Essen

Essen: Nach Angriff auf Synagoge – Gemeindevorsitzender klagt an: „Habe mich hier mal sicher gefühlt“

Die Polizei ermittelt nach einem Steinwurf auf eine Synagoge in Essen.
Die Polizei ermittelt nach einem Steinwurf auf eine Synagoge in Essen.
Foto: Justin Brosch

Essen. Feiger Angriff auf die jüdische Gemeinde in Essen!

Am Freitag hat ein zunächst Unbekannter am helllichten Tag die Synagoge an der Sedanstraße in Essen attackiert. Auf Bildern der Überwachungskamera ist zu sehen, wie der Täter eine schwere Bordsteinplatte gegen die Fenster des Gebetshauses wirft. Dabei sind zwei Scheiben stark beschädigt worden. Am Dienstag dann die Meldung: Die Polizei konnte den Täter schnappen.

Zum Glück wurden „nur“ die Scheiben beschädigt, denn: Im Raum hat sich Rabbi Shumel Aaronhov befunden. Er ist glücklicherweise unverletzt geblieben.

Jetzt ermittelt die Polizei Essen, auch der Staatsschutz ist eingeschaltet worden. Der Verdacht: ein antisemitischer Angriff!

Essen: Feiger Angriff auf Synagoge

Schalwa Chemsurashwili (42) ist über die Tat fassungslos. Der Vorsitzende der Jüdischen Kultus-Gemeinde zu DER WESTEN: „Zum Glück haben die Panzergläser gehalten, es ist nur materieller Schaden entstanden. Sonst hätte auch unser Rabbi verletzt werden können. Der Vorfall muss aufgeklärt werden.“ Am Montag habe Oberbürgermeister Thomas Kufen (47, CDU) die Synagoge besucht, ihm seine volle Solidarität ausgesprochen.

Dennoch wirkt Chemsurashwili nach dem Angriff geschockt, sagt: „Mir war das Risiko bewusst, ich habe mich auch mental bereit für Vorfälle jeder Art gefühlt. Dass so etwas aber am helllichten Tag passiert, an dem unsere Mitarbeiter im Haus und auch Polizeischutz vor Ort ist, schockiert mich. Der Täter hatte keinerlei Hemmschwelle, das ist klar.“

Gemeindevorsitzender verurteilt Antisemitismus: „Habe mich mal sicher gefühlt“

Die Gemeindemitglieder seien besorgt, hätten ihren Vorsitzenden gefragt, ob sie noch sicher im Gebäude seien. Und er selbst hegt ernste Zweifel daran, ob er und seine Familie sicher in Essen sind: „Der Vorfall hat mein Sicherheitsgefühl gebrochen. Ich habe mich in Essen mal sicher gefühlt. Zweifellos hat Antisemitismus in Deutschland gerade an Schulen massiv zugenommen. Viele meiner Gemeindemitglieder berichten mir, dass ihre Kinder in der Schule verbergen, dass sie Juden sind!“

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Das ist Antisemitismus:

  • Judenfeindlichkeit, die mit Rassismus, Nationalismus und Sozialdarwinismus verbunden ist
  • der Begriff tritt in Europa seit der Zeit der Aufklärung (1720 bis 1800) auf
  • löste den älteren christlichen Antijudaismus ab
  • ab 1878 ist der Rassenantisemitismus entstanden, der als Staatsideologie in der NS-Zeit zum Holocaust (1941 bis 1945) geführt hatte
  • seit 1945 ist die staatliche Judenverfolgung weltweit zurückgegangen, doch viele judenfeindliche Stereotype sind an die heutige Lage angepasst worden

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Auch die Kinder seiner Schwester seien in der Schule wegen ihrer Religionszugehörigkeit gemobbt worden. Erst, als seine Nichte nach einem Schulwechsel angegeben hatte, dass sie Muslima sei, habe sie in Ruhe zur Schule gehen können. Chemsuraschwili sieht nur eine Möglichkeit, Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen: „Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung!“

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Die Polizei hatte öffentlich nach dem Tatverdächtigen gefahndet. Mittlerweile wurde der Mann gefasst. Der 37-jährige Iraner wurde in seiner Wohnung vorläufig festgenommen. Er habe laut Polizei die Taten eingeräumt, nannte aber kein Tatmotiv. Nun soll geprüft werden, ob er dem Haftrichter vorgeführt wird.