einfach nicht gut. Es wurde auch nicht gut koordiniert. Menschen hier einfach stehen zu lassen, das geht nicht.“

Auf Nachfrage von DER WESTEN bei der Nordwestbahn bedauere man die „Unglückssituation“. „Wir haben auch schon gehört, dass viele Stimmen laut geworden sind, weil die Fahrgäste wohl im Regen stehen gelassen wurden“, sagt Sprecher Tewes am Morgen. Ein Gespräch am Vormittag mit dem zuständigen Fahrzeugführer soll Aufschluss über die Situation und die Hintergründe geben, teilte er mit.

Technischer Schaden wird in der Werkstatt untersucht

Ob der Zug tatsächlich wegen eines Schadens am Bremsschlauch liegengeblieben war, solle nun überprüft werden. Auch die Bundespolizei bestätigte am Freitagmorgen, dass es sich um einen technischen Defekt, womöglich einen Motorschaden, handelte. Genaueres werde am Freitagmorgen von der Nordwestbahn untersucht, teilte Sprecher Marcel Tewes auf Nachfrage von DER WESTEN mit. Noch in der Nacht wurde der Zug in die Werkstatt nach Dorsten überführt.

Nordwestbahn entschuldigt sich

Außerdem entschuldigt sich die Nordwestbahn, dass in diesem Zug tatsächlich kein Kundenbetreuer anwesend war. „Das ist eigentlich schon der Fall. Es tut uns leid“, so Tewes.

Am Freitagnachmittag äußerte sich ein Sprecher der Bahn auch gegenüber der WAZ (Bezahlinhalt): „Wir entschuldigen uns in aller Form, dass die Fahrgäste diese Erfahrung machen mussten.“ Außerdem räumt das Unternehmen ein, dass die Evakuierung des Zuges aufgrund der Hitze und der Situation im Zug schon früher hätte erfolgen sollen.

Am Freitagnachmittag soll die Klimaanlage im RE14 („Der Borkener“) erneut ausgefallen sein, berichtet ein Fahrgast gegenüber DER WESTEN.

Das volle Statement der Nordwestbahn kannst du hier in der WAZ nachlesen.

 
 

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