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Nach Angriffen im Schwimmbad: „Verpiss dich, ich f*** dich!“ – Wie schlimm ist es in unseren Bädern? Ein Besuch im Grugabad

Im Essener Grugabad patroulliert Security.
Im Essener Grugabad patroulliert Security.
Foto: Kerstin Kokoska/ FUNKE Foto Services
  • Ein Besuch am Grugabad in Essen
  • Angriffe auf Bademeister in Oststadtbad
  • Respektlosigkeiten nehmen zu

Essen. Sonntagabend, Hitze, über 30 Grad. Nochmal schnell für zwei Stündchen zur Abkühlung ins Grugabad in Essen, dachten uns meine Freundin und ich.

An der Kasse angekommen herrscht hektisches Treiben. Um uns herum wuseln kleine Kinder, huschen offenbar einfach ohne zu zahlen ins Bad. Die Kassiererin rennt ihnen hinterher. „Die rennen hier einfach durch ohne zu zahlen“, brüllt sie aufgebracht.

Essen: Ein Besuch im Grugabad

Also auf Richtung Becken. Dort die nächste Aufregung. Zwei Frauen sind aneinander geraten. „Verpiss dich! Ich f*** dich und deinen Mann“, verstehe ich im Vorbeigehen. Die Security geht dazwischen, schlichtet, löst die Situation auf. Wir kühlen uns erstmal ab, ziehen ein paar Bahnen. Zum Sonnen nehmen wir anschließend auf der Tribüne Platz und beobachten das Geschehen. Rund 7000 Badegäste drängen sich an einem Hitzetag wie diesem im Grugabad.

Für Bademeister und Security bedeutet das volles Programm. Im Minutentakt blasen sie in ihre Trillerpfeifen.

Eine Bademeisterin ermahnt mehrere Jungs, die vom Seitenrand ins Wasser springen. Wirklich kümmern tut die Gruppe das aber nicht. Erst als der männliche Kollege zur Hilfe kommt, ziehen die Jungs reuig ab.

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Gruppe greift zwei Bademeister an

Nicht immer endet es so. Am Montagabend provoziert eine Gruppe von acht Männern im Oststadtbad den jüngeren Bademeister (22), spritzt ihn aus dem Becken mit Wasser voll. Als er sie auffordert, das zu unterlassen, schlagen sie auf ihn ein. Ein 31-jähriger Kollege will ihm helfen, dann gehen die Männer auch auf ihn los. Erst als ein dritter Bademeister dazu kommt, fliehen sie aus dem Bad.

Auch ein 12-jähriges Mädchen soll von ihnen angegriffen worden sein. Ein Bademeister und das Mädchen müssen im Krankenhaus behandelt werden. >>> hier mehr zur Täterbeschreibung. Die Polizei ermittelt, konnte bislang die Angreifer aber nicht ausfindig machen.

Am Mittwoch kam es zu einer Messer-Attacke im Sport-Paradies in Gelsenkirchen. Der Täter ist auf der Flucht. Hier mehr Infos >>>

Der Vorfall schlägt hohe Wellen. Nimmt die Gewalt in Schwimmbädern zu? Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Schwimmbäder, Peter Harzheim, schlägt in der „Rheinischen Post“ Alarm: „Die Stimmung in den Freibädern wird immer aggressiver". Seit etwa zehn bis 15 Jahren werde es von Jahr zu Jahr schlimmer, habe er festgestellt. „Das ist eine erschreckende Entwicklung. Wir müssen da knallhart durchgreifen", betont Harzheim.

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Respektlosigkeit gegenüber Personal

Es sei weniger eine Gewaltbereitschaft als eine Respektlosigkeit gegenüber dem Personal festzustellen, heißt es von Seiten der Stadt Essen. Ermahnungen oder Zurechtweisungen würden häufig ignoriert und als Beleidigung empfunden. Die Konsequenz: verbale Auseinandersetzungen und Gruppenbildungen.

Die Polizei führt über Einsätze in Schwimmbädern keine Statistik. „Wir führen nur die Delikte, nicht die Einsatzorte“, so eine Sprecherin.

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Doch selbst Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen verurteilte in einem Statement die Vorfälle: „Über die Respektlosigkeit der Täter bin ich empört“, so Kufen. „Wir werden Konsequenzen nach dem Vorfall ziehen. Neben einer strafrechtlichen Anzeige wird gegen die Angreifer auch ein Hausverbot ausgesprochen.”

Neben Hausverboten wird im Grugabad auch mit Videoüberwachung an neuralgischen Punkten gearbeitet.

18 Security-Leute im Einsatz

Security ist längst gang und gebe in vielen Schwimmbädern. Im Grugabad wird seit 1992 mit Sicherheitsdienst gearbeitet, mittlerweile sind an heißen Tagen 18 Leute im Einsatz, im Oststadtbad wurde die Zahl nach dem Angriff auf die Bademeister von drei auf sechs erhöht, im Kettwiger Freibad sind es drei.

Uns reicht es nach einer Stunde Abkühlung. Wir radeln nach Hause, vorbei am Polizeiauto, das am Eingang vorfährt.

 
 

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