Essen will Pendler mit mehr attraktivem Wohnraum anlocken

Janet Lindgens
Viele Menschen aus den Nachbarstädten pendeln täglich nach Essen zur Arbeit.
Viele Menschen aus den Nachbarstädten pendeln täglich nach Essen zur Arbeit.
Foto: WAZ FotoPool
Fast 140.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit nach Essen. Im Vergleich dazu verlassen nur rund 87.000 Menschen die Stadt, um in einem anderen Ort zu arbeiten. Die Verwaltung plant nun, möglichst viele Pendler ganz nach Essen zu locken. Doch dazu benötigt die Stadt deutlich mehr attraktiven Wohnraum.

Essen ist im Ruhrgebiet Pendler-Hochburg. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Menschen, die täglich hierher zur Arbeit fahren, um fast 50 Prozent gestiegen. Mittlerweile kommt jeder zweite, der in Essen einen Job hat, von außerhalb. Das geht aus einer Auswertung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) hervor.

Die Stadtverwaltung hofft schon länger, Pendler ganz nach Essen zu locken. Doch bislang gelingt ihr das augenscheinlich wenig. Das soll sich ändern. „Wir wollen das Thema jetzt systematischer angehen“, sagte Planungsdezernent Hans-Jürgen Best. Die Stadt arbeite deshalb an einem Konzept, das im November vorliegen soll. Aus Bests Sicht liegt der Schlüssel darin, mehr attraktiven Wohnraum in Essen zu entwickeln. „Deshalb kämpfe ich um jedes Grundstück“, meinte er.

Essen hat höchsten Pendlerüberschuss im Ruhrgebiet

Laut RVR pendelten im vergangenen Jahr fast 116.000 Berufstätige nach Essen. Diese Zahl bezieht sich jedoch nur auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Der RVR hat jetzt auch alle erwerbstätigen Pendler ermittelt und kommt für das Jahr 2011 auf eine noch deutlich höhere Zahl: Demnach kamen täglich fast 140.000 „Nichtessener“ zum Arbeiten in die Stadt. Besonders viele Arbeitnehmer zieht Essen dabei aus den Nachbarstädten Bochum, Gelsenkirchen und Mülheim an.

Im Vergleich dazu verlassen deutlich weniger Essener ihren Wohnort zum Arbeiten. 2011 waren das rund 87.500. Die Zahl der Auspendler ist zwar in den vergangenen 20 Jahren ebenfalls gestiegen, jedoch weniger stark. Zieht man die Auspendler von den Einpendlern ab, dann ist Essen die Stadt im Revier, die unterm Strich die meisten Arbeitnehmer von auswärts anzieht. Der sogenannte Pendlerüberschuss betrug 2011 laut RVR rund 45.000.

Aus Sicht der Essener Wirtschaftsförderung muss es vor allem darum gehen, die Berufspendler zu locken, die bislang jeden Tag von außerhalb des Ruhrgebiets nach Essen einpendeln. So kommen beispielsweise rund 4600 Erwerbstätige täglich aus Düsseldorf zur Arbeit nach Essen.

Pendler bringen Geld

Für die Stadt sind die Pendler vor allem finanziell interessant. Gelänge es Essen etwa zehn Prozent der Pendler „anzusiedeln“, bekäme man rund sieben Millionen Euro mehr Schlüsselzuweisungen vom Land. Auch erhielte die Stadt mehr Anteile an der Einkommenssteuer. Und was nicht zu vernachlässigen ist: Die Konsumausgaben und die Kaufkraft würden steigen. „Die Pendler lassen ihr Geld leider nicht in Essen“, sagte Best. Und schließlich würden auch die Grundsteuereinnahmen klettern, wenn für die Pendler zusätzlicher Wohnraum gebaut würde.

Best ist guter Dinge: „Hoffentlich stehen die Pendler häufig im Stau, so dass sie sich überlegen, nach Essen zu ziehen.“