„Essen stellt sich quer“ stellt Anzeige gegen RWE-„Fans“

Stefan Kober
Den Verein Rot-Weiss Essen lobte das Bündnis „Essen stellt sich quer“ für seine Reaktion auf den Eklat vom Mittwoch.
Den Verein Rot-Weiss Essen lobte das Bündnis „Essen stellt sich quer“ für seine Reaktion auf den Eklat vom Mittwoch.
Foto: Michael Gohl
Die Störenfriede, die die Vorführung einer Neonazi-Doku beim Fan-Projekt von Rot-Weiss Essen gewaltsam gestoppt haben, müssen mit Ermittlungen wegen Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung rechnen. Das Bündnis „Essen stellt sich quer“ hat gegen sie Anzeige gestellt. Lob gibt es für die Reaktion des Vereins.

Essen. Nachdem selbst ernannte „Fans“ von Rot-Weiss Essen am Mittwoch die Vorführung der Neonazi-Doku „Blut muss fließen“ in den Räumen des Awo-Fanprojekts gewaltsam verhindert haben, hat das Bündnis „Essen stellt sich quer“ jetzt als Mit-Veranstalter Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei gestellt - wegen Bedrohung, Nötigung und Sachbeschädigung. In einer internen Mail-Umfrage hatte sich eine große Mehrheit der Bündnis-Mitglieder dafür ausgesprochen. Der Film selbst soll nachträglich im Stadion gezeigt werden. RWE-Chef Michael Welling trifft sich am Mittwoch mit Vertretern von „Essen stellt sich quer“.

„Das sind Straftaten, die gehören auch angezeigt“, sagt Max Adelmann vom Bündnis. Am Mittwoch, dem Tag des Vorfalls, hatten die Veranstalter der Vorführung, „Essen stellt sich quer“ und das Awo-Fanprojekt, noch darauf verzichtet, die Polizei einzuschalten. Die hatte am Freitag bereits erklärt, wegen des öffentlichen Interesses an dem Eklat von sich aus Ermittlungen aufgenommen zu haben.

„1:0 für Rechts“

Während das Bündnis „Essen stellt sich quer“ in einer Mitteilung am Sonntag das Verhalten der vermeintlichen „Fans“, „hergelaufenen obskuren Gestalten“, weiter scharf kritisiert, kann sich der Club über Lob freuen: „Besonders begrüßen wir die Reaktion vom Verein Rot-Weiss Essen, der sich zuerst klar positioniert hat und danach die Bereitschaft erklärte, unserem Vorschlag zu folgen und den ausgefallenen Film in eigenen Räumen neu anzusetzen.“ Schauplatz wird voraussichtlich die Assindia-Lounge sein.

Mit dem Bündnis soll sich auch der Regisseur Peter Ohlendorf über die Entwicklung nach dem Eklat gefreut haben. Es gehe nun darum, „das 1:0 für Rechts in einen Sieg der demokratischen Öffentlichkeit zu wandeln“.

1:1 im Heimspiel

1:1 trennte sich Rot-Weiss Essen beim Heimspiel am Samstag vom SV Lippstadt. Vor der Partie trug der Stadion-Sprecher Auszüge aus der Erklärung vor, mit der sich der Club für das Verhalten dieser „Fans“ entschuldigt und deren Aktion scharf verurteilt hat - verbunden mit dem Appell, die neu angesetzte Vorführung auch zu besuchen. Von der Westtribüne gab es nach der Ansprache Applaus.