Essen verliert auf einen Schlag drei Industriebetriebe

Mitarbeiter von Parker in Kettwig protestierten im Frühjahr gegen die Schließung.
Mitarbeiter von Parker in Kettwig protestierten im Frühjahr gegen die Schließung.
Foto: WAZ
  • VDM, Parker Hannifin und Siemens schließen Standorte in Essen
  • Für die Beschäftigten gab es zwar Sozialpläne, aber 220 Arbeitsplätze sind weg
  • Für die Gewerkschaft IG Metall eine bittere Entwicklung

Essen. Nächste Woche wird die IG Metall Essen 125 Jahre alt. Gefeiert werden soll im September. Die Stimmung dürfte jedoch weniger ausgelassen sein. Denn in den kommenden Wochen werden gleich drei Industriebetriebe in Essen dicht gemacht, um deren Verbleib die Gewerkschaft gekämpft hatte: das VDM-Titanwerk an der Westendstraße, die Siemens-Elektronikwerkstatt an der Hafenstraße und das Filterwerk des US-Unternehmens Parker Hannifin in Kettwig. Zusammen verliert der Industriestandort Essen damit auf einen Schlag rund 220 Arbeitsplätze.

Großteil der Mitarbeiter nach Unna und Werdohl versetzt

Im VDM-Titanwerk ist die Produktion schon seit Anfang August eingestellt. Ein Großteil der 76 Mitarbeiter ist an andere VDM-Standorte – nach Unna oder Werdohl -- versetzt worden, einige hoffen noch, beim ehemaligen Eigentümer Thyssen-Krupp unterzukommen. Ein kleiner Trupp räumt zurzeit noch auf und organisiert den Ausverkauf des Werkes an der Westendstraße. Wann genau Schluss ist, konnte ein Sprecher noch nicht genau sagen. Das Grundstück, das VDM gehört, soll verkauft werden. Der Prozess laufe. Für die IG Metall ein bitteres Aus. „Nicht nur, dass es einen Industriebetrieb weniger in Essen gibt. Mit der Titan-Produktion sind auch Zukunftsarbeitsplätze weggefallen“, bedauert IG-Metall-Sekretär Holger Neumann. Die Geschäftsleitung hatte im März die Schließung bekanntgegeben, weil die Produktion nicht profitabel lief und kein Käufer gefunden wurde. Die Gewerkschaft hätte sich jedoch einen längeren Atem des Gesellschafters bei der Suche nach einem Käufer gewünscht.

Parker Hannifin Ende November dicht

Die Tinte unter dem Sozialplan und dem Interessenausgleich für die Parker-Mitarbeiter ist hingegen gerade erst getrocknet. Der Schließungstermin für das Filter-Werk in Kettwig steht: Am 30. November werden die Maschinen im Teelbruch 118 ausgeschaltet. Die 72 Mitarbeiter erhalten bereits in den nächsten Wochen ihre betriebsbedingten Kündigungen. Sie können für ein Jahr in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln, fallen damit nicht sofort in die Arbeitslosigkeit. „Ein guter Sozialplan schafft leider aber keine gleichwertige Arbeit“, seufzt IG-Metall-Sekretär Alfons Rüther.

Die Produktion wird Parker nach Italien und Tschechien verlagern. Der US-Muttergesellschaft sollen u.a. die Lohnkosten in Essen zu hoch gewesen sein. Ihre Vorgabe sei eine Umsatzrendite von 17 Prozent gewesen. Die IG Metall hatte zusammen mit dem Betriebsrat viele Wochen um den Erhalt des Standortes gerungen. Ein von ihnen beauftragtes Gutachten warnt vor deutlich zweistelligen Umsatzeinbußen, die die Schließung des Standortes nach sich ziehen würde. Geholfen hat es nichts, der Entschluss des Managements war unumkehrbar. „Hätten Betriebsräte eine wirtschaftliche Mitbestimmung, wäre die Schließung zu verhindern gewesen“, sagt Rüther. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass sich in dem Gewerbegebiet ein neuer Produktionsbetrieb mit neuen Arbeitsplätzen ansiedelt.

Das Aus der Siemens-Elektronikwerkstatt mit über 60 Arbeitsplätzen war indes schon vergangenes Jahr beschlossen und ist nun abgewickelt. Unterm Strich sind alle drei Schließungen besonders bitten für die IG Metall Essen. Bei allen dreien handelte es sich um Betriebe mit einem hohen Organisationsgrad. Kein schönes Geburtstagsgeschenk für die Gewerkschaft, die in Essen ohnehin mit Mitgliederrückgang kämpft.

 
 

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