Essen zahlt Milliarden-Schulden nun mit 60 Cent pro Sekunde zurück

Wolfgang Kintscher
Bis auf schwindelerregende 3.362.349.550,71 Euro türmte sich die Essener Schuldenuhr auf, nun soll es bergab gehen: Mit einem Schuldenabbau von 60 Cent pro Stunde.
Bis auf schwindelerregende 3.362.349.550,71 Euro türmte sich die Essener Schuldenuhr auf, nun soll es bergab gehen: Mit einem Schuldenabbau von 60 Cent pro Stunde.
Foto: WAZ FotoPool
Der deutschlandweit größte Schuldenberg wird abgebaut: Die über 3,36 Milliarden Euro, mit denen die Stadt Essen bei ihren Geldgebern in der Kreide steht, werden laut "Schuldenuhr" ab sofort mit 60 Cent pro Sekunde zurückgezahlt. Dies soll die Zinszahlungen von 75,6 Millionen Euro im Jahr senken.

Essen. Für den städtischen Finanzchef nicht weniger als „eine neue Zeitrechnung“: Erstmals seit 30 Jahren häuft die Stadt 2014 nicht neue Schulden an, sondern zahlt alte ab.

Um den Triumph auch für alle sichtbar zu machen, mussten vergangene Woche die städtischen Programmierer ran. Was diese an Rechenbefehlen ins System der „Essener Schuldenuhr“ einspeisten, könnte einem bei aller Zurückhaltung die leise Hoffnung zurückgeben, dass es irgendwann vielleicht doch noch mal gut wird mit den Stadtfinanzen.

Essen hat deutschlandweit größten Schuldenberg

Denn nach drei Jahrzehnten des Schuldenmachens, mit denen Essen den deutschlandweit größten Schuldenberg (ohne Stadtstaaten) auf die schwindelerregende Höhe von 3.362.349.550,71 Euro auftürmte (Stand 12. Januar, 19 Uhr) geht es von Montag an bergab.

Für den städtischen Finanzchef, Kämmerer Lars Martin Klieve, bedeutet dies nicht weniger als den „Beginn einer neuen Zeitrechnung“. Ein Signal, dass es sich doch lohnt, den Gürtel enger zu schnallen. Ein Signal aber auch „an die Öffentlichkeit und unsere Gläubiger, dass wir die erhaltenen Kredite auch zurückzahlen“. In Zeiten zunehmend vorsichtig werdender Banken ein keineswegs gering zu schätzendes Zeichen.

Essen Schuldenberg schrumpft nun mit 60 Cent pro Sekunde

Obwohl sich, zugegeben, das Tempo des Abstiegs vom Schuldenberg zumindest in diesem Jahr noch recht bescheiden ausnimmt: Von den gut 3,36 Milliarden Euro, die die Stadt bei ihren Geldgebern in der Kreide steht, will sie bis zum Jahresende circa 19 Millionen Euro abbezahlen. Macht 2.169 Euro die Stunde oder 60 Cent die Sekunde.

Einen zehnstelligen Euro-Betrag mit jeder Sekunde um 60 Cent schrumpfen zu sehen, das könnte bei dem einen oder anderen mitleidiges Kopfschütteln auslösen. Andererseits wuchs der Schuldenberg bis zum 12. Januar noch um 37.253,26 Euro pro Stunde oder 10,35 Euro pro Sekunde.

Und die Rückzahlung von 19 Millionen Euro 2014 – übrigens aufs Jahr hochgerechnet und unabhängig vom tatsächlichen Zeitpunkt der Zahlungen rechnerisch ermittelt – soll ja auch nur der Anfang sein. Schon mittelfristig soll der Rückzahlungs-Betrag deutlich steigen und so die Zinszahlungen senken helfen. Denn für ihre 3,36 Milliarden Euro Schulden zahlt die Stadt 75,6 Millionen Euro Zinsen im Jahr. Rund 33 Millionen davon allein für Liquiditätskredite („Dispo“) – in der Hoffnung, dass die Zinsen nicht nennenswert steigen, bevor ein erklecklicher Teil der Summe abbezahlt ist.

Der Wettlauf hat begonnen.