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Essen: Lehrer (33) soll ehemalige Schülerin vergewaltigt haben – bei diesem Detail wird Richter skeptisch: „Unglaublich gruseliger Zufall“

Essen: Ein Lehrer (33) soll seine ehemalige Schülerin vergewaltigt haben.
Essen: Ein Lehrer (33) soll seine ehemalige Schülerin vergewaltigt haben.
Foto: Christina Schärfl/DER WESTEN

Essen. Sie lernten sich in einer Schule in Essen kennen, er war ein halbes Jahr lang ihr Informatik-Lehrer. Schnell wurden die beiden ein Paar. 2018 kam es zur Trennung. Kurz zuvor soll der Angeklagte seine ehemalige Schülerin vergewaltigt haben.

Nun steht Markus S. vor dem Landgericht Essen.

Am 30. Juli 2018 soll sich der heute 33-Jährige mit seiner ehemaligen Schülerin getroffen haben. Bei dem Treffen im Elternhaus des mutmaßlichen Opfers in Essen soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein, die der Angeklagte ohne die Einwilligung der heute 23-Jährigen ausgeführt haben soll.

Essen: Vergewaltigungsvorwurf gegen Lehrer (33)

Die Nebenklägerin sei dem Angeklagten hilflos ausgesetzt gewesen, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr habe sich Markus S. angezogen, sei dann wieder nach Hause gefahren.

Als Staatsanwalt Seeger die Anklage verliest, kommen dem verheirateten Lehrer aus Essen die Tränen. Über seinen Anwalt Ernst van der Meulen lässt er erklären, Sex sei in der Beziehung immer einvernehmlich geschehen. An den vermeintlichen Tattag habe er keine richtige Erinnerung, habe in den vergangenen Monaten versucht, den 30. Juli 2018 zu rekonstruieren. „Wenn jemand das nicht will, dann würde ich das nicht machen“, erklärt er Richter Heupel am ersten Verhandlungstag immer wieder.

Kennengelernt hatten sich Markus S. und die damals 16-Jährige im Februar 2014 in der Schule. Kurze Zeit später schrieben sich die beiden über Social Media, schnell seien Gefühle im Spiel gewesen, erzählen beide. Wann sie ein Paar wurden, darüber machen Angeklagter und Nebenklägerin unterschiedliche Angaben. Markus S. behauptet, erst nach einem Gespräch mit den Eltern der Jugendlichen seien sie offiziell zusammen gewesen.

Essen: Angeklagter und mutmaßliches Opfer mit unterschiedlichen Aussagen

Das mutmaßliche Opfer sagt vor Gericht, es habe die Beziehung vor Familie und Freunden geheim gehalten, um den Angeklagten zu schützen – er war zu diesem Zeitpunkt schließlich ihr Lehrer. Die Eltern hätten erst später von der Beziehung erfahren.

Als die junge Frau von der vier Jahre andauernden Beziehung mit dem Angeklagten erzählt, zeichnet sie ein ganz anderes Bild als Markus S. Während er von einer normalen Liebesbeziehung spricht, bis im Frühling 2018 ein neuer Mann in das Leben der jungen Frau trat, sagt sie: „Das Ganze war ein einziger Horror.“ Sie habe vier Jahre lang in einer „Scheinwelt“ gelebt, sei in der von Markus S. geschaffenen Welt „gefangen“ gewesen.

Beide berichten von Streitigkeiten im letzten Jahr ihrer Beziehung. Das mutmaßliche Opfer, weil es mehr, eine „richtige Beziehung“ wollte. Immer wieder habe der Angeklagte ihr versprochen, die Liaison öffentlich zu machen – nach Ende seines Studiums, wenn ihr Abi nicht mehr angefochten werden könne, nach seinem Referendariat.

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Drei bis vier Treffen im Monat

Markus S. sieht den Ursprung der Auseinandersetzungen hingegen in einer Wesensveränderung seiner Ex-Schülerin, seit sie einen anderen Mann im Frühling 2018 kennenlernte. Sie habe sich von ihm und seinen Freunden abgewandt. Wann die Beziehung endete, darüber gibt es immer wieder unterschiedliche Angaben. Im Laufe der Verhandlung wird der 15. August, zwei Wochen nach der vermeintlichen Tat, von der Nebenklägerin bestätigt.

Als sie noch zusammen waren, sei es bei jedem Treffen, die laut der Nebenklägerin drei bis viermal im Monat stattfanden, zum Sex gekommen, immer nach dem gleichen Prinzip: Streicheln, küssen, ausziehen, Oralverkehr, Geschlechtsverkehr. Dann habe sich der Lehrer aus Essen wieder angezogen und sei nach Hause gefahren.

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Essen: Brisantes Detail

Am vermeintlichen Tattag habe sie ihm mehrmals verbal als auch körperlich deutlich gemacht, keinen Sex zu wollen, sagt das mutmaßliche Opfer. Der Angeklagte habe nicht brutal, aber bestimmt agiert. „Ich habe es über mich ergehen lassen, ich war überfordert“, erklärt sie unter Tränen. Nachfragen stellt das Gericht an, weil sie angibt, den Angeklagten dennoch zurückgeküsst zu haben und ihn oral befriedigt zu haben. Als Verteidiger van der Meulen darauf pocht, bricht die junge Frau in Tränen aus.

Vor allem ein Detail ist brisant: Am 19.3. erstattete die Nebenklägerin Anzeige gegen Markus S. wegen Missbrauchs Schutzbefohlener bei der Polizei Essen – einen Tag zuvor erschien der Angeklagte ebenfalls bei der Polizeidienststelle Altenessen, um seine Ex-Freundin und ihren neuen Partner anzuzeigen. R. habe eine „Hetzjagd durch das Internet“ betrieben, ihn bedroht, habe gewollt, dass S. seinen Job und seine Frau verliert und sein Leben zerstört werde.

Essen: Richter macht dieses Detail skeptisch

Richter Dr. Hempel ist skeptisch, als ihm die Zeugin versichert, nichts von der Anklage gewusst zu haben und dass alles reiner Zufall gewesen sei. „Ein unglaublich gruseliger Zufall“, merkt er an. Auch der neue Partner gibt in seiner Zeugenvernehmung an, nichts von der Anzeige gewusst zu haben.

Ein Whatsapp-Chatverlauf vom 14. August wirft sowohl beim Richter als auch bei Staatsanwalt Dr. Seeger und Nebenklagevertreter Christian Köther Fragen auf.

Darin schreibt die Nebenklägerin, sie sei von ihrem Ex-Freund übergangen worden und fragt, ob er nicht gemerkt habe, dass sie keinen Sex wollte. Richter Hempel ist über die Ausdrucksweise des mutmaßlichen Opfers verwundert. „Wenn Sie gesagt haben, dass sie das nicht wollen - wie kann er es dann nicht gemerkt haben?“ Sie habe sich falsch ausgedrückt, sagt die junge Frau.

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Angeklagter aus Essen kann sich nicht erinnern

Der Angeklagte will sich an die Nachricht gar nicht erinnern können. Der Vertreter der Nebenklägerin kauft ihm das nicht ab, ebenso wenig die Staatsanwaltschaft. „Das ist doch eine Besonderheit, warum können Sie sich daran nicht erinnern?“, will er von Markus S. wissen. Doch der Angeklagte hat dafür keine Erklärung.

Der Prozessauftakt lässt viele Fragen offen – ein weiterer Verhandlungstag ist geplant.